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Richard Avedon in Berlin : Er war wie ein Jäger, ein Fischer

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Marilyn Monroe, aufgenommen im Mai 1957 in New York Bild: dpa

„Hab einen kleinen Gedanken“, bat Richard Avedon, wenn eines seiner Modelle ihm zu ausdruckslos wirkte. Zur Zeit wird der Porträtfotograf in Berlin mit einer Retrospektive geehrt. Wie es war, vor seiner Kamera zu stehen? Nastassja Kinski, Isabella Rossellini und Lauren Hutton erzählen.

          „Have a little thought“ – „Hab einen kleinen Gedanken“, das pflegte der Fotograf Richard Avedon zu Models zu sagen, deren Gesichtsausdruck ihm eine Idee zu leer ausfiel. Er sagte es freundlich, denn er war, da sind sich alle, die ihn kennengelernt haben, einig, ein sehr freundlicher Mensch.

          Als Modefotograf inszenierte er Mannequins in ungewöhnlichen Situationen (sein berühmtestes Bild zeigt die elfengleiche Dovima zwischen Elefanten), seine Anzeigenkampagnen etwa für Calvin Klein werden noch heute kopiert – am bekanntesten ist er aber wohl für seine Porträts. Ihr Aufbau ist klar, fast streng: Person vor weißem Hintergrund, Schwarzweißfilm, die schwarze Umrandung als Teil der Komposition, so sieht ein klassischer Avedon aus. Mit diesen sparsamen Mitteln aber konnte er zaubern. Nie sieht Cary Grant mehr nach Cary Grant aus als auf den Bildern, die Avedon von ihm machte. Marilyn Monroe dagegen sah er traurig und verloren im Paillettenkleid. Seine Porträts zeigen die Quintessenz eines Menschen, das Innere und das Äußere zugleich, manchmal stimmt es überein, öfter nicht. Bei denen, die sich vor seine Kamera begaben, schwang deshalb oft auch ein wenig Angst mit. Henry Kissinger bat ihn vor seiner Porträtsitzung, er möge freundlich zu ihm sein, einen „wunderbaren schrecklichen Spiegel“ nannte ihn Jean Cocteau.

          „Ich hatte keine Angst, ich weiß auch nicht warum“

          In Berlin wird Richard Avedon jetzt mit einer Retrospektive geehrt. Bis 19. Januar sind im Martin-Gropius-Bau Fotografien aus den Jahren 1946 bis 2004 zu sehen, darunter auch das berühmte Bild von Nastassja Kinski mit Schlange, das in den achtziger Jahren bei vielen Menschen als Poster in der Wohnung hing.

          Marilyn Monroe, aufgenommen im Mai 1957 in New York Bilderstrecke

          Nastassja Kinski erinnert sich noch gut an den Tag, an dem diese Aufnahme entstand: „Das Ganze war eigentlich ein ganz normaler 'Vogue'-Fashion-Shoot, aber Avedon gefielen die Kleider nicht, er wollte was anderes. Er suchte nach etwas, das ihn inspirierte und das zu mir passte. Erst hatte er die Idee, Panther auszuleihen – ich hatte gerade den Film 'Cat People' gemacht –, dann kam er irgendwie auf die Schlange. Kurze Zeit später war eine im Studio. Der Schlangendresseur war immer in der Nähe, aber ich hatte keine Angst, ich weiß auch nicht warum. Es hat wahnsinnig lange gedauert, bis wir das richtige Bild hatten. Avedon hat Tausende von Fotos gemacht, aber der Moment war nie richtig. So eine Schlange macht ja, was sie will. Schwer war sie, das weiß ich noch. Avedon hat mir präzise Anweisungen gegeben. Er wollte, dass es ruhig aussieht und auch gefährlich. Ruhig war ich sowieso, man ist instinktiv ruhig, wenn man eine Schlange auf sich hat. Viele Leute dachten hinterher, ich sei schwanger, weil ich vor lauter Konzentration vergessen habe, den Bauch einzuziehen.“

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