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Rassismus bei Bayern3? : „Komplett daneben“

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Über sie fand der Bayern-3-Moderator Matthias Matuschik keine guten Worte: die K-Pop-Band BTS. Bild: AP

Der Radiomoderator Matthias Matuschik redet sich bei Bayern3 über die K-Pop-Band BTS in Rage. Das wird ihm als Rassismus ausgelegt. Der Sender entschuldigt sich, doch der Twittertrend #Bayern3Racist ist da.

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          Mit einer K-Pop-Band legt man sich besser nicht an, oder besser gesagt, nicht mit deren Fans. Schon gar nicht, wenn es sich um eine so erfolgreiche Boygroup wie jene namens BTS handelt. Wenn man über die abwertende Bemerkungen macht, ist im Netz die Hölle los.

          Das muss gerade der Radiomoderator Matthias Matuschik von Bayern 3 erfahren. Ihm fiel, bevor er „Fix You“ von Coldplay auflegte, ein, dass dieser Song von BTS gecovert wurde und die Band aus Südkorea auch noch ein „MTV Unplugged“ bekam. Das sei Gotteslästerung, befand Matuschik. Die BTS-Jungs nannte er „diese kleinen Pisser“ beziehungsweise irgendein „Scheißvirus, wogegen es hoffentlich bald ebenfalls eine Impfung gibt“. Dafür, dass BTS Coldplay gecovert habe, habe die Band es verdient, „in Nordkorea Urlaub zu machen, für die nächsten zwanzig Jahre“.  Zugleich wurde Matuschik los, dass er selbstverständlich nichts gegen Südkoreaner habe und sogar ein Auto südkoreanischen Fabrikats fahre.

          Die gespielte Erregung wurde dem Moderator nicht nur als Entgleisung, sondern als Rassismus ausgelegt. Bei Twitter ist nun der Hashtag #Bayern3Racist angesagt, unter dem sich Entrüstete aus aller Welt zu Wort melden.

          Der Sender bemühte sich um Schadensbegrenzung. Matuschik sei „aus dem Versuch heraus, seine Meinung ironisch-überspitzt und mit übertrieben gespielter Aufregung darzustellen, in seiner Wortwahl übers Ziel hinausgeschossen“. So habe er die Gefühle der BTS-Fans verletzt, was er „in keiner Weise beabsichtigt“ habe. Es handele sich um „eine persönliche, geschmackliche Meinung, völlig ungeachtet der Herkunft und des kulturellen Backgrounds der Band“. Den Geschmack müsse man „ebenso wenig teilen wie die durchaus derbe Ausdrucksweise“, Matuschik sei kein Rassist, man entschuldige sich dafür, „dass viele von euch seine Äußerungen als verletzend oder rassistisch empfunden haben“.

          Matuschik selbst sagte, er sei bestürzt über die Reaktionen und wolle sich „aufrichtig entschuldigen“. Die Moderation sei „komplett daneben“ gewesen. Derweil trendet #Bayern3Racist weiter. Ein ganz normaler Tag im Dauererregungsnetz.

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