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Arte-Doku zur Mondlandung : Als wir träumten

  • -Aktualisiert am

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit“, sagte Neil Armstrong auf dem Mond. Unser Bild zeigt den Schuh von Buzz Aldrin. Bild: AP

Ein kleiner Schritt für den Menschen, und dann? Zum fünfzigsten Jahrestag der Mondlandung legt Robert Stone bei Arte die ultimative Dokumentation dazu vor. Es wird keine bessere mehr geben.

          4 Min.

          So viel Aufbruch war nie wieder. Die Mondlandung am 21. Juli 1969, zugleich das allzeit größte Medienereignis, ließ die Menschheit unerwartet zusammenrücken, und das auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs und des zivilgesellschaftlichen Umbruchs. Die Kommentare der Reporter hatten etwas feierlich Elevatorisches, obwohl die Wortwahl betont nüchtern blieb. Ein größerer Kontrast zur mondsüchtigen Romantik, die sich ein Jahrhundert zuvor ganz im Symbolischen ausgelebt hatte, ist schwer denkbar. Der Mythos war geerdet worden, der Adler war gelandet.

          Weitgehend frei blieb die Mondlandung auch von religiösem Pathos, ganz anders als wenige Monate zuvor die Apollo-8-Mission, die erste bemannte Mondumkreisung, bei der die Besatzung zu Weihnachten ausgiebig aus dem 1. Buch Mose zitiert hatte. Und selbst der Nationalstolz trat trotz gehisster Flagge diesmal zurück. Das Abspielen der Nationalhymne, wie es Präsident Nixon gewünscht hatte, ließ die Nasa nicht zu. Alle Dokumente zeigen, wie sehr dieser live übertragene Schritt ins Offene als Beginn einer neuen, geeinten Ära begriffen wurde. Dass danach ein halbes Jahrhundert lang nur noch wenig geschehen würde in der bemannten Raumfahrt – zehn weitere Amerikaner betraten den Mond; einige hundert Astronauten hielten sich in Raumstationen auf –, war unmöglich abzusehen. Vor fünfzig Jahren schien der Mars zum Greifen nah.

          Der Astronaut Ed White beim ersten Weltraumspaziergang am 3. Juni 1965.

          Archivbilderfilme über die Mondlandung gibt es wie Krater auf dem Erdtrabanten, doch nun legt der renommierte Dokumentarfilmer Robert Stone im Rahmen seiner „American Experience“-Reihe die ultimative Betrachtung vor, die sich nicht nur durch ihre Länge von fünf Stunden auszeichnet (als Dreiteiler programmiert), sondern auch durch die Vielzahl klug verschränkter Blickwinkel (technisch, politisch, medial, persönlich, gesellschaftlich), durch hochrangige Erzähler – unter anderem Buzz Aldrin, Frank Borman, Nasa-Pressesprecher und Sergej Chruschtschow, Sohn Nikita Chruschtschows und selbst Raumfahrtingenieur –, vor allem aber durch eine spektakuläre Bildauswahl in hinreißend aufbereiteter Qualität.

          Wir sehen all das, was sonst stets zu kurz kommt: Pressekonferenzen, Vorbereitungen, minutenlange Start-, Flug-, Lande- und auch Unfallszenen, unterlegt mit Funkkontakten und stimmiger Musik. Der Film taucht zudem tief in die sechziger Jahre ein, die hier einmal nicht als zwischen Gegenkultur und Establishment zerrissen erscheinen. Die übermütige, nicht allzu konservative Raumfahrer-Szene, das betonen Historiker und Beteiligte mehrfach, habe die Hippiebewegung schlicht verpasst. Man lebte auf einem anderen Planeten.

          Schaulustige: Der frühere amerikanische Präsident, Lyndon B. Johnson (Mitte), und der damals amtierende Vizepräsident Spiro Agnew (rechts) beim Start von „Apollo 11“ im Kennedy Space Center am 16. Juli 1969.

          Ganz will auch Stone nicht vom reizvollen Narrativ des doppelten Teufelspakts – Wernher von Brauns mit den Nationalsozialisten und der Amerikaner mit dem genialischen Ex-Feind – lassen, aber diese Erzähllinie ist nur eine von mehreren innerhalb der ersten Episode zur Vorgeschichte des Apollo-Projekts. Außerdem wird deutlich, dass die amerikanische Regierung weniger Anstoß an von Brauns Vergangenheit nahm – man hatte ihn schließlich regelrecht anwerben lassen – als an seinem „Primadonnengehabe“. Nach dem PR-Desaster einer vor den Kameras der Reporter explodierten Vanguard-Rakete der amerikanischen Marine, mit der eigentlich der schmachvolle Sputnik-Vorsprung der Russen aufgeholt werden sollte, schien 1957 indes kein Weg mehr an dem in Huntsville an seiner Jupiter-Rakete arbeitenden Ingenieur vorbeizuführen. Von Braun brachte den ersten amerikanischen Satelliten sicher ins All und wurde zu einer führenden Figur in der neugegründeten Nasa. Wir sehen, wie sein Charisma Walt Disney und den neuen Präsidenten John F. Kennedy in den Bann schlug.

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