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Reform des Pressekodex : Presserat will Regeln für Online-Kommentare

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Diskussion ist schön, macht aber viel Arbeit: Bei Spiegel Online können darum inzwischen nicht mehr alle Artikel kommentiert werden Bild: FAZ

Der deutsche Presserat will erstmals Regeln für Online-Kommentare und Foren auf den Websites von Zeitungen und Zeitschriften einführen. Eine Arbeitsgruppe will bis September entsprechende Vorschläge für den Pressekodex erarbeiten.

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          Ist eine Online-Nachrichtenseite dafür verantwortlich, wenn ein Nutzer unter einem Artikel rechtsradikale Parolen postet? Das kommt im Moment darauf an: Sofern ein Verlagshaus Leserkommentare grundsätzlich nicht bearbeitet, kann es für diese Inhalte nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Werden die Kommentare dagegen moderiert, sind sie Gegenstand der redaktionellen Arbeit und damit beschwerdefähig, so der Geschäftsführer des Deutschen Presserats, Lutz Tillmanns, gegenüber FAZ.NET. „Die Redaktion geht in diesem Fall mit den Kommentaren um und leitet vielleicht auch Themen aus ihnen her. In diesem Fall gehören sie auch zu ihrem Arbeitsumfeld und Gegenstand.“

          Der Teufel liege allerdings im Detail: Was genau heißt Moderation? Fällt der automatische Filter durch einen Suchalgorithmus auch darunter – oder die Prüfung von Kommentaren durch einen externen Dienstleister? Macht es einen Unterschied, ob Kommentare im Vorfeld oder erst nachträglich geprüft werden? Wie sieht es mit Kommentaren auf dem Facebook- oder Twitteraccount eines Mediums aus?

          Über solche und viele andere Fragen berät seit Dezember eine achtköpfige Arbeitsgruppe des deutschen Presserats, die Lutz Tillmanns moderiert. Zweimal haben die Vertreter von Verlags- und Journalistenorganisationen bereits getagt, im September wollen sie dem Kontrollgremium Vorschläge für eine Ergänzung des Pressekodexes unterbreiten. Das wird auch Zeit: Obwohl sich der Presserat seit 2009 auch für Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften zuständig sieht, werden internetspezifische Themen in dem Regelwerk bisher nicht berücksichtigt.

          Verschiedene Herangehensweisen

          Darum kocht im Moment jeder Verlag sein eigenes Süppchen: Beim Handelsblatt seien beispielsweise drei Mitarbeiter von sieben Uhr morgens bis neun Uhr abends mit der Moderation der Forenbeiträge beschäftigt, erklärt Oliver Stock, Chefredakteur von handelsblatt.com gegenüber FAZ.NET. Abends und nachts ruhe die Kommentarfunktion. Ab dem 24. Februar wolle man außerdem nur noch Kommentare registrierter Nutzer zulassen. Bei Spiegel Online gibt es einen Verantwortlichen für die Kontrolle der Kommentare. Nachrichten, die große Entrüstung hervorrufen – etwa Vergewaltigungen oder Attentate – werden inzwischen ohne Kommentarfunktion online gestellt.

          Bei Axel Springer existieren sogar innerhalb des eigenen Verlags unterschiedliche Strategien: Während Bild.de die Kommentare sofort online schaltet und lediglich durch einen Algorithmus auf so genannte „Black List“-Begriffe scannt, werden die Kommentare auf den Seiten von Welt.de vorab geprüft.

          „Im Moment verschaffen wir uns erst einmal einen Überblick über die verschiedenen Herangehensweisen“, so Lutz Tillmanns, der die Arbeitsgruppe moderiert. „Ethische Regeln zu erlassen setzt voraus, dass Sie gründlich in die Praxis eingestiegen sind und technische und redaktionelle Feinheiten kennen.“

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