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Trumps Rhetorik : Er steht für Politik in einfacher Sprache

Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen: Davon lebt Trumps Rhetorik wie von geschickt plazierten Reizwörtern. Hier rollen seine Konterfeie in einer japanischen Maskenfabrik vom Band. Bild: EPA

Redet Donald Trump, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, oder steckt hinter seinem Wortschwall Kalkül? Wir haben ihm einmal ganz genau zugehört und sagen: Tremendous! Okay! I! Deal!

          Wer darauf setzt, dass Donald Trump sich nach seiner Vereidigung zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten einer anderen Rhetorik bedienen wird als bisher, sollte auf Youtube einen Auftritt des Multimillionärs von 1988 anschauen. Damals war Trump bei Oprah Winfrey zu Gast und sagte auf die Frage der Moderatorin, was er an der amerikanischen Außenpolitik kritisiere und anders machen würde, Folgendes (und es ist nötig, die Antwort in voller Länge zu zitieren): „Ich würde unsere Verbündeten, vergesst Feinde, denn mit Feinden kann man nicht so leicht reden, ich würde unsere Verbündeten zwingen, ihren fairen Anteil zu zahlen. Wir sind eine Nation von Schuldnern. Etwas wird passieren in den nächsten Jahren, denn man kann nicht damit weitermachen, zweihundert Milliarden zu verlieren, und trotzdem lassen wir Japan rein und alles in unseren Markt kippen, und ich, das ist kein Freihandel. Wenn du heute nach Japan gehen willst und etwas verkaufen willst, vergiss es Oprah, vergiss es einfach, es ist fast unmöglich. Sie haben keine Gesetze dagegen, sie machen es nur unmöglich, sie kommen hier herüber, sie verkaufen ihre Autos, ihre Videorekorder, sie prügeln unsere Firmen windelweich, und – hey – ich habe enormen Respekt vor dem japanischen Volk, ich meine, man kann jemanden respektieren, der einen verprügelt, aber sie prügeln dieses Land windelweich, Kuweit, sie leben wie Könige, der ärmste Mensch in Kuweit, sie leben wie Könige, und trotzdem zahlen sie nicht, wir machen es möglich, dass sie ihr Öl zu verkaufen, warum zahlen sie uns nicht 25 Prozent von dem, was sie verdienen, es ist ein Witz.“

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          So viel zum amerikanischen Protektionismus. Trump-Fans reichen das Video im Netz herum als Beleg dafür, wie treu der Geschäftsmann seinen Ansichten, Einsichten und Überzeugungen über die Jahre geblieben ist, dass er sagt, was er wirklich denkt, „realdonaldtrump“ eben. Dieser Eindruck aber ist nicht nur dem geschuldet, was Trump sagt – sondern wie.

          Abschweifen, bis die Syntax zerfällt

          Schon damals bei Oprah führte er eine Reihe rhetorischer Muster vor, die er bis heute und mit Sicherheit auch in Zukunft zum Einsatz bringt, wann immer er frei spricht, ohne Manuskript, etwa im Interview. Dann redet Trump relativ schnell und folgt impulsiv dem Strom seiner Gedanken. Knapp fünfzig Sekunden brauchte er für die zitierte Antwort. Er vermeidet hierarchische Satzgefüge mit Haupt- und Nebensätzen und reiht stattdessen Hauptsätze aus möglichst kurzen, eingängigen Worten aneinander, schraubt in diese simple Syntax aber gedankliche Abschweifungen, Seitenbemerkungen, Fußnoten, bis sie fast oder ganz zerfällt. Er bricht Sätze ab, setzt neu an, bricht wieder ab.

          Trumps Rhetorik lebt von der Wiederholung. Aus seiner unruhigen Sprachbewegung ragt all das wie Ankerpunkte für den Zuhörer heraus, was er mehrmals nennt. Reizworte und provokative Phrasen in roher Wortwahl werden auf diese Weise verstärkt und setzen sich besser im Gedächtnis fest. Noch effektiver ist es, wenn Schlagworte ans Satzende wandern, obwohl sie dort syntaktischen Gewohnheiten nach eher nicht stehen würden, und ein- oder zweisilbig sind. Zu Trumps rhetorischen Figuren gehört weiterhin, bestimmte Gruppen oder Personen erst zu attackieren und ihnen unmittelbar darauf seinen besonderen Respekt zu zollen. Oder zu versichern, dass Menschen ihm versicherten, wie richtig er liege.

          Achtzig Prozent Einsilbenworte

          2015 antwortete Trump in der Talkshow von Jimmy Kimmel auf die Frage, ob religiöse Diskriminierung in Ordnung sei, mit einer wirren Antwort, die man im Lichte vieler weiterer, ähnlich verstolperter Wortmeldungen des damaligen Kandidaten jedoch für eine Verfeinerung seiner Redetechnik halten kann. Kimmel hatte als Ja-Nein-Frage angelegt, was auf den Vorschlag Trumps abhob, auf islamistische Anschläge mit einem Einreiseverbot für Muslime zu reagieren.

          Zähne zeigen: Trump tut so, als rede er Tacheles, doch eigentlich sagt er genauso wenig wie alle anderen Politiker auch.

          „Aber Jimmy, das Problem, ich meine, sieh einmal, ich bin dafür. Aber sieh doch mal, Leute kommen in unser Land, die gigantischen Schaden anrichten wollen. Sieh mal auf die zwei – sieh mal auf Paris. Sieh dir an, was in Paris passiert ist. Andere Leute werden sterben, sie sind so schwer verletzt. Wir haben ein echtes Problem. Da ist ein gigantischer Hass da draußen. Und was ich machen will, ist herausfinden, was es – weißt du, du kannst kein Problem lösen, bis du die Wurzel gefunden hast. Und ich will herausfinden, was ist das Problem, was ist los. Und, es ist temporär. Mich haben so viele Leute angerufen und gesagt: Danke. ...“

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