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Reporter ohne Grenzen : So geschah der Mord an Maks Levin

  • Aktualisiert am

Der Fotojournalist Maks Levin. Bild: AP

Reporter ohne Grenzen hat die Umstände des Todes von Maks Levin untersucht. Das Ergebnis: Der ukrainische Fotograf wurde von russischen Soldaten „kaltblütig“ erschossen.

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          Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat die Umstände des To­des des ukrainischen Fotojournalisten Maks Levin untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass er und sein Begleiter von russischen Soldaten am 13. März in einem Waldstücke nahe dem Dorf Guta Mezhyhirska, dreißig Kilometer nördlich von Kiew, „kaltblütig“ hingerichtet wurden, zuvor seien sie wahrscheinlich verhört und gefoltert worden. Die Leichen der beiden Männer hatten Polizisten am 1. April gefunden, nachdem sich die russische Armee aus dem Gebiet zurückgezogen hatte.

          Ein Team von Reporter ohne Grenzen hat zu dem Verbrechen zwischen dem 24. Mai und dem 3. Juni ermittelt, Indizien am Tatort gesammelt, Zeugen befragt und das Ergebnis der Untersuchung der ukrainischen Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. Der Rekonstruktion von Reporter ohne Grenzen zufolge war Maks Levin am 13. März mit seinem Freund, dem ukrainischen Soldaten Oleksiy Chernyshov, in einem zwischen der russischen und der ukrainischen Armee umkämpften Ge­biet unterwegs, auf dem er drei Tage zuvor eine von ihm benutzte Ka­meradrohne verloren hatte. Auf dieser habe er wichtige Aufnahmen vermutet und sie unbedingt bergen wollen. Solche Aufnahmen, merkt Reporter ohne Grenzen an, habe Levin mitunter ukrainischen Kämpfern zur Verfügung gestellt, doch lag sein Augenmerk auf der journalis­tischen Dokumentation des Krieges und der angerichteten Zerstörung.

          Zwei Kugeln aus nächster Nähe

          Auf der Suche nach der Drohne ge­rieten Levin und Chernyshov in einen Hinterhalt russischer Soldaten, die sich nur wenige Meter entfernt in einem Graben verschanzt hatten. Der Wagen der beiden wurde von vierzehn Kugeln getroffen. Levin trafen drei Kugeln, zwei davon wurden ihm aus nächster Nähe in den Kopf geschossen, als er schon am Boden lag. Sein Freund Chernysov wurde ebenfalls in den Kopf geschossen, seine Leiche wurde, ebenso wie der Wagen der beiden, in Brand gesetzt. Die Haltung, in der man Chernysovs Leiche fand, deute darauf hin, dass er bei lebendigem Leib mit Benzin übergossen und angezündet wurde. Die Täter vermutet Reporter ohne Grenzen in den Reihe der 106. Luftlandedivion der russischen Armee, die in dem fraglichen Gebiet stationiert war, oder bei Spezialkräften. Darauf deuteten die Patronen hin, die man am Tatort gefunden habe.

          Fotografiert von Maks Levin: Irpin, 9. März 2022. Zivilisten flüchten mit wenigen Habseligkeiten in Richtung Kiew.
          Fotografiert von Maks Levin: Irpin, 9. März 2022. Zivilisten flüchten mit wenigen Habseligkeiten in Richtung Kiew. : Bild: Maks Levin 2022 / Zentrum für verfolgte Künste

          Maks Levin und sein Freund hätten ihren „Kampf um verlässliche In­formationen in diesem Krieg mit dem Leben bezahlt“, sagte der Generaldirektor von Reporter ohne Grenzen, Christoph Deloire. „Wir schulden ihnen die Wahrheit. Und wir werden kämpfen, um diejenigen zu identifizieren und zu finden, die sie hingerichtet haben.“ Der Mord an Maks Levin sei ein Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit, sagte der französische Journalist Patrick Chauvel, der früher mit Levin zusammen­gearbeitet hatte und an der Untersuchung von Reporter ohne Grenzen be­teiligt war.

          Der vierzig Jahre alte Maks Levin hatte den russischen Vernichtungsangriff auf sein Land von dessen Be­ginn im Jahr 2014 an dokumentiert. Seine Bilder aus Butscha, Borodjanka oder Irpin, die das Leid der Zi­vilisten und das Ausmaß der russischen Gewalt zeigen, haben zahlreiche internationale Medien gedruckt. Eine Ausstellung seiner Bilder ist noch bis zum 26. Juni im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen zu sehen.

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