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Kosten bei über 300 Millionen : RBB bläst Luxusbau ab

So sollte es aussehen: Das geplante „Digitale Medienhaus“ des RBB in Berlin wird nicht gebaut. Die Kosten wären explodiert. Bild: rbb/Baumschlager Eberle Architekten

Das „Digitale Medienhaus“ war das Prestigeprojekt der fristlos entlassenen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger. Ihre Nachfolgerin Katrin Vernau bläst den Luxusbau ab. Er hätte mehr als 300 Millionen Euro gekostet.

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          Der Rundfunk Berlin-Brandenburg wird das unter der inzwischen fristlos entlassenen Intendantin Patricia Schlesinger ins Auge gefasste „Digitale Medienhaus“ nicht bauen. Das teilte der Verwaltungsrat des Senders am Donnerstag mit.

          „Das unwiderrufliche Ende“

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Planungen für den Bau des „Digitalen Medienhauses“ am
          Standort Berlin seien endgültig gestoppt. Der Verwaltungsrat habe einem entsprechenden Vorschlag der Intendantin Katrin Vernau zugestimmt. Die Gründe für das endgültige Aus seien „die fehlende Akzeptanz in der Belegschaft“ und die Kostenentwicklung: „Das bedeutet das unwiderrufliche Ende für das Vorhaben.“

          Das „Digitale Medienhaus“ des RBB sollte durch Kredite finanziert werden. Die Kosten des Vorhabens wurden zunächst mit 65 Millionen Euro angegeben, stiegen dann in der Prognose auf mehr als 200 Millionen Euro. Umstritten war das Projekt auch wegen der Verträge, die der RBB mit Immobilienberatern schloss.

          „Weiter so“ nicht vertretbar

          Der Verwaltungsrat habe sich „eingehend mit den Handlungsoptionen zum Digitalen Medienhaus befasst“, sagte die Vorsitzende des Gremiums, Dorette König. Man stimme „der sofortigen Beendigung des Bauprojektes zu“. Die damit verbundenen Zielsetzungen stünden „in keinem Verhältnis zu den deutlich gestiegenen Gesamtkosten. Zudem haben sich durch veränderte Arbeitsmodelle und technologische Weiterentwicklungen neue Erkenntnisse ergeben, die sich auf die Flächenbedarfe auswirken. Ein ‚Weiter so‘ ist nach gründlicher Bewertung aller Risiken nicht vertretbar.“

          Man wende „mit dem Stopp des Projektes eine große Belastung des RBB in der Zukunft ab“, sagte die neue Intendantin Katrin Vernau. Es sei „anders als in anderen Sendern nie gelungen, durch die Baupläne auch Aufbruchstimmung im RBB zu erzeugen, im Gegenteil. Wir brauchen aber Mut und Wille zur Veränderung. Ich bin froh, dass wir uns jetzt neu besinnen können.“ Die Herausforderung, mit dem Programmangebot möglichst viele Menschen auf unterschiedlichen Verbreitungswegen zu erreichen, bleibe bestehen, sagte Vernau.

          Der RBB hatte das Bauprojekt 2020 mit einem Architekturwettbewerb eingeleitet. Bei der nun erstmals vorgenommenen Vollkostenbetrachtung hätten sich die zu erwartenden Kosten auf insgesamt 311 Millionen Euro summiert. Darin enthalten seien Planungs-, Beratungs- und Baukosten, Kosten für bauvorbereitende Maßnahmen und für die Kreditaufnahme. Dazu zählten die Umzüge aus dem Baufeld, die Bereitstellung und Anmietung von Ausweichquartieren sowie die zusätzlichen internen Personalkosten und die Kosten für die Finanzierung.

          Nach dem Stopp des Projekts werde der RBB „rund 32 Millionen Euro in Planungen, Vorbereitungen am Baufeld und Projektarbeit für das Vorhaben investiert haben“. Rund 14 Millionen davon seien „nachhaltig investiert, beispielsweise in das Fernsehzentrum an der Masurenallee oder das große Fernsehstudio A am Kaiserdamm“, die übrigen 18 Millionen Euro müsse man als Verlust abschreiben.

          „In unseren bereits reduzierten Planungen sind die Verluste beim DMH weitestgehend eingerechnet, sodass wir keine zusätzliche Sparrunde erwarten“, sagte der Leiter der Hauptabteilung Finanzen des RBB, Claus Kerkhoff. Es sei aber möglich, „dass wir für 2023 noch einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag in der Finanzplanung berücksichtigen müssen“. Man ziehe „die Notbremse spät, aber nicht zu spät“, sagte die Intendantin Vernau, und beende das Projekt „im Sinne des RBB und der Beitragszahlenden“. Wer „konkret welche Verantwortung trägt“, würden „die laufenden Untersuchungen zeigen. Wir setzen den wenig verantwortungsvollen Umgang mit den finanziellen Ressourcen des RBB nicht fort. Ebenso wenig ignorieren wir, dass wir heute auf andere Art und Weise zusammenarbeiten als noch vor Corona. Wir finden – gemeinsam mit der Belegschaft – neue Lösungen, um dem zu begegnen.“

          Der RBB will jetzt auf alle Partner des Bauvorhabens zugehen und mögliche Regressansprüche prüfen.

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