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RTL 2 : In erster Linie lustig

  • -Aktualisiert am

Weg von der Gefühlsschwere - wie bei „Engel im Einsatz” Bild: ddp

Der Fernsehsender RTL 2 erzürnte mit Sexreportagen die Moralisten und mit „Big Brother“ die Feingeister. Jetzt sucht man ein neues Profil, lustig soll es sein, aber auch seriös. Um dieses Image zu stärken, starten die Münchner in den kommenden Wochen eine Reihe neuer Formate.

          Seit 2005 ist der einundvierzig Jahre alte Jochen Starke Chef beim ehemaligen Skandalkanal RTL 2, der mit Sexreportagen die Moralwächter erregte und mit „Big Brother“ das Feuilleton. Anstatt mit neuen Programmen war man zuletzt öfter in den Schlagzeilen, weil die Gesellschafter sich nicht so recht über den Kurs einigen können.

          Die mit 35,1 Prozent beteiligte RTL Group würde den Sender gerne ganz übernehmen, die Mitgesellschafter - die Tele München Gruppe, Bauer und Burda - aber lehnen das ab. Starke besänftigt: „Dass unterschiedliche Gesellschafter auch unterschiedliche Wünsche haben können, steht außer Frage. Wenn diese Wünsche in Einklang mit den Zielen des Senders zu bringen sind, ist das in Ordnung.“

          Programm für „echte Menschen“

          Inzwischen hat sich RTL 2 aufs Nettigkeitsfernsehen besonnen, zeigt zudem hochwertige amerikanische Serien wie „Rom“ und will endgültig weg vom Trash-Image. Aber wohin will man?

          Zu mehr Ausgewogenheit, sagt Axel Kühn, seit November vergangenen Jahres Programmchef beim Münchner Sender, der seinen Sitz in einem Neubauquader hinter den Bavaria-Studios im noblen Stadtteil Grünwald hat und dorthin mit seinem Programm für „echte Menschen“ mit „echten Problemen“ so gar nicht passt.

          Der achtunddreißigjährige Kühn kam vom Produzenten Tresor TV („Popstars“) und soll RTL 2 wieder mehr Bedeutung bescheren. Ein bisschen hat es schon gewirkt: Die Marktanteile pendeln sich gerade bei etwas über sechs Prozent ein - das ist noch weit vom ehemaligen Rekord mit fast acht Prozent entfernt, aber bereits besser als im vergangenen Jahr.

          Dauerbrenner „Frauentausch“

          Dabei ist immer noch unklar, wofür RTL 2 jetzt eigentlich steht. Starke sagt: „Andere Sender haben vielleicht stärkere Programmmarken. RTL 2 hat jedoch eine hohe Kompetenz bei Dokutainment und Reality.“ Um dieses Image zu stärken, starten die Münchner in den kommenden Wochen eine Reihe neuer Formate.

          Im „Club der Ex-Frauen“ sollen Claudia Effenberg, Giulia Siegel und Maja von Hohenzollern verlassenen Leidensgenossinnen helfen, sich an ihren Ex-Männern zu rächen. Die Dokusoap „Frauentausch“, ein Dauerbrenner, bekommt mit „Das Aschenputtel-Experiment“ einen Ableger, bei dem ein Teenie aus reichem Elternhaus das Leben mit einer Altersgenossin aus armen Verhältnissen tauscht.

          In „Schwiegerschreck“ müssen Verliebte eine Woche bei ihrer künftigen Familie einziehen. Bei „Heirate mich!“ soll es zu Spontanhochzeiten kommen. Und in „Krieg am Gartenzaun“ geht ein ehemaliger Bundeswehrgeneral in deutsche Vorortsiedlungen, um Friedensverträge zwischen zerstrittenen Nachbarn auszuhandeln.

          „Raus aus den Schulden“

          „Viele der neuen Programme haben nicht mehr diese Gefühlsschwere, sondern sind in erster Linie lustig“, sagt Kühn. Zuletzt war es doch ziemlich trübe zugegangen bei RTL 2, in Sendungen wie „Engel im Einsatz“ mit Verona Pooth, die Menschen nach Schicksalsschlägen hilft, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen: Eine zweite Staffel ist in Planung.

          Ob das aber reicht, um RTL 2 neu zu positionieren? Immerhin hat auch die Konkurrenz den Trend erkannt: RTL verlässt sich auf „Helfer mit Herz“ und die Finanz-Sendung „Raus aus den Schulden“, am Nachmittag startet in Kürze „Susan - Familienhilfe mit Herz“. Auch Sat.1 will vom Herbst an stärker mit Dokuserien experimentieren.

          Jochen Starkes Sender fehlt also das Alleinstellungsmerkmal - und ein Gesicht. „Wir werden sicher die Personen stärker hervorheben müssen, die für die RTL-2-Programme stehen“, sagt Starke. Mit Pooth wird über weitere Sendungen verhandelt, Ex-“Big Brother“-Bewohner Jürgen Milski soll öfter moderieren, und am liebsten hätte Programmchef Kühn Multitalent Oli Petszokat zurück, der vor kurzem im zu Pro Sieben ging.

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