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Republica 2015 : Warum wir ein neues Urheberrecht brauchen

  • Aktualisiert am

Was sagen denn eigentlich die Urheber selbst, denn um deren Rechte soll es ja eigentlich gehen?

Ich hatte letzte Woche im Parlament eine Konferenz mit europäischen Buchautoren, Regisseuren, Fotografen, auch ein Musikproduzent war dabei, es waren also ganz verschiedene Sparten vertreten, die im Internet ihr Geld verdienen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die einheitliche europäische Regeln gar nicht so schlecht finden würden. Das sieht man auch an einer Befragung, die die Kommission im letzten Jahr durchgeführt hat. Eine nicht unerhebliche Zahl der Autorinnen und Autoren war der Meinung, dass ein gemeinsames europäisches Urheberrecht sinnvoll wäre. Gleichzeitig sind die Verwertungsgesellschaften bei dieser Forderung sehr skeptisch.

Also die VG Wort, die VG Bildkunst und so weiter.

Ja. Es gibt zwar mittlerweile die Möglichkeit, europäische Verwertungsgesellschaften zu gründen. Aber das sind meist historisch gewachsene Vereinigungen, die sehr auf ihr nationales Urheberrecht eingestellt sind. Ich glaube, worauf es den meisten Autoren ankommt, ist, dass sie ein gesichertes Auskommen haben. Und kein Autor ist glücklich darüber, wenn ein potentiell zahlungswilliger Kunde wegen Geoblocking keinen Zugriff auf das eigene Werk bekommt. Wo ich auch Verbesserungsmöglichkeiten sehe, und auch Vorschläge gemacht habe, ist beim Urheber-Vertragsrecht, also der Möglichkeit, Urheber vor unfairen Verträgen zu schützen – Total-Buyout-Verträgen etwa. Wenn Urheber Exklusivrechte abtreten, zum Beispiel ein Autor die Buchrechte an einen Verlag, und der Verlag bringt das Werk über längere Zeit nicht auf den Markt, dann sollte der Autor über kurz oder lang die Rechte zurückbekommen und zweitverwerten können.

Jetzt stehen bei Ihnen vermutlich ziemlich viele Interessensgruppen vor der Tür und wollen Sie überzeugen, in ihrem Sinne zu handeln. Gerade wurde bekannt, dass Google sein Lobbying-Bugdet in Brüssel auf 4 Millionen Euro verdoppelt hat. Gehen die jetzt ständig mit Ihnen schick essen, oder wie sieht das aus?

Naja, das Standard-Lobbying ist relativ unspektakulär. Man bekommt eine E-Mail, darin steht, warum man ihnen Zeit schenken sollte, dann kommen sie zu einem ins Büro oder in das Café im Parlament. Ich habe die Lobbytreffen, die ich wahrgenommen habe, und auch alle Anfragen, auf meiner Website veröffentlicht – quasi als legislativen Fußabdruck, damit man nachvollziehen kann, wer potentiell Einfluss auf die Verfassung meines Berichts gehabt haben könnte. Da sieht man, dass die Rechteinhaber und die Diensteanbieter diejenigen sind, die mit Abstand die meisten Anfragen schicken. Es sind aber auch ganz andere Gruppen vom Urheberrecht betroffen. Die Urheber selbst treten fast nur über ihre Verwertungsgesellschaften auf, die aber auch wieder eigene Interessen haben. Die User sind auch kaum vertreten, es gibt nur ein, zwei Verbraucherschutzorganisationen, die aktiv sind. Und die institutionellen Nutzer, die Bibliotheken, Universitäten, Archive – die haben auch viel weniger Mittel zur Verfügung, um Lobbying zu betreiben.

Wie wägen sie diese Interessen ab? Ist es schwer, einen Ausgleich herzustellen?

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