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„Reporter ohne Grenzen“-Bericht : 80 getötete Journalisten im Jahr 2018

  • Aktualisiert am

Erinnerung an die seit 2000 verschwundenen und getöteten Journalisten in Mexiko Bild: AFP

Gewalt und Repressionen gegen Journalisten haben zugenommen. Einem Bericht der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ zufolge wurden in diesem Jahr 80 Journalisten getötet – 346 sitzen in Haft.

          In diesem Jahr wurden mindestens 80 Journalisten und Medienschaffende getötet, fünfzehn mehr als 2017, wie die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ berichtet. Bis zum 1. Dezember kamen demnach in Afghanistan fünfzehn Medienschaffende gewaltsam ums Leben, elf in Syrien, neun in Mexiko, acht im Jemen und sechs in Indien. Mehr als die Hälfte der Journalisten sei gezielt wegen ihrer Tätigkeit ermordet worden.

          Der Jahresbericht der „Reporter ohne Grenzen“ bezeichnet es als „erschreckendes Zeichen“, dass 36 Journalisten außerhalb von Kriegsregionen ermordet wurden. Das gelte vor allem für Mexiko. Viele Getötete dort hätten über Korruption und Drogenkriminalität berichtet und seien „unzureichend und ineffektiv“ geschützt worden. „Viel zu oft können Täter und Auftraggeber damit rechnen, dass selbst Morde für sie folgenlos bleiben“, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske.

          Wegen eines bloßen Posts

          Weltweit sitzen laut der Erhebung 346 Journalisten aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis, rund die Hälfte von ihnen in fünf Ländern: China, Ägypten, der Türkei, Iran und Saudi-Arabien. Etwa 150 der Inhaftierten seien keine professionellen Journalisten. In China seien einige „wegen eines bloßen Posts in sozialen Medien oder Messenger-Diensten festgenommen“ worden. Viele Inhaftierte dort würden misshandelt, einige gefoltert, hieß es.

          Der Bericht behandelt auch die Lage in Saudi-Arabien und die Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Kashoggi. Mindestens 28 Medienschaffende sitzen demnach aufgrund ihrer Arbeit in Saudi-Arabien im Gefängnis. Viele seien unter Kronprinz Mohammed bin Salman seit Herbst 2017 festgenommen worden.

          Von den 60 entführten Journalisten sollen sich alle bis auf einen in der Gewalt von Gruppen im Nahen Osten befinden. Vor allem in Syrien, Irak und dem Jemen werden Journalisten festgehalten.

          Die Organisation forderte einen UN-Sonderbeauftragen für den Schutz von Journalisten. Verbrechen gegen Medienschaffende sollten konsequent verfolgt und der „Kreislauf der Straflosigkeit“ durchbrochen werden. Ein Sonderbeauftragter solle die „Bemühungen der verschiedenen UN-Institutionen zum Schutz von Journalisten koordinieren, bestehende völkerrechtliche Vorschriften durchsetzen und so die Zahl von Gewalttaten gegen Journalisten endlich wirksam verringern“, hieß es.

          Nach ROG-Angaben hatte sich der Bundestag schon im Sommer vergangenen Jahres hinter die Forderung der Organisation gestellt. Zwar gebe es bereits eine Reihe von UN-Resolutionen für einen besseren Schutz für Journalisten vor allem in Konfliktgebieten, sie hätten aber bislang kaum konkrete Auswirkungen auf die Lage der Betroffenen.

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