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Rösler besucht Diekmann : Komm in meine Arme

Nonverbale Kommunikation: Als hänge davon der Wiedereinzug in den Bundestag ab Bild: dpa

Wenn Politikern das Rollenverständnis fehlt, wenn sie öffentlich auf Journalisten treffen, kann es schnell peinlich werden. So wie bei Röslers Schulterklopfernummer mit Diekmann.

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          Philipp Rösler, der Bundeswirtschaftsminister und Vorsitzende der FDP, hat das Silicon Valley besucht. Und dabei einiges zu sehen bekommen, als Pilger im Mekka der Medienentwicklung, in dem aus Start-Ups im Nu Milliardenkonzerne werden, die die Welt beherrschen. Durch San Francisco gejoggt ist Philipp Rösler auch, im hautengen Trikot, und er hat eine Menge Leute getroffen. Wie zum Beispiel den Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, den man mit Bart, Nerd-Brille und im T-Shirt erst auf den zweiten Blick erkennt. Diekmann weilt länger zu Studienzwecken an der Westküste, für seine Rückkehr nach Berlin ist bei „Bild“ eine Großreform angesagt - die digitale Revolution lässt grüßen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Begrüßung der beiden nun war eine offenbar sehr innige, welche die doch eher ratsame Distanz zwischen Journalist und Politiker in Tuchfühlung verwandelt. Oder gehört es in Kalifornien jetzt zur Etikette, sich gleich „Good Vibrations“-mäßig um den Hals zu fallen? Hey, buddy, alles senkrecht? Was für ein Bild! Sieht fast nach Heimkehr des verlorenen Sohns aus. Doch erinnert einen solch fehlendes Rollenverständnis selbstverständlich sofort an Karl Theodor zu Guttenberg, wie ihn der „Stern“ in „I did it my Way“-Manier auf dem Times Square in New York inszenierte, aber auch an Röslers Auftritt im ZDF, bei dem ihm Markus Lanz zu nahe trat, der seine Gäste allabendlich animiert, sich zum Affen zu machen. Und natürlich an das Auf und Ab, das Politiker mit Deutschlands größtem Boulevardblatt erleben, von Gerhard Schröder auf dem Deich bis zu Christian Wulff am Telefon.

          Aus so mancher Homestory ist eine Horrorstory geworden. In die Reihe der damit verbundenen Aufnahmen reiht sich Röslers Schulterklopfernummer nun ein. Hinter dem Bild, heißt es bei Springer, stecke keine Medienstrategie, es handele sich vielmehr um eine „nette Geste“, die aber missglückt sei, weil es sich darstelle als Kumpanei zwischen Politiker und Journalist.

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