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Rassismus nach „Ghostbusters“ : Hass auf die Frau, die Kindheiten kaputtmacht

  • -Aktualisiert am

Es ist doch nur ein Film. Die Rolle in der „Ghostbusters“-Neuverfilmung hat für Leslie Jones allerdings hässliche Folgen im echten Leben. Bild: AFP

Vereinzelten Männern stößt die Ghostbusters-Neuverfilmung mit weiblichem Personal schon lange sauer auf. Vor allem die Schauspielerin Leslie Jones ist immer wieder Ziel von Attacken. Nun sperrt Twitter einen konservativen Publizisten – ist das nur laue Symbolpolitik?

          Seit „Ghostbusters“ am vergangenen Wochenende in den amerikanischen Kinos angelaufen ist, brodelt ein Lavameer an Wutreden in der männlich dominierten Fancommunity. Grund dafür ist die weibliche Besetzung der vier ursprünglich männlichen Geisterjäger mit weiblichen Schauspielerinnen. Frauen seien nicht lustig, empörten sich einige Männer bei Twitter, und sie würden den Kindheitsmythos um das Original von 1984 zerstören – ja, sogar ihre Kindheit selbst. Besonders die schwarze Schauspielerin Leslie Jones geriet wegen ihrer Rolle in „Ghostbusters“ ins Visier der Entrüstung und bekam eine Welle von rassistischen und sexistischen Hassbotschaften.

          Vorläufiger Höhepunkt des Shitstorms ist die dauerhafte Sperrung des Twitteraccounts von Milo Yiannopoulos, eines konservativen Technik-Journalisten. Yiannopoulos schrieb für die Website „Breitbart“ eine Filmkritik, in der er besonders vehement die Frauenfiguren kritisiert und auf die Darstellung der „Patty“ durch Leslie Jones speziell losgeht. Viele seiner Leser und Follower nahmen das zum Anlass, Jones selbst zu attackieren – und wurden dabei sehr persönlich und ausfällig.

          Jones wiederum machte die Hassbotschaften der rassistischen Fans auf Twitter öffentlich und beschrieb ihre Situation:

          Yiannopoulos, der zu diesem Zeitpunkt mehr als 338.000 Follower hatte, reagierte auf die veröffentlichten Botschaften mit einem mittlerweile nicht mehr abrufbaren Tweet, der den Shitstorm erneut anfeuerte: „If at first you don't succeed (because your work is terrible), play the victim. EVERYONE GETS HATE MAIL FFS”, was in etwa so viel bedeutet wie: „Du bist nicht erfolgreich, weil deine Arbeit schrecklich ist, spiel das Opfer. Um Himmels Willen, jeder bekommt Hassmails“. Dazu verlinkte er einen Tweet von Jones, in dem sie die Beleidigungen und ihre Fassungslosigkeit zusammenfasst.

          Leslie Jones meldete Yiannopoulos' Tweet bei Twitter, und der Kurznachrichtendienst sperrte überraschend den Account wegen wiederholter Verstöße gegen die Benutzerregeln. „Niemand verdient es, ein Ziel von Onlinebeleidigungen zu sein. Unsere Regeln verbieten die Anstiftung oder die gezielte Beleidigung oder Belästigung Anderer“, begründet der Sprecher von Twitter, Nu Wexler, gegenüber Bloomberg News.

          Twitter verspricht härteren Kurs

          Twitter verspricht in Zukunft konsequenter gegen Hassbotschaften vorzugehen. „Wir wissen, dass viele Leute glauben, wir haben nicht genug getan, um dieses Verhalten auf Twitter einzudämmen“, sagt Wexxler „Wir stimmen dem zu. Wir investieren weiter in die Verbesserung unserer Mittel und Durchsetzungssysteme, um Beleidigungen schneller zu erkennen und um schneller handeln zu können, wenn sie passieren“. Schon mehrfach gab es ähnliche Versprechen. Wie genau die Veränderungen aussehen, soll erst in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden. Jedoch können schon jetzt eigene Accounts zur Verifizierung angemeldet werden – verifizierte Accounts bekommen ein blaues Häkchen verpasst. So können echte Accounts von Fake-Accounts unterschieden werden. Auch Leslie Jones’ Account wurde zu diesem Zweck am vergangenen Dienstag nachgeahmt und ihr Dinge in den Mund gelegt, die sie in schlechtem Licht dastehen ließen.

          Die Sperrung Yiannopoulos’ ist vor allem deshalb überraschend, weil Twitter schon lange in der Kritik steht, in Fällen von Beleidigung und Hassrede nicht schnell und konsequent genug zu reagieren. Auch Yiannopoulos wurde schon mehrfach wegen Verstößen gegen die Richtlinien gesperrt, jedoch immer wieder freigegeben.

          Seine permanente Sperrung bezeichnet Yiannopoulos auf der Website Breitbart als „feige“. Er kritisiert die Sperrung seines Accounts als Einschränkung der Meinungsfreiheit: „Twitter bestätigt sich selbst als einen sicheren Ort für muslimischen Terror und Extremisten der Black-Lives-Matter-Bewegung, aber es ist eine No-Go-Zone für Konservative“.

          Während Yiannopoulos-Unterstützer kontroverse und teils auch frei erfundene Posts als Beweismaterial sammeln, hat sich die Schauspielerin Leslie Jones von Twitter verabschiedet.

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