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Reinhold Beckmann im Gespräch : „Wir planen langfristig mit der ARD“

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Beckmann vergeht das Lächeln langsam: „Wenn man anfängt, sich selbst zu kannibalisieren, dann ist das schon ein bisschen grotesk“ Bild: dapd

Reinhold Beckmann wird mit seiner Talkshow donnerstags nicht froh. Eine Rückkehr auf den Montag verwehren ihm die Intendanten. Was nun?

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          Herr Beckmann, Sie wären mit Ihrer Talkshow gerne auf den Montagabend zurückgekehrt. Ist es denn am Donnerstag so schlimm?

          Am Donnerstag beginnen die Probleme nicht um 22.45 Uhr, sondern um 21.45 Uhr. Darunter leiden auch die "Tagesthemen". Hinzu kommt, dass unsere Anfangszeit ständig variiert. Dass wir, wie geplant, um Viertel vor elf beginnen, ist eher die Ausnahme. Von den dreizehn Sendungen, die wir bislang gemacht haben, hat nicht einmal die Hälfte pünktlich begonnen. Die mangelnde Verlässlichkeit macht es dem Zuschauer schwer. Auch Harald Schmidt konnte zu seiner Zeit im Ersten ein Lied davon singen. Was es brauchte, ist Verbindlichkeit. Wie absurd die Situation teilweise ist, konnte man bei unserer Sendung "Die Jahrhundertfrauen" mit Hildegard Hamm-Brücher und Margarethe Mitscherlich sehen. Aufgrund der Bambi-Verleihung waren wir erst um 23.45 Uhr auf Sendung. Gegen uns lief dann parallel - nur leicht zeitversetzt - die "Beckmann"-Wiederholung im dritten Programm. Wenn man anfängt, sich selbst zu kannibalisieren, dann ist das schon ein bisschen grotesk.

          Die Programmdirektoren der ARD scheinen das ähnlich zu sehen, die Intendanten nicht. Es gebe keine neue Beschlusslage, sagte der Programmdirektor, Volker Herres. Trifft Sie das nun ins Mark?

          Trotz mancher Spekulationen in den Medien war mir immer klar, dass die ARD ihrer Programmreform Zeit geben wird und dass es nicht nach drei Monaten zu Veränderungen kommt. Es ist aber kein Geheimnis, dass es nie mein Wunsch war, den Montagabend zu verlassen und die Sendung nach zwölf Jahren zu verpflanzen.

          Beschweren müsste sich eigentlich Anne Will: Sie hat mittwochs nicht die Hälfte der Zuschauer wie früher sonntags.

          Das ist erst mal nicht überraschend, weil sie viel später sendet als früher. Alle Talks auf geänderten Sendeplätzen müssen mit neuen Konstellationen umgehen. Bei uns kommen jedoch weitere Aspekte dazu: zum einen, wie erwähnt, der schwache Vorlauf in der ARD und zum anderen ein seit Jahren etabliertes Talkduo im ZDF.

          Könnte es nicht sein, dass die Talkshowstrecke des Ersten einfach zu lang ist - mit fünf verschiedenen Formaten?

          Ein Urteil halte ich für verfrüht. Was uns betrifft: Wir bleiben uns inhaltlich treu. Es würde keinen Sinn ergeben, jetzt das Format radikal zu verändern, laut und schrill zu werden, um ein oder zwei Prozent Marktanteil zu gewinnen. Ich glaube, dass wir ziemlich gute Sendungen gemacht haben, die im Zuschauerverlauf in sich sehr stabil sind und sich sowohl thematisch als auch in der Gästebesetzung von den anderen Formaten unterscheiden.

          Der Montagsvorstoß ist einstweilen gescheitert. Finden Sie sich damit ab?

          Wie gesagt: Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass wir jetzt auf den Montag zurückkehren. Die ARD hat bei Veränderungen im Programm schon immer mehr Langmut bewiesen als etwa Privatsender - was letztlich auch eine ihrer Stärken ist. Wir planen langfristig mit der ARD - und die ARD mit uns.

          Die Fragen stellte Michael Hanfeld

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