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„Resident Evil Village“ : Großmutter, du hast so große Zähne

Sie haben die Landbevölkerung zum Fressen gern: Baronin Alcina Dimitrescu und ihre drei verdorbenen „Töchter“ bellen nicht nur, sie beißen auch. Bild: Capcom

Der neue Teil der Horrorreihe „Resident Evil“ will bombastischer sein als seine Vorgänger. Dabei verliert er die Spieler manchmal aus den Augen.

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          Liebe bedeutet Verzeihen. Besonders für Ethan Winters, Protagonist der jüngsten Ableger der populären Videospiel-Reihe „Resident Evil“. Im siebten Teil reiste er ins sumpfige Louisiana, um nach seiner verschwundenen Ehefrau Mia zu suchen. Sie dankte ihm für seine Strapazen, indem sie mit einer Kettensäge auf ihn losging. Doch Ethan konnte ihr nicht böse sein, lag es doch nur an ihrem verhängnisvollen Babysitter-Job, bei dem sich der liebe Kleine als gedankenkontrollierende Biowaffe entpuppte. Die Sache mit der Kettensäge, vergeben und verziehen.

          Patrick Schlereth
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Drei Jahre später, zum Start des neuen „Resident Evil Village“, scheint das Schlimmste vorüber. Mia und Ethan haben sich eine Zukunft mit eigenem Kind und ohne Monster aufgebaut – abgesehen von den Gruselgeschichten, die sie der Tochter vor dem Zubettgehen vorlesen. Ethan bringt die Kleine ins Bett, Mia kocht Abendessen, über die verstörenden Ereignisse in Louisiana will sie auch bei einem Glas Wein nicht sprechen. Die Idylle währt nur kurz. Ein alter Bekannter stört das Familienleben, Schüsse fallen. Mia liegt blutend am Boden, Ethan und das Baby werden aus dem Haus geschleift.

          An dieser Stelle beginnt mit „Village“ eines der sehnlichst erwarteten Videospiele überhaupt. So groß war die Vorfreude der Fans, dass der japanische Entwickler Capcom es sich sogar erlauben konnte, die Spielzeit der Demo im Stil eines Pseudo-Events auf bestimmte Zeitfenster zu begrenzen. Dabei sah es vor ein paar Jahren noch so aus, als sieche die Reihe wie die von ihr geschaffenen Untoten vor sich hin. Seit dem mittlerweile 25 Jahre alten Erstling wurde der wenig originelle Plot in allen Varianten durchgespielt: Skrupellose Wissenschaftler experimentieren mit einem Virus herum, das arglose Menschen zu menschenfressenden Zombies mutieren lässt. In den ersten Teilen waren die Ressourcen des Spielers noch knapp und jeder dahergelaufene Untote eine Bedrohung, in den zahlreichen Ablegern ballerte man bis auf die Zähne bewaffnet alles nieder.

          Geheule aus der Ferne verheißt Unheil

          Für den siebten Teil strich Capcom unter der Leitung von Koshi Nakanishi die Zombies aus dem Programm und führte mit Ethan einen neuen Protagonisten ein, der den Spieler erstmals aus der Egoperspektive durch das Geschehen geleitete. Das Gefühl der Machtlosigkeit war zurück, es ging ums nackte Überleben im Haus der schrecklich durchgeknallten Baker-Familie. Am Anfang von „Village“ scheint es zunächst so, als behielte man das Erfolgsrezept bei. In tiefster Finsternis stapft Ethan auf der Suche nach seiner Tochter durch den Schnee, bis er auf das namensgebende Dorf trifft. Geheule aus der Ferne verheißt Unheil. Ethan verbarrikadiert die Türen, um sich die hungrigen Werwölfe vom Leib zu halten. Sie kratzen an Türen und Fenstern, während er panisch Schubladen und Schränke nach überlebenswichtigen Ressourcen durchsucht, die über seine mickrige Knarre hinausgehen. Es gibt kein Entkommen, die Biester springen aus jeder Ecke und von den Dächern – und sie sind verdammt schnell.

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