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Revolte beim „Spiegel“ : 225 Redakteure proben den Aufstand

In der Redaktion mutmaßen viele, dass Büchner und Saffe ihre Kritiker auf diese Weise fix erledigen wollen. Die Ressortleiterstellen sind beim „Spiegel“ seit jeher auf zwei Jahre befristet. In der Regel ist es jedoch so, dass jemand auf seinem Posten bleibt, wenn er den Job gut macht. Dass sich jetzt alle, wie es heißt, bewerben „können“, wird als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden: Ob ihr geht oder bleibt, hängt jetzt von uns ab, vom Chefredakteur und vom Geschäftsführer. Das nennt man: die Instrumente zeigen.

Es könnte auch eine Retourkutsche sein. Vor ein paar Wochen waren nämlich drei Ressortchefs bei dem Geschäftsführer Saffe vorstellig geworden, um diesem zu bedeuten, dass es mit dem Chefredakteur Büchner nicht mehr gehe. Die Vorstellung, dass dies zu Büchners Rauswurf führen könne, war allerdings ein wenig sonnig. Der Geschäftsführer Saffe hatte sich schon zuvor eindeutig als Unterstützer des Digitalisierungsplans gezeigt.

Keine Kommunikationsbereitschaft

Um den gehe es auch gar nicht, sagen die Kritiker. Es gehe darum, dass Büchner für dieses Unterfangen nicht der richtige Mann sei, dass ihm die nötige journalistische Statur fehle, den „Spiegel“ zu führen, dass er nicht kommuniziere, die Redaktion nicht einbinde und einsame Entscheidungen fälle. Dass er kluge Blattmacher wie den einstigen stellvertretenden Chefredakteur Martin Doerry schnöde zurück ins Glied befördert habe.

Dass er nicht wisse, wie das Magazin „Spiegel“, ja nicht einmal, wie recherchierter Magazin-Journalismus funktioniere. Doch man kann beim „Spiegel“ genauso hören, dass noch immer nicht alle verstanden hätten, was die Stunde geschlagen habe und die Zeit des süßen Publizierens vorbei sei. Büchner sei nur das nächste potentielle Opfer in einem internen Selbstzerstörungsprozess.

Wie tief der Graben ist, zeigte sich am Mittwoch, als der Chefredakteur die Ressortchefs über die jüngsten Schritte informierte. Da marschierte gleich die halbe Redaktion auf. Die Kollegen von „Spiegel Online“ setzten sich zu Büchner an den Tisch, die Ressortchefs des Blattes taten es nicht. Beim „Spiegel“ ist nicht nur das Tischtuch zerschnitten, man sitzt sich nicht einmal mehr gegenüber.

Ein schlimmes Ende?

Es wäre allerdings falsch, zu denken, beim „Spiegel“ heiße es nun: einer gegen alle. Es heißt vielmehr: Redakteure des gedruckten Magazins gegen (finanziell und machtpolitisch sehr viel schlechter gestellte) Redakteure von „Spiegel Online“ und gegen Mitarbeiter des Verlags. Es sind mindestens drei Fraktionen, und die Fraktionsbildung verläuft auch nicht geschlossen.

Das Fatale ist, dass die Strukturreform des „Spiegel“, die angeblich alle wollen, immer gleich eine Macht- und eine Personalfrage ist. Man fragt sich, wer das eigentlich machen soll – dem „Spiegel“ eine neue Façon geben, die allen frommt und zugleich die unbestrittenen Qualitäten des Blattes hervorkehrt, ja sogar stärkt. Das muss in diesem hierarchiegläubigen Laden schon ein Super-Zampano sein, der besser als alle andere schreibt, der sie alle vierundzwanzig Stunden am Tag bei Laune hält und immer weiß, wo es lang geht – mit der nächsten Titelgeschichte und mit dem Management des großen Ganzen.

Stimmt die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG für die (arbeitsrechtliche heikle) Neuausschreibung der Ressortleiterposten, sitzt ihr die große Fraktion von Redakteuren des Magazins im Nacken und wird garantiert als nächstes fordern, dass die Chefs der Mitarbeiter KG gehen. Stimmen die Fünf der Mitarbeiter KG gegen den „Spiegel 3.0“, dürfte das zumindest für den Chefredakteur Büchner der Moment der Wahrheit und des Abgangs sein. Doch kann sich der Verlag seine (auch finanziell teure) Demission leisten? Und ohne Ove Saffe dastehen, der den Verlag in den letzten Jahren durch so manche Krise gebracht hat und die Flinte nicht so schnell ins Korn wirft? Und was kommt dann? Ein Neustart aus rauchenden Trümmern? Man kann zurzeit leider gar nicht erkennen, wie das beim „Spiegel“ gut ausgehen soll.

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