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Erbe von Patricia Schlesinger : Der RBB war auf dem Weg in die Pleite

Zieht eine erste Bilanz: Katrin Vernau, die neue Intendantin des RBB Bild: dpa

Unter der Ägide der gekündigten Intendantin Patricia Schlesinger hat der Rundfunk Berlin-Brandenburg mehr Geld ausgegeben, als da war. Die neue RBB-Chefin Katrin Vernau legt eine Bilanz vor. Die fällt heftig aus.

          6 Min.

          Die frühere Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, Patricia Schlesinger, ist fristlos gekündigt. Das Erbe, das sie dem Sender hinterlassen hat, bestimmt aber die Gegenwart und die Zukunft des RBB. In welcher Weise, das haben die neue Intendantin Katrin Vernau und der Finanzchef Claus Kerkhoff bilanziert und am Freitag der Belegschaft präsentiert. Sie machen einen „Kassensturz“. Ergebnis: Wirtschaftet der RBB so weiter wie bisher, verwandelt sich eine positive Liquidität von 160 Millionen Euro aus dem Jahr 2016 in ein Minus von 174 Millionen Euro 2028. Um den Prozess aufzuhalten, will der RBB bis Ende 2024 41 Millionen Euro einsparen. Gespart wird nach dem Gießkannenprinzip, alle Etatposten sollen um 6,3 Prozent schrumpfen, betriebsbedingte Kündigungen schließt die neue Intendantin Vernau aus, frei werdende Stellen werden einstweilen nicht neu besetzt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Der RBB hat über seine Verhältnisse gewirtschaftet“, sagt Katrin Vernau. Das ist umso bemerkenswerter, als der Sender durch die Erhöhung des Rundfunkbeitrags und durch Zuzug in sein Sendegebiet seit 2013 Mehreinnahmen hat wie kein anderer ARD-Sender. Im Gegensatz zum Rest der Republik geht es dem öffentlichen-rechtlichen Rundfunk in Zeiten des Krieges und der Corona-Krise finanziell glänzend. Er hat nicht weniger, sondern mehr Geld denn je zur Verfügung. In der sogenannten Gebührenperiode von 2021 bis 2024 werden die ARD-Anstalten, so die gegenwärtige Prognose, aus dem zwangsweise eingetriebenen Rundfunkbeitrag 523 Millionen Euro mehr einnehmen, als ihnen die Gebührenkommission KEF als „Finanzbedarf“ anerkannt hat. Der Finanzbedarf für ARD, ZDF und Deutschlandradio beträgt in diesen Jahren insgesamt 38,8 Milliarden Euro, auf die ARD entfallen davon 27,7 Milliarden. Von den 523 Millionen Euro, die bei der ARD zusätzlich anfallen, nimmt allein der RBB 73 Millionen Euro ein. Die rund eine halbe Milliarde Mehreinnahmen dürfen die ARD-Sender allerdings nicht einfach ausgeben, sie müssen sie, auf Geheiß der KEF, zurücklegen, damit die Summe bei der nächsten Festlegung der Höhe des Rundfunkbeitrags von 2025 an berücksichtigt werden kann.

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