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Roger Köppels Mission : Die Spreu vom Schweizer trennen

Ausländer rein: Auch die Schweiz ist längst ein Einwanderungsland - was der Fan-Freude keinen Abbruch tut Bild: Reuters

Kein anderes Blatt polarisiert so sehr: Roger Köppels Wochenmagazin „Die Weltwoche“ zielt mit staatsfeindlichen und wirtschaftsfreundlichen Titeln auf das Herz der Schweizer Konsenskultur.

          Roger Köppel ist der Einpeitscher der Schweizer Publizistik, intellektuell scharf, rhetorisch brillant, politisch unbequem bis verhasst. Er produziert Reibung und steht für die Verluste gerade - auch mit kreativen Mitteln. Als der Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer die „Weltwoche“ in einem Artikel als ein „rechtsradikales Sektenblatt“ beschrieb, verzichtete Köppel auf eine Anzeige und handelte statt dessen fünf Anzeigenseiten als Entschädigung aus. Ohne Rabatt.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Das Büro des drahtigen Fünfundvierzigjährigen ist bescheiden, unschweizerisch unaufgeräumt und durch zwei Glastüren einsehbar. Ein winziger Fernseher, im Regal liegt Friedrich August von Hayeks „Die Verfassung der Freiheit“, an der Stirnwand hängen in Doppelreihe die jüngsten Titelblätter des Magazins. Bei einem früheren Treffen im Jahr 2002 - er war gerade als Chefredakteur angetreten und hatte das Blatt vom Zeitungs- auf Magazinformat umgestellt - hatte er zum Abschied gesagt, der Kampf am Förrlibuck gehe weiter. In der Förrlibuckstraße, einer gesichtslosen Dauerbaustelle im Zürcher Nordwesten, residiert die Axel Springer AG. Aus deren Besitz Köppel die „Weltwoche“ vor vier Jahren herauskaufte - nachdem er sich zwei Jahre lang mit durchwachsenem Erfolg in Berlin als Chefredakteur der „Welt“ verdingt hatte. Seither mischt er daheim die Debatten auf.

          Direkte Direktiven von Blocher?

          Finanziell sei er auf einem guten Weg, sagt Köppel, der sich privat hoch verschuldet hat, er beschäftigt eine Mannschaft von vierzig Mitarbeitern. Das kann sich nicht tragen, sagt die Konkurrenz, zumal die Auflage mit derzeit rund 85 000 Exemplaren nicht exorbitant ist und die Leserzahlen rückläufig sind. Als Medienmacher fasziniert er auch deswegen, weil er geheimnisvolle mächtige Männer im Hintergrund hat: den Unternehmer, Multimilliardär und SVP-Politiker Christoph Blocher und den Tessiner Investor Tito Tettamanti. Aber von der gern kolportierten Überväter-Theorie will Köppel nichts wissen. „Wenn jetzt plötzlich neunzig Prozent für Blocher wären, dann müssten wir dagegenhalten.“ Außerdem habe er das Blatt Tettamanti abgekauft - und damit basta.

          Gegensteuern: Roger Köppels journalistischer Ansatz kommt in der Schweiz nicht überall an

          Seine Gegner operieren regelmäßig mit der bislang unbewiesenen Unterstellung, die „Weltwoche“ sei gekauft, Köppel erhalte seine Direktiven direkt von Blocher. Köppel kontert: Wer es mit Leuten dieser Etage - damit meint er auch den Tennisspieler Roger Federer - zu tun habe, wisse sehr schnell, dass achtzig Prozent von dem, was über sie geschrieben wird, nicht stimme. „Es gibt so viele Leute, deren intellektuelle Karriere auf dem Blocher-Bashing beruht.“

          „Dagegen ist die Papstwahl ein Ausbund an Transparenz“

          Dazu zählt er auch Roger de Weck. Den ehemaligen „Zeit“-Chefredakteur hat Köppel im Frühsommer gegrillt, nachdem dieser in einem holprigen Berufungsverfahren zum Direktor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG gewählt worden war (F.A.Z. vom 20. Mai). In die allgemeine Zustimmung hinein stieß die „Weltwoche“ mit der These: Roger de Weck sei als Spross einer zutiefst schwarzkatholischen Freiburger Familie ein Aristokrat, der die Demokratie abschaffen wolle. Noch nicht einmal das „de“ stünde ihm rechtlich zu. Die Debatte folgte auf dem Fuße. Für den deutschen Leser hat das zunächst den Beigeschmack der Kampagne. Und damit der Vorhersehbarkeit.

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