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Rateshow „Dalli Dalli“ : „Jede Art von Spiel machte ihm Spaß“

Der Sohn des Moderators: Gert Rosenthal Bild: Pein, Andreas

Die ARD macht nach siebenundzwanzig Jahren weiter, wo das ZDF 1986 aufhörte. Mit der Show „Dalli Dalli“ des verstorbenen Hans Rosenthal. Dessen Sohn Gert erklärt im F.A.Z.-Gespräch, was das bedeutet.

          3 Min.

          Von 1971 bis 1986 lief die Rateshow „Dalli Dalli“ mit großem Erfolg im ZDF. Nun kehrt sie unter dem Titel „Das ist Spitze!“ zurück – in der ARD. Im dritten Programm des NDR lief die Sendung in den vergangenen Jahren schon unter dem Original-Namen, den die ARD, wie der Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sagte, auf Bitten des ZDF verändert. Das Konzept aber bleibt, die erste Ausgabe im Ersten mit dem Moderator Kai Pflaume läuft am 26. September. „Ich soll nicht traurig sein, aber man werde ihn schnell vergessen“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Einen hätte dies besonders gefreut – Hans Rosenthal, den Erfinder der Show, der im Februar 1987 verstarb. Dessen gibt sich sein Sohn Gert im Interview mit der F.A.Z. sicher. „Mein Vater hat, als er schon krank war, zu mir gesagt, ich soll nicht traurig sein, aber man werde ihn nach seinem Tod schnell vergessen. Denn er habe aktuelle Sendungen gemacht, die von den Kandidaten leben. Es war eine Situationskomik und die kann man nicht wiederholen. Quizsendungen könne man nicht wiederholen. Und deshalb werde man ihn schnell vergessen. Umso mehr freue ich mich natürlich, dass man immer noch an ihn denkt, auch unabhängig von ,Dalli Dalli`.“.

          Er wollte nicht der „Quotenjude“ sein

          Privat sei sein Vater „sicherlich ruhiger und nachdenklicher“ gewesen, als man ihn aus dem Fernsehen kannte, sagt Gert Rosenthal.  Sein Vater sei „ein sehr ernsthafter Arbeiter“ gewesen. „Er hat sich auf viele Situationen, die entstehen können – der Ton fällt aus, die Kamera, das Licht – vorbereitet. Die Spiele für ,Dalli Dalli` hat er zuerst mit der Familie geprobt. Er hat dann Strohkandidaten gehabt, ich weiß gar nicht, ob es den Begriff noch gibt. Das waren Studenten bei den Aufnahmen in München. So wurden Fragen, die keine witzigen Antworten ergaben, rausgeschmissen. Er erdachte sich die Spiele, die Fragen und schrieb seine Texte selbst und war deshalb mit einer ,Dalli Dalli‘-Sendung schon sehr lange beschäftigt.“

          Sein Wunsch, zum Radio zu gehen, hatte einen Hintergrund
          Die Prominenz und die Beliebtheit, sagt Gert Rosenthal, sei seinem Vater keine Last gewesen, auch nicht, dass viele Menschen meinten, ihn gewissermaßen zum guten Nachbarn, zum Freund zu haben, da er doch als Verfolgter im Holocaust das Gegenteil erlebt hatte. „Aber er war vielleicht auch gerade deshalb so glücklich darüber, dass er von allen anerkannt wurde. Wenn man als Kind ausgestoßen ist, ist natürlich der Wunsch groß, das zu ändern. Er hat in seinem Buch „Zwei Leben in Deutschland“ geschrieben und mir mehrfach gesagt: Sein Wunsch zum Rundfunk zu gehen hatte damit zu tun, dass er den Menschen sagen wollte: Wir Juden sind nicht so, wie es in der Nazizeit dargestellt wurde.

          Das war seine erste Überlegung, als er zum Rundfunk ging. Als er dann beim Rundfunk war, ist das völlig gekippt. Da sagte er: Ich will lieber nicht der „Quotenjude“ sein, ich verschweige das lieber. Ich möchte weder abgelehnt werden noch Zuspruch erfahren, weil ich jüdisch bin. Das kippte wieder, als er sehr, sehr beliebt war und sein Buch geschrieben hatte. Von dem Zeitpunkt an hat er über seine Zeit im Versteck im Holocaust berichtet. Da hat er die Menschen mit dem konfrontiert, was er in seinem „ersten Leben“ durchmachen musste.“

          Die Show seines Lebens

          Unterhaltung im Radio und im Fernsehen habe seinem Vater „einfach irrsinnig viel Spaß gemacht. Jede Art von Spiel machte ihm Spaß, ob es Skat, Fußball – er war mit Leib und Seele Fußballer – oder eine Quizsendung war. Er hat auch während seiner Krankheitszeit gesagt: Das ist mein Leben, „Dalli Dalli“ ist mein Leben.“

          Die Rateshow „Dalli Dalli“ war die Idee, mit der Hans Rosenthal dem ZDF einen Klassiker des Unterhaltungsfernsehens bescherte. Von 1971 bis 1986 lief sie in 153 Ausgaben und machte Rosenthal zu einem der populärsten Fernsehunterhalter seiner Zeit. Angefangen hatte Rosenthal 1948 beim Radio, beim Rias Berlin. Er arbeitete in der Materialausgabe, wurde Aufnahmeleiter und schließlich Unterhaltungschef des Senders. Er produzierte Rate- und Unterhaltungsshows sonder Zahl, für den Rias, die ARD und schließlich das ZDF. Nebenbei fungierte er als Präsident des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin (1965 bis 1973) und engagierte sich im Zentralrat der Juden in Deutschland und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

          Dass er ein Verfolgter des Holocaust war, wurde manch einem vielleicht erst bewusst, als 1980 Rosenthals Autobiographie „Zwei Leben in Deutschland“ erschien. In der berichtete er von der Verfolgung seiner in Berlin lebenden Familie in der NS-Zeit. Sein Vater starb 1937, seine Mutter 1941, sein jüngerer Bruder Gert wurde 1942 im Holocaust ermordet. Hans Rosenthal entging dem Transport ins Vernichtungslager nur, weil er gerade auf einem Zwangsarbeitseinsatz war. Er tauchte unter und wurde bis Kriegsende von zwei älteren Damen in der Laubenkolonie „Dreieinigkeit“ versteckt. Hans Rosenthal starb am 10. Februar 1987 im Alter von 61 Jahren.

          Sein Sohn Gert lebt als Anwalt in Berlin, ist engagiert in der Jüdischen Gemeinde, im Vorstand der Hockeyabteilung des Steglitzer TK, hat eine Hockey-Damennationalmannschaft für die Makkabiade, die jüdischen Olympischen Spiele, auf die Beine gestellt und führt die Hans-Rosenthal-Stiftung. Deren Ziel ist es, Menschen, „die unverschuldet in Not geraten sind“, zu helfen.

          Das vollständige Interview lesen Sie am Mittwoch in der F.A.Z.

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