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ÖRR und der Fall Schlesinger : Systemversagen

Soll zahlreiche Verfehlungen im Amt begangen haben: Patricia Schlesinger Bild: dpa

Der Skandal beim Rundfunk Berlin Brandenburg rund um Patricia Schlesinger mag einmalig erscheinen. Er zeigt aber die Schwächen des öffentlich-rechtlichen Systems auf. Werden die Bundesländer daran je etwas ändern?

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          Die Entscheidung war fast einstimmig: Mit den Stimmen von 22 der 23 Mitglieder hat der Rundfunkrat des Rundfunks Berlin Brandenburg Patricia Schlesinger fristlos abberufen. Die bereits zurückgetretene Intendantin hat das Vertrauen im Sender restlos verspielt, und sie hat das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erschüttert. Ein System, in dem Eskapaden wie die ihren möglich sind, hat ein massives Problem. Dabei kommt es gar nicht darauf an, welche der zahlreichen Vorwürfe, die gegen Schlesinger erhoben werden, sich als strafrechtlich re­levant erweisen werden. Auf die Summe kommt es an, denn diese weist ein Systemversagen aus.

          Das taugt für eine Satireserie

          Da werden unter fragwürdigen Um­ständen Beraterverträge vergeben, ein Bauprojekt gerät doppelt so teuer wie geplant, die Finanzierung soll angeblich mit Rückgriff auf die Pensions­kasse der Mitarbeiter erfolgen. Seltsame Mietgeschäfte werden abgeschlossen, Boni ausgeschüttet, von denen nie­mand wissen darf, warum und in welcher Höhe. Für den Ehemann der Intendantin gibt es Verträge, zwar nicht beim Sender, dafür aber bei der Messe Berlin, deren Aufsichtsratschef zugleich der Verwaltungsratschef des RBB war. Luxusausstattung ganz oben ist an der Tagesordnung, vom Dienstwagen mit Massagesessel zum Vorzugspreis bis zum 1,4 Millionen Euro teuren Umbau der Chefinnenetage, in­klusive vorgeöltem Parkett aus Italien und automatisch bewässerter Pflanzenwand. Hinzu kommen krumme Abrechnungen von Geschäfts­essen im Hause Schlesinger. Die De­tails kann man sich gar nicht farbiger ausmalen. Das taugt bestens für eine Satireserie, die Drehbuchautoren müs­sen nichts hinzuerfinden.

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