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Republica 2015 : Warum wir ein neues Urheberrecht brauchen

  • Aktualisiert am

„Einige lassen sich vom Namen ’Piratenpartei’ abschrecken“: Julia Reda will das Urheberrecht reformieren. Bild: dpa

Die Republica, die am Dienstag eröffnet wird, steht diesmal im Zeichen Europas. Deshalb haben wir mit Julia Reda gesprochen, die für die Piraten im EU-Parlament sitzt – über Geoblocking, Lobbyisten und die Mühlen der Bürokratie.

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          Das Thema der Republica ist in diesem Jahr „Europa“. Das scheint für viele erst einmal furchtbar kompliziert und weit weg. Warum soll uns das interessieren?

          Gerade am Internet, in dem es ja keine natürlichen Landesgrenzen gibt, kann man Europa gut erklären. Eines der großen Themen, an denen ich gerade arbeite, ist das Geoblocking – also die Tatsache, dass Videos gesperrt sind, wenn man im falschen Land unterwegs ist. Und das ist auch etwas, das viele Leute im Alltag nervt.

          Zum Beispiel die berühmte Youtube-Meldung: „Dieses Video ist in ihrem Land nicht verfügbar.“

          Genau.

          Wer will denn am Geoblocking festhalten?

          Ich glaube, dass vor allem die Rechteinhaber von großen Sportveranstaltungen stark Lobbyarbeit dagegen betreiben, dass das Geoblocking abgeschafft wird. Bei kulturellen Werken, Filmen etwa, ist das nicht so schlimm. An den paar Menschen, die in Deutschland übers Internet polnisches Fernsehen schauen wollen, verliert niemand Einnahmen. Aber bei Veranstaltungen, die in ganz Europa erfolgreich sind, Champions League zum Beispiel, ist es für die Rechteinhaber von Vorteil, wenn sie für jedes Land einzeln Exklusivrechte verkaufen können.

          Vor einigen Tagen erst hat Günther Oettinger (CDU), der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft, in einem Interview mit dem österreichischen Portal Futurezone gesagt, er möchte das Geoblocking gerne wegen der kleinen Filmindustrien behalten. Denn die könnten sich nicht auf einem so großen europäischen Markt  behaupten. Die Diversität und die Nische zu erhalten klingt doch erst einmal sympathisch.

          Ja, aber das ist leider totaler Quatsch. Richtig ist das Gegenteil: Viele europäische Filme kann man im Internet eben überhaupt nicht anschauen. Wenn man in Deutschland europäische Filme sehen und dafür bezahlen will, wird man durch Geoblocking davon abgehalten. Dabei wäre das gar nicht nötig, weil die meisten Leute die Landessprachen ohnehin nicht sprechen. „Ida“ war zum Beispiel ein polnischer Film, der recht erfolgreich war. Die polnische Originalfassung kann man doch ruhig ohne Geoblocking zeigen, denn es werden sich trotzdem Investoren finden, die die Rechte an den Sprachfassungen, etwa der deutschen, erwerben. Die einzigen Filme, bei denen das nicht funktioniert, sind die englischen. Deshalb nutzt Geoblocking vor allem den großen internationalen Produktionen, damit die die Rechte in den einzelnen Ländern verkaufen können.

          Wir reden jetzt von Streaming- oder Video-on-Demand-Diensten? Also Netflix und so weiter?

          Ja. Aber Geoblocking betrifft auch öffentlich-rechtliche Rundfunksender. Zum Beispiel kann die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein nicht legal auf einige Angebote des dänischen Rundfunks zugreifen. Besonders dramatisch ist das in Luxemburg, das nur eine sehr kleine Filmwirtschaft hat. Die meisten Einwohner sprechen zumindest deutsch und französisch fließend, können aber weder auf deutsche noch auf französische Inhalte zugreifen. Genauso trifft das linguistische Minderheiten – die Dänen in Schleswig-Holstein oder die schwedische Minderheit in Finnland.

          Ich würde auch gern Sendungen der BBC anschauen.

          Technisch ist das ja sehr leicht zu umgehen. Es gibt immer mehr Plugins, die man sich auf seinem Computer installieren kann, die vortäuschen, man sei in einem anderen Land. Jugendliche nutzen das oft. Oder gerade auch in Brüssel: Wer hier arbeitet, der schaut natürlich die Sendungen und Serien aus seinem Heimatland, und alle nutzen dafür ein Virtual Private Network, ein VPN, um die Sperren zu umgehen. Und manche sind gleichzeitig gegen die Abschaffung von Geoblocking. Das finde ich schon ein wenig fragwürdig.

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