Ran an die Rendite : Das Ende des privaten Fernsehens
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Springer wurde verhindert, dafür gingen die Sender von einer Investorengruppe zur nächsten über. Angesichts des Kaufpreises von 3,3 Milliarden Euro und der Tatsache, dass die neuen Eigentümer Pro Sieben Sat.1 mit der skandinavischen Sendergruppe SBS fusionieren und dafür auch noch die deutschen Sender zur Kasse bitten würden, war Insidern klar, dass es von nun an nur noch ums Geldverdienen um jeden Preis gehen würde, um das Gesetz des Rentenkapitalismus, um eine Rendite von dreißig Prozent und um sonst gar nichts.
Das Tragische ist, dass Sat.1 und Pro Sieben in all den Jahren - begünstigt sogar durch die unsicheren Eigentumsverhältnisse - das ansehnlichste und vielfältigste deutsche Privatsenderprogramm produziert haben. Hier gab es nicht die Dschungelshow, hier gab es den international prämierten Zweiteiler „Der Tunnel“; es gab nicht die Endemol-Perversionen à la „Big Brother“, sondern selbstproduzierte Serien und vor allem Fernsehfilme, die sich der Branchenführer RTL schon seit Jahren nicht mehr leistet, es gab Harald Schmidt und es gibt Stefan Raab. Stattdessen läuft bei Sat.1 nun, eines der ersten Signale der neuen Linie, die Übertragung der Doping-Tour de France, die die Öffentlich-Rechtlichen mit gutem Grund beendet haben.
Grund zum Jubeln bei ARD und ZDF
Es gab Geschäftsführer wie Martin Hoffmann, Roger Schawinski und jetzt Matthias Alberti, die sich fürs Programm verwenden und ihren Erfolg zwar auch auf der Bilanzpressekonferenz in nackten Zahlen vorweisen, aber zunächst das Publikum und die werbetreibende Wirtschaft für sich gewinnen wollen. Mit einem Programm, das kreativer, witziger und jünger ist als das der Öffentlich-Rechtlichen, zudem mit einem journalistischen Aushängeschild wie dem Nachrichtenmoderator Thomas Kausch, den der vorletzte Sat.1-Geschäftsführer Schawinski vom ZDF abwarb und den die neuen Eigentümer, beziehungsweise ihr Homunculus, der Pro-Sieben-Sat.1-Vorstandsvorsitzende Guillaume de Posch, aus dem Sortiment nehmen wie vergammelte Ware.
Künftig wird es einerlei sein, was bei Sat.1 unter dem Titel Nachrichten läuft, und auch die Produktion fiktionaler Programme kann man auslagern beziehungsweise ganz sein lassen. Denn schließlich kosten sie Geld, die Übernahme von Programmen der SBS-Sender, die jetzt zu Pro Sieben Sat.1 gehören, ist allemal billiger. Was das für das Image des Senders, für die Zusammenarbeit mit den Kreativen der Branche, für den unternehmerischen Erfolg der Sender und am Ende für den Rundfunk- und Produktionsstandort Deutschland mit seinen qualifizierten Arbeitsplätzen bedeutet, scheint die Investoren nicht zu kümmern.
Ein Grund zum Jubeln ist das allein für ARD und ZDF. Ihre merkwürdige Art der Selbsterklärung, die darin besteht zu behaupten, dass nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine freie und unabhängige Meinungsbildung zu garantieren in der Lage sei (weshalb er pro Jahr 7,3 Milliarden Euro und bald noch mehr Gebühren pro Jahr kosten muss), erhält durch das Gebaren der neuen Herren des Privatfernsehens eine Bestätigung, auf welche die Intendanten händeringend gewartet haben.
Die blinden Augen der Investoren
Denn für wie wichtig man bei Permira und KKR und im Vorstand von Pro Sieben Sat.1 das Informations- und Nachrichtenprogramm nimmt, zeigt sich dieser Tage deutlich: Es wird auf Anraten von McKinsey so gut wie eingestellt. Dabei spielt nicht einmal eine Rolle, dass die damit verbundenen „eingesparten“ Personalkosten von weniger als zehn Millionen Euro „Peanuts“ sind im Vergleich zu den willkürlich angehäuften Schulden von rund vier Milliarden Euro. Es geht allein um billige Finanzkosmetik. Das Programm an sich stellt in den blinden Augen der Investoren keinen Wert dar.
Auf die allfälligen Wertediskussionen, die in ermüdender Gleichförmigkeit die Medienpodien dieser Republik seit Jahren beherrschen, brauchen wir nicht länger zu zählen. Die neuen Herren des Privatfernsehen werden dort nicht erscheinen, weil sie zum Thema nichts zu sagen haben. In der Verlagsbranche stehen, wenn wir auf das Raumgreifen eines David Montgomery blicken, dieselben Figuren nicht nur ante portas: Die Finanzvernichter der Presse haben schon beide Füße in der Tür.