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RTL-Dschungelcamp : Krokodile auf dem Bauch

Oh Schreck! Angelina Heger mag nicht länger im Schlamm baden. Die Sehnsucht nach Freund Chrissi war zu groß. Bild: RTL

In der Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ beginnt der Abzählreim. Die Zarteste der Kandidatinnen zieht sich jedoch selbst aus dem Dschungelverkehr. Und erspart sich einiges.

          2 Min.

          In den Kreisen der Eingeweihten gilt die aktuelle Staffel des Dschungelcamps als Festival der Langeweile. Dabei schauen immer noch Millionen hin. Zuwenig „Drama, Baby, Drama“, um den ehemaligen Fallschirmjäger und späteren Fernsehjuror Bruce Darnell zu zitieren. Kein Drama, nirgends. Keine klare Rollenverteilung, zu wenig good guy gegen bad guy, zu wenig Geschlechterkampf. Und nun auch noch das: Die Zartbesaitetste der Camperinnen wirft das Handtuch.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Angelina Heger hatte schon an den Tagen zuvor die Sinnfrage gestellt – welchen Sinn das Ganze hier ergebe (keinen), insbesondere für sie selbst (gar keinen, ja sowas von überhaupt keinen). Fern von Familie und Freunden, und dann das ganze Drumherum. Damit ist nun für sie Schluss. „Ihr wisst, mir geht es nicht gut und deswegen gehe ich jetzt,“ eröffnet sie den Mitcampern. „Ich muss jetzt diesen blöden Satz sagen: Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Und so geschieht es. Tränenreicher Abschied, Tröstungen. Abgang.

          „Ich muss mich rasieren“, sagt er zu den Bäumen

          Die Prüfung „Schlimms Märchen“, die Angelina Heger gemeinsam mit Walter Freiwald zuvor zu absolvieren hatte, dürfte sie in ihrem Entschluss nur bestätigt haben. Denn mit Stationen wie „Schneewittchen“, „Rumpelstilzchen“, „Hänsel und Gretel“, „Frau Holle“ und „Froschkönig“ verband sich das übliche Schleim-Maden-Kakerlaken-Krokodil-auf-den-Bauch-legen-und eine-Kröte-abschmatzen-Potpourri. Nichts für schwache Nerven, nichts für Leute, die trotz ansehnlichen Schmerzensgeldes nicht auch noch die dritte oder vierte Schlacht im Schlamm auf sich nehmen wollen.

          Hier noch voll motiviert: Patricia Blanco und Angelina Heger begeben sich gleich in Untiefen Bilderstrecke
          Hier noch voll motiviert: Patricia Blanco und Angelina Heger begeben sich gleich in Untiefen :

          Walter Freiwald jedoch, der frühere Telehopping-Moderator, scheint sich zu arrangieren. Nachdem er vor Tagen schon die Menüfolge in der „Dschungel-Kneipe“ hinter sich brachte, weigert er sich nun einfach, jeden Mist zu fressen, den man ihm vorsetzt. Dafür beglückt er die Produzenten von RTL mit morgendlichen Freiübungen und Selbstgesprächen zum Mitschreiben: „Ich denke, für die vierte Dschungelprüfung bin ich heute reif. Aber heute müssen sie mir eine Chance geben. Ich will es schaffen. Mit elf Sternen. Will ich haben. Ich bin fit, ich muss pinkeln, ich muss Haare waschen, ich muss mich rasieren“, sagt er und steht ganz allein im Wald. „ . . und ein bisschen feucht ist es auch hier, aber da gewöhnt man sich nicht dran. Meine Wäsche hängt jetzt hier seit einer Woche zum Trocknen und ist pitschnass. So wird wenigstens alles nach und nach immer sauberer.“

          Sara Kulka und Patricia Blanco kommen derweil im trauten Zwiegespräch zu der Erkenntnis, wie wichtig Familie und Freunde sind, aber Freunde dann, wenn, man sie braucht, sich rar machen und es gut ist, wenn einem die Familie – oder zumindest ein Teil von ihr – bleibt.

          Auszug aus dem von RTL mitgeschnittenen Tonprotokoll: Sara: „Wenn es dir gut geht, sind sie immer alle da. Da kannst du 20.000 Freunde haben. Aber wenn es dir kacke geht . . .“ Patricia: „Ist keiner da!“ Sara: „Gar keiner, außer deiner Familie.“ Patricia: „Oder ein Teil der Familie.“ Diese „oberflächliche Bussi-Bussi-Gesellschaft“ sei schon schlimm, sagt Patricia Blanco und schließt ihre Betrachtung zur Show- und Schickimicki-Szene mit dem Satz des Tages: „Du musst vorsichtig sein, in dem Beruf sind ja nur so Deppen.“ In welchem Beruf noch mal?

          Und was das Drama angeht, auf das echte Dschungel-Fans so brennend warten: Maren Gilzer hat dem Dauerlästerer Walter Freiwald beim nächtlichen Besuch der Freiluft-Restrooms den Kampf angesagt. Der dürfte mit unfeinen Mitteln ausgefochten werden, wie sich das im Dschungelcamp gehört. Die Zuschauer haben dann noch per Anruf entschieden, dass Patricia Blanco das Dschungelcamp verlassen muss. Was einigermaßen erstaunlich ist. Sie zählte zu den Unterhaltsameren der Truppe down under.

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