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Streit bei Fox News : Grabenkrieg im Kampagnen-Sender

  • -Aktualisiert am

Gepasst hätte es: Roger Ailes werde Donald Trumps Wahlkampfberater, berichtete die „New York Times“. Trumps Mannschaft dementiert. Bild: AP

Roger Ailes hat als Chef von Fox News Amerikas politischen Diskurs auf Radau getrimmt und Donald Trump gefördert. Der Vorwurf sexueller Belästigung kostete Ailes den Job. Wer wird der neue Boss?

          Nach dem Abgang von Roger Ailes bei Fox News stellt sich die Frage: Was wird aus dem mächtigsten amerikanischen Nachrichtensender, der wie keine andere Medienorganisation den politischen Diskurs in Amerika prägt? Ailes, der in der Folge eines Skandals um sexuelle Belästigung vor zwei Wochen zurücktreten musste, hat den Sender in den zwanzig Jahren seines Bestehens zum Sprachrohr der Ultrakonservativen gemacht. Mit lautem Meinungsjournalismus veränderte Fox News den Tonfall und die Struktur der politischen Debatte in Amerika und bestellte das Feld für die Tea-Party-Bewegung und Donald Trump. Ob sich dies auch ohne Ailes fortsetzt, ist deshalb Gegenstand weitreichender Spekulationen im Wahljahr, in dem Fox News mit den Ton angibt.

          Es ist eine ironische Pointe, dass die Karriere von Roger Ailes ausgerechnet an dem Tag endete, an dem Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ausgerufen wurde. Trump hatte seinen politischen Feldzug mit der von Fox News aufgebauschten Forderung eröffnet, Barack Obamas Geburtsurkunde einzusehen. Als Trump Fox News mit immer neuen Ausfällen rechts überholte, war Ailes war sichtlich irritiert. Trump hat sich von Fox News emanzipiert.

          Rupert Murdoch ist selbst am Drücker

          Momentan führt dort Rupert Murdoch, zu dessen Medienimperium Fox News gehört, die Geschäfte, und er hat durchblicken lassen, dass es ihm mit der Nachfolge von Ailes nicht eilig ist. Aber Eile ist womöglich geboten. Im Sender gibt es angeblich eine tiefe Spaltung zwischen Ailes-Anhängern und Ailes-Kritikern. Prominente Moderatoren wie Brit Hume, Greta van Susteren und Neil Cavuto vom Fox Business Channel stellten sich nach dem Bekanntwerden der von ihrer Kollegin Gretchen Carlson erhobenen Vorwürfe gegen Ailes hinter den Senderchef, dem bei Fox News nach Angaben anonymer Mitarbeiter wie einem Guru gehuldigt wurde. Megyn Kelly hingegen, Ailes-Schützling und seit ihrer Fehde mit Donald Trump prominenter denn je, schwieg. Dann gab sie wie andere Mitarbeiterinnen des Senders internen Ermittlern zu Protokoll, Ailes habe auch ihr einst Avancen gemacht. Den Ailes-Unterstützern erscheint dies als Hochverrat. Während der Berichterstattung von der republikanischen Wahlversammlung machten Beobachter in den Sendepausen eisiges Schweigen zwischen den Moderatoren Hume und Kelly aus. Megyn Kelly hatte, als sie von Donald Trump übel beleidigt worden war, bemerkt, dass sich kaum jemand im Sender hinter sie gestellt habe. Es galt als sicher, dass sie den Sender nach Auslaufen ihres Vertrags im nächsten Jahr verlässt. Nach dem Abgang von Ailes stehen die Dinge anders. Wer von den Moderatoren unter neuer Führung die Linie vorgibt, bleibt abzuwarten.

          Ihre Beschuldigungen brachten Ailes zu Fall: die Moderatorin Gretchen Carlson.

          An der Spitze von Fox News steht ein Generationswechsel seit längerem an und damit womöglich auch ein Richtungswechsel. Das Wut-Programm à la Ailes spricht vor allem ältere weiße Männer an - der Durchschnittszuschauer von Fox ist 67 Jahre alt. Es ist kein Geheimnis, dass Murdochs Söhne Lachlan und James den sechsundsiebzigjährigen Ailes loswerden wollten und offenbar die treibende Kraft hinter seinem zügigen Abgang waren. James Murdoch, der seit dem vergangenen Jahr der Mutterfirma von Fox News, 21st Century Fox, vorsteht, gilt als Nachfolger seines Vaters - und als entschiedener Trump-Gegner. Zwar ist auch Murdoch senior kein Fan von Trump wie Roger Ailes, aber er ließ Ailes gewähren, nicht zuletzt, weil die quotenträchtige Trump-Berichterstattung half, den Sender aus einer Flaute zu holen. Allerdings soll Murdoch Ailes zuletzt stärker auf die Finger geschaut haben.

          Wer könnte nun an die Spitze von Fox News rücken? Als aussichtsreicher Anwärter gilt Jesse Angelo, Manager der „New York Post“, einstiger Collegekumpel und Trauzeuge von James Murdoch. Auch ein weiterer Vertrauter von James Murdoch, der CBS-News-Chef und vormalige Fox-News-Manager David Rhodes, ist im Gespräch, er ist allerdings bis 2019 bei CBS unter Vertrag. Außerdem werden der amtierende Programmchef des Senders, Bill Shine, und die Fox-News-Manager Jay Wallace, Mark Krantz und Michael Clemente als Kandidaten gehandelt.

          Aber wie Gabriel Sherman, kenntnisreicher Beobachter des „New York Magazine“ mit besten Kontakten zu Fox News, zu bedenken gibt, existiert ein Mann vom Kaliber eines Roger Ailes im amerikanischen Nachrichtenfernsehen kein zweites Mal. Dem Sender wird es schwerfallen, Emotionalisierung und Polarisierung, die den Markenkern von Fox News bilden, abzulegen. Dann dürfte er nämlich einen Großteil seiner Zuschauer verlieren.

          Im Augenblick führt der Konzernchef selbst die Geschäfte: Rupert Murdoch hat bei Fox News einiges zu tun.

          Freilich ist die von Ailes beförderte Dumpfheit des politischen Diskurses längst etabliert, und bisher zeichnet sich im Programm des Senders keine Veränderung ab. Der Moderator Bill O’Reilly sorgte kürzlich mit der an Michelle Obama gerichteten Äußerung, die Sklaven, die einst das Weiße Haus zu errichten halfen, seien „wohlgenährt gewesen und verfügten über anständige Unterbringung durch die Regierung“, für einen typischen Fox-News-Aufreger. Der Journalist Chris Wallace grillte Hillary Clinton in ihrem ersten Interview seit fünf Jahren auf Fox News mit der Frage, ob sie die amerikanische Öffentlichkeit über die Versendung geheimer Informationen über ihren privaten E-Mail-Server belogen habe. Seither spielt der Sender Clintons Einlassung, das sei ein „Kurzschluss“ gewesen, hoch, was Donald Trump die Gelegenheit gab, zu behaupten, sie sei geistig instabil. Lachlan Murdoch ließ derweil mitteilen, es gebe weder den Wunsch noch den Anlass, die Position des Senders auf dem Markt zu verändern. Fox News, das zwanzig bis dreißig Prozent zum Gesamtprofit von Murdochs Konzern beisteuert, ist vor allem ein Umsatzgarant.

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