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50 Jahre „Report Mainz“ : Zuschauer schätzen investigative Recherchen mehr denn je

Juristische Abnahme: Bevor ein Beitrag läuft, gilt das Acht-Augen-Prinzip. Die Redaktionsleiterin Birgitta Weber, der Reporter Thomas Reutter, der Justitiar Felix Hertel und der Chef vom Dienst Thomas Michael Kassel (von links) begutachten, was in „Report“ laufen soll. Bild: SWR/Krötz

Vor fünfzig Jahren ging „Report“ auf Sendung. Das Magazin avancierte zum politischen Pflichtprogramm. Was ist es heute? Ein Gespräch mit der Redaktionschefin Birgitta Weber.

          Vor fünfzig Jahren ging „Report“ auf Sendung, damals noch nicht aus Mainz, sondern aus Baden-Baden. Heute läuft Ihre Jubiläumsausgabe. Sie haben zwei Themen, bei denen man denkt: Interessant, aber warum gerade die? Es geht um umstrittene Medikamente und um Firmen, die das Hartz-IV-System ausbeuten. Muss es in einem politischen Magazin hier und heute nicht um Angela Merkel, die Türkei, Flüchtlingspolitik und Meinungsfreiheit gehen?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Auch, aber nur dann, wenn wir nicht zum wiederholten Mal berichten, was „Tagesschau“, „Tagesthemen“, „Spiegel“, F.A.Z. und SZ schon hoch und runter diskutieren. Das Herzstück unseres Magazins ist die investigative Recherche, und wenn wir einen veritablen Missstand auf dem Medikamentenmarkt aufdecken oder eine neue Ausbeutungsmasche der Sozialkassen im großen Stil, dann setzen wir eigene Themen. Hinzu kommt, dass wir bei unserer Jubiläumssendung auch bewusst noch einmal Themen in den Vordergrund stellen, zu denen wir zum Teil jahrelang recherchiert haben. Nehmen Sie Gustl Mollath, der ohne unsere Recherchen womöglich noch immer in der bayerischen Psychiatrie sitzen würde. Auch zeigen wir, was unsere Recherchen zum illegalen Export der G36 nach Mexiko ausgelöst haben. Dafür müssen sich Manager von Heckler & Koch jetzt vor Gericht verantworten.

          Was steht am Anfang? Die Recherche oder die Überlegung: Dieses Thema wird im Augenblick groß gespielt, dazu brauchen wir etwas?

          Wir haben zwei Ziele: Das Magazin soll sich in erster Linie durch eigene Recherchen profilieren. Hier setzen wir ganz bewusst auf selbstrecherchierte Themen, die nichts mit der Aktualität zu tun haben müssen. „Report Mainz“ soll aber mindestens einen Beitrag haben, der mit dem Hier und Jetzt verlinkt ist.

          Wer schaut „Report Mainz“? Ältere, Jüngere, Frauen, Männer, gut oder weniger gut Informierte? Was will Ihr Publikum sehen?

          Wir wissen, was die Zuschauer interessiert, was sie empört oder berührt. An den vielen Rückmeldungen sehen wir, wie unser Publikum mitleidet, wenn wir etwa über Missstände bei der Massentierhaltung berichten. Der „Fall Mollath“ hat zu Hunderten von Anrufen geführt. Generell kann man sagen, dass wir Zuschauer haben, die gezielt ein politisches Magazin sehen, und dann gibt es solche, die nach der Arztserie „In aller Freundschaft“ einfach mal schauen, über was wir berichten.

          Veritable Missstände aufdecken: Birgitta Weber leitet die Redaktion von „Report Mainz“.

          Die Markenzeichen eines politischen Magazins sind Relevanz, Recherche und Agenda-Setting. Schauen wir in Ihre Bilanz, würde ich auf das kommen, was Sie schon erwähnten: deutsche Waffenlieferungen nach Mexiko und der Fall Mollath. Dann wird es schon historisch.

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