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„Sächsische Zeitung“ : Suche das Beste, und schreibe darüber

  • -Aktualisiert am

Die Zeitung als Gesamtobjekt wirkt ganz anders als einzelne digital konsumierte Inhalte. Die Leseerfahrung ist orchestrierter, Leichtes wird mit Schwerem kombiniert. Online bekämen Leser so etwas wie eine folgenreiche Überdosis, viele wendeten sich dadurch von den Nachrichten gar ganz ab oder hätten eine dramatisierte Wirklichkeitswahrnehmung, sagt Vetterick. Das sei auch ein Problem der Zeitungen, nicht nur der Leser: „Würden Sie für etwas bezahlen, dass Sie jeden Tag unglücklich zurücklässt?“

Kein billiger Wohlfühljournalismus

Die Antwort sei jedoch kein billiger Wohlfühljournalismus. Leser sehnten sich „zutiefst nach konstruktiven Lösungen“. Daher müsse man sich als Journalist darauf konzentrieren, Probleme zu erkennen und Lösungen anzuregen, an Machbarkeit orientiert und nicht utopisch. Das sei vielleicht aufwendiger, doch dafür bekomme man auch zahlende Leser, sogar online.

Resultat der bisherigen Gratiskultur im Netz sei, dass kaum erfolgreiche Produktansätze für bezahlten Online-Journalismus existierten. Vetterick stellt das Thema vornan. Im Haus scheint man gewillt, den Weg mitzugehen. Die Stimmung ist gut, Redakteure berichten von angenehmem Arbeitsklima, zumindest im Newsroom, wo entschieden wird, was mit welchem Inhalt passiert, was noch verändert werden muss und was im Blatt, online oder hinter der Bezahlschranke landet.

Dabei kann die Redaktion auf präzise Daten zurückgreifen. Bei der „Sächsischen“ wird alles gemessen, aber behutsam. Das Klischee sagt, bei der gedruckten Zeitung werde rein qualitativ geurteilt, während Online zur kontextbefreiten Optimierungsmaschine verkomme.

Das Haus der Presse in Dresden, Heimat der „Sächsischen Zeitung“

Ein Gefühl von bürgerlicher Zugehörigkeit

Bei der „Sächsischen“ glaubt man sich einen Schritt weiter: Es wird alles gemessen – auch die gedruckte Zeitung. Das Stichwort lautet „Lesewert“, für dieses wurde ein verlagseigenes Start-up gegründet: Jeden Tag lesen Hunderte Abonnenten mit einem digitalen Stift die gedruckte Zeitung. Jeder einzelne markiert in jedem gelesenen Artikel jene Stelle, an der er zu lesen aufgehört hat. Die Daten landen nahezu in Echtzeit in der Redaktion. Oft zeigt sich schnell ein Muster, wenn etwa mehrere Leser an einer Formulierung hängenbleiben, oder Artikel gar nicht erst gelesen werden. Die Redaktion kann nun andere Formulierungen, Überschriften, Darstellungen ausprobieren. Das Leseverhalten lässt sich fürs ganze Blatt ermitteln.

Um nicht der reinen Zählerei auf den Leim zu gehen, wird jeder Testleser vorab kontextualisiert, die Erwartungshaltung wird abgefragt. Was wünschen sich Leser von ihrer Zeitung? Dabei kommt häufig etwas ganz anderes heraus, als sich im tatsächlichen Leseverhalten offenbart. Viele wünschen sich etwa, dass ihre Zeitung ein Feuilleton hat, lesen aber oft nur die Überschriften. Inzwischen weiß man, wieso das so ist. Zum Lesen gehört ein Gefühl von – bürgerlicher – Zugehörigkeit. Man will, dass in der Zeitung über Kultur geschrieben wird und zwar richtig.

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