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Roger Willemsen ist tot : Der Anspruch, genau zu sein

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Als Ergebnis einer monatelangen Reise quer durch Deutschland erschien 2002 sein Buch „Deutschlandreise“. Im Oktober 2001 kündigte Willemsen nach elf Jahren Fernseharbeit seinen Abschied vom Bildschirm an. Zur Begründung sagte er, es sei aufreibend zu versuchen, Minderheitsinteressen auf ein Massenpublikum zu übertragen. Nach zweijähriger Pause als Fernsehmoderator kehrte Willemsen im Februar 2004 als Nachfolger von Elke Heidenreich und Daniel Cohn-Bendit mit dem „Literaturclub“ des Schweizer Fernsehens für etwa zwei Jahre auf den Bildschirm zurück.

Auf Byrons Spuren

Im Folgenden widmete sich Willemsen verstärkt dem publizistischen Schaffen und legte mit „Gute Tage. Begegnungen mit Menschen und Orten“ (2004) eine Sammlung von 13 Interview-Begegnungen mit prominenten Zeitgenossen wie Maggie Thatcher oder Madonna vor. Dabei handelt es sich um eine späte Ausbeute seines TV-Talk-Engagements, bei der er nach eigenen Angaben insgesamt mehr als zweitausend Menschen interviewt hat. Eine Rarität grub er 2004 mit der Edition von „Samuel Pepys: Die geheimen Tagebücher“ als Herausgeber aus.

Zwiespältig reagierte die Literaturkritik auf Willemsens spätes belletristisches Debüt, die Erzählung „Kleine Lichter“ (2005), den Monolog einer Frau über die Liebe als Botschaft an ihren im Koma liegenden Freund. Als Willemsen für die Kampagne „Helfen steckt an“ der UN-Flüchtlingshilfe und von Care International im Februar 2005 erstmals nach Afghanistan reiste, sammelte er dort Material für sein Buch „Afghanische Reise“ (2006), in dem er sich als Chronist subjektiver Stimmungen auf die Spuren seines geistigen Wegbereiters Lord Byron und dessen in den dreißiger Jahren geschriebenem „Weg nach Oxiana“ begab. Ergebnis dieser Recherchereise, auf der er von seiner exilafghanischen Freundin begleitet wurde, war auch das politisch brisante Buch „Hier spricht Guantánamo“ (2006), in dem Gespräche mit fünf ehemaligen Häftlingen des umstrittenen amerikanischen Gefangenenlagers für mutmaßliche islamistische Terroristen auf Kuba dokumentiert sind.

Persönlich geprägte Bücher

In seinem 2008 vorgelegten literarischen Essay „Der Knacks“ gab Willemsen auch Einblicke in prägende Momente seiner Biographie, so den „Knacks“, den der frühe Tod seines Vaters im Jahr 1970 verursachte, als Willemsen gerade 15 war. 2010 legte Willemsen mit „Die Enden der Welt“ aufs Neue ein sehr persönlich geprägtes Buch vor. Über zweiundzwanzig seiner Reisen von Bombay bis in die Eifel, durch Bordelle und idyllische Landschaften berichtet er aus dem Blickwinkel des Flaneurs, Reporters und Denkers. Sein nächstes Werk „Momentum“ (2012) versammelt Augenblicke, erotische Momente, Fragmente des Glücks und des Beiläufigen. Zu einem Bestseller wurde Willemsens 2014 veröffentlichtes Buch „Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament“, für das er 2013 ein Jahr lang das Geschehen im Bundestag von der Tribüne aus als Zuhörer verfolgt hatte.

Kurz nach seinem 60. Geburtstag im August 2015 gab Willemsen bekannt, dass er an Krebs erkrankt sei, und sagte alle Auftritte bis auf Weiteres ab. Am Sonntag starb Roger Willemsen in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg.

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