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Rechte Rhetorik im Netz : Der sich selbst erhaltende Hass

  • -Aktualisiert am

Pepe the Frog im Hinterzimmer

Gleichzeitig sind auch diese Stimmen bei all ihrem Lautstärkepegel längst nicht die einer authentischen Masse. Jenseits von „reddit“, in den zwielichtigeren Communitys von „4chan“ oder „8chan“, werden für rechte Zwecke Social Bots programmiert - Algorithmen, die von selbst eine Vielzahl an Clicks durchführen oder so automatisch wie begeistert auf jeden Tweet von Donald Trump reagieren. Es ist neben vielem anderen diese Ununterscheidbarkeit zwischen Echtmensch und Bot, die die Foren der „alt-right“ zu einem so lächerlichen wie unheimlichen Ort machen, inszeniert in einem seltsamen, aus Trump-Zitaten zusammengebastelten Slang. Am absurdesten, wenn beim Durchklicken klar wird: Die User treiben sich hier nicht trotz, sondern wegen dieser Lächerlichkeit herum. Gerade das bildet eine Reibungsfläche. Dazwischen überall, immer wieder: Pepe the Frog. Ein Comic-Frosch, der von der „alt-right“ gekapert wurde und diverse Rassismen und Sexismen mit einer Pointe verziert. Spätestens als „God Emperor Trump höchstselbst“, wie ihn seine digitalen Fußsoldaten ironisch-unironisch nennen, das Bild eines zum Trump umgestylten Pepe-Frosch per Retweet auf Twitter teilt, fühlen sie sich von allerhöchster Stelle geadelt und in der Wichtigkeit ihres Kriegs der Meme bestätigt.

Protestschild gegen den ehemaligen Kopf von Breitbart News, Stephen Bannon, der neuerdings als Chefstratege im weißen Haus firmiert.
Protestschild gegen den ehemaligen Kopf von Breitbart News, Stephen Bannon, der neuerdings als Chefstratege im weißen Haus firmiert. : Bild: AFP

Wie ein Aussteiger der Szene in einer anderen Ecke von „reddit“ erzählt, ist es nicht zuletzt diese rauschhafte Erfahrung von Wirksamkeit, die die Akteure des „First Great Meme War“ - und natürlich die Kriegsmetapher selbst - antreibt. Der Kick setzt ein, beschreibt er, wenn ein im virtuellen Hinterzimmer der Community zusammengeschnittenes Verschwörungsvideo plötzlich virale Öffentlichkeit erreicht. Es ist kein Zufall, dass nicht nur überzeugte Propagandisten, sondern auch opportunistische Jungunternehmer die digitale Stimme von unten so erfolgreich imitieren können: So produzierte eine Gruppe mazedonischer Teenager einen bedeutenden Anteil der Falschmeldungen bei Facebook, die in republikanischen Facebook-Profilen eine Rolle spielten, und verdiente mit den dazugeschalteten Anzeigen viel Geld.

Dynamischer Hass

In den Foren geht es genauso um Hochleistung, um die Zirkulation von Affekten. Nicht tief sitzende Ressentiments, sondern flache Troll-Dynamiken lassen das Hassen hier gedeihen: Verletzung triggern bei den vermeintlich anderen, Anerkennung bei den eigenen, Rekrutierung bei denen dazwischen, und Hype, Hype, Hype bei allen. Der Hass, der hier gefertigt wird, lässt sich kaum noch geographisch, soziologisch, psychologisch darstellen - und auch wenn er „alte“ Rassismen und Sexismen aktiviert, sind sie nicht das, was die „alt-right“ zusammenhält und zusammenhalten lässt. Denn Einzelfragen beantwortet jeder hier mit unterschiedlichen Graden an Rechtsextremismus.

Auch wenn sich der Einfluss dieser horizontalen Propaganda auf die Wahl nicht einschätzen lässt, so zeigt sie, wie mindestens dieser Teil des Rechtsrucks in seiner Praxis wie in seiner Ideologie so schwach zusammenhängt, dass sich kaum noch sagen lässt, wie sich hier ein Ausdruck von auch nur irgendwem formuliert. Hier tritt keine neue Antwort in einen politischen Diskurs ein, sondern eine sich selbst erhaltende Dynamik des Hassens, die keine eindeutige Intention von innen und keinen Referenten von außen braucht: Die „alt-right“ hasst, weil es geil ist, in Social Media zu hassen. Die Lügen, die hier verbreitet werden, erheben gar nicht erst den Anspruch auf Glaubhaftigkeit. Sie sind sich selbst Bestätigung genug und schaffen aus dieser Sicherheit heraus neue Realitäten.

„Make the Internet Great Again!“

So lässt sich nur vermuten, dass die Akkordarbeiter des „Meme War“ wissen, fühlen, dass sie nicht auf der Seite der Vernunft, der Wahrheit oder des Guten stehen - deshalb bleibt es wirkungslos, sie im Namen dieser Werte anzusprechen. Es ist vielmehr genau die selbstzerstörerische Freude an diesem Wissen um das eigene Falsche, das kickt: In dieser Auslegung des „Again“ von „Make America Great Again“ muss alles in Flammen stehen. Das ist, was einen nach zwei Tagen in den Foren der „alt-right“ nicht mehr schlafen lässt: eine nach Männerschweiß stinkende Todessehnsucht, vielleicht tatsächlich die des Faschismus, im Netzwerk neu zusammengesetzt.

Wenn diese Stimmen jetzt aufdrehen und wählbar werden, liegen sie längst jenseits der Frequenzen, die von Techniken wie Dialog oder Ernst-Nehmen noch erreichbar wären. Wie ihnen dann begegnen? Es kann nicht darum gehen, die Menschen hinter den „Memes“ verstehen zu lernen, sondern die Feedbackschleife der „Memes“ selbst. Wie lassen sich progressive Gegenplattformen schaffen, die eine Versachlichung möglich machen genauso wie ein anderes, weniger selbstbezogenes politisches Fühlen? Wie lassen sie sich effektiv positionieren? Also strategisch weiterheulen: „Make the Internet Great Again!“ Nein, nicht „great“, sondern offen, und nicht „again“, sondern noch mal neu. Wir, so wenig es uns auch weiterhin in Wir-Form geben wird, wir können das eh besser.

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