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Rechtsextremismus im Internet : Häme und Hass

  • -Aktualisiert am

Screenshot von Thiazi.net, einem rechtsextremen Internetforum Bild: Müller, Verena

Rechtsextreme Webforen feiern die Taten der Neonazi-Mörder. An deren Selbsttötung glauben sie nicht - und wittern eine staatliche Verschwörung mit CIA und Mossad.

          „Paranoid“ nennt sich der Mann im Internetforum „Thiazi“, und die Selbstbeschreibung könnte nicht treffender sein. „Es scheint sich mehr und mehr zu bestätigen“, schreibt er zum Fall der Zwickauer Neonazi-Terrorzelle, „dass der Verfassungsschutz hinter der Geschichte steht. Was mich darin bestätigt, dass die Typen beseitigt wurden.“ Schließlich sei es doch mehr als seltsam, dass die beiden Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erst noch die „Weltherrschaft für morgen“ angepeilt hätten, um sich dann plötzlich zu erschießen.

          Den Tod der beiden, den Brand im Wohnmobil, das alles lastet „Paranoid“ allein dem Staat an: Selbst wenn die beiden Männer Agenten des Verfassungsschutzes gewesen sein sollten - „ihr Tod war eindeutig staatlich organisierter Mord“. Für „Paranoid“ ist das nicht mal schlimm: „Tja, so wird das wieder nix mit einem NPD-Verbot“, jubiliert er und garniert seine Aussage mit einem gelben Smiley. An seiner Gesinnung lässt der Autor keinen Zweifel - als Profilbild hat er ein Plakat mit der Aufschrift „Deutsche, kauft nicht bei Juden!“ gewählt.

          Die Verschwörungstheorie trifft die Gemütslage im Forum, schließlich ist „Thiazi“ die einflussreichste deutschsprachige Internetplattform für Neonazis und Nationalisten. Das Forum, das seinen Namen aus der germanischen Mythologie ableitet, hat nach eigenen Angaben 21 000 registrierte Mitglieder, viele von ihnen schmücken ihre Profilbilder mit Porträts von NS-Größen oder geben sich zynische Namen wie „Genickschuss“, „Brandstifter“ oder „FinalSolution“.

          Es ist ein Facebook für Rechte; in seinem Profil kann man sich als „antidemokratisch“ bezeichnen und seine Religion mit „Blut und Boden“ umschreiben. In mehr als einer Million Beiträgen geben die Mitglieder harmlose Kochtipps preis, aber auch Ratschläge zum Waffenkauf - und ihren Hass gegen Juden und Ausländer. Weil die „Thiazi“-Betreiber ihren Server nach Texas ausgelagert haben, kann die deutsche Justiz nicht einmal die Leugnung des Holocaust verfolgen - in Amerika fällt das unter Meinungsfreiheit.

          Die „Braune Armee Fraktion“ sei erfunden, schreiben sie

          Jetzt wird in Hunderten Beiträgen über den Fall Zwickau diskutiert. Wer sich durch die Kommentare wühlt, spürt schnell, dass sich hier ein Teil der Deutschen dauerhaft entfremdet hat von der Mehrheitsgesellschaft; wie diese Gruppe die schockierenden Neuigkeiten nur sehr gefiltert und einseitig wahrnimmt; wie sie versucht, hinter jeder Ungereimtheit eine großangelegte Verschwörung zu erkennen, und sich immer wieder selbst darin bestätigt.

          Da ist die Rede von „Massen-Psycho-Manipulation“, von „medialer Verarsche und Zensur“, von systematischer „Hetze gegen Rechts“. Man habe die „Braune Armee Fraktion“ schlichtweg erfunden, damit der Linksterrorismus unter den Tisch falle und die NPD verboten werden könne, schreiben etliche. Die meisten unterstellen dem Verfassungsschutz, den beiden toten Neonazis die Mordserie in die Schuhe schieben zu wollen; wahlweise halten CIA und Mossad als Übeltäter her.

          „Verjudetes Journalistenpack“

          Nur eines wird kaum diskutiert: Ob es nicht sein kann, dass sich hier eine bislang wenig beachtete Brutalität der Neonazi-Szene offenbart? Wie es dazu kommen konnte, dass zwei Deutsche vermutlich zehn Menschen kaltblütig hinrichteten. Im Gegenteil: Den Opfern schlägt Hass und Häme entgegen. Ein „Volksschädling“ seien die Türken, schreibt Nutzer „WolliGL“, den könne man „nur mit dem Schwert bekämpfen“. Ein anderer rechtfertigt rechte Gewaltakte in Deutschland und Norwegen als „blutige Gegenaktionen“, an denen eine verfehlte Politik und die Ausländer selbst schuld seien. Und auch wer die Morde als „hirnlos“ bezeichnet, tut dies nicht aus Empathie: „Richter, Staatsanwälte, Polizeichefs, Beamte vom Verfassungsschutz würden viel interessantere Ziele abgeben“. schreibt „Triskele“. Wenn man schon morde, dann bitte richtig - und plötzlich ist sogar die RAF ein Vorbild.

          Aggression pur gibt es nicht nur im „Thiazi“-Forum. Auf dem neonazistischen Portal „Altermedia Deutschland“ etwa wird der „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner als „verjudetes Journalistenpack“ beschimpft. Wagner hatte geschrieben, man müsse die „Nazis ausrotten aus unserem Leben“ - geschmacklos, aber vermutlich im Sinne von „verbannen“. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Wer solche Journalisten ausrotte, konterte „Altermedia“, der begehe kein Verbrechen, sondern trage nur „zur allgemeinen Hygiene bei“.

          Verschwörungstheoretiker wie „Paranoid“ wissen übrigens schon genau, wie es weitergehen wird mit der Zwickauer Terrorzelle. Der Verfassungsschutz werde die inhaftierte Beate Zschäpe mit der Kronzeugenregelung locken und ihr dann diktieren, was sie auszusagen habe, um die politische Rechte zu belasten. „Sollte sie wider Erwarten von der vorgegebenen Aussage abweichen und den Verfassungsschutz belasten, wird sie ihre Haftzeit nicht überleben.“

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