https://www.faz.net/-gqz-9yjq4

Corona in Tschetschenien : Ramsan Kadyrow hält Corona-Patienten für „Terroristen“

Ramsan Kadyrow ist Chef der zu Russland gehörigen tschetschenischen Teilrepublik. Bild: dpa

Der tschetschenische Regimechef Ramsan Kadyrow sagte, man müsse mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Menschen wie „Terroristen“ behandeln. Die Zeitung und die Journalistin, die darüber berichten, werden bedroht.

          2 Min.

          Die investigative russische Zeitung „Nowaja Gaseta“ hat auf Weisung der Staatsanwaltschaft einen Bericht über die Lage Corona-Kranker in Tschetschenien geblockt. Dabei handelt es sich um einen Artikel der auf den Nordkaukasus spezialisierten Korrespondentin Jelena Milaschina, worin es hieß, der Republikchef von Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, habe öffentlich Corona-Infizierte mit Terroristen gleichgesetzt und dazu aufgerufen, sie mit entsprechenden Methoden zu bekämpfen. Milaschina hatte insbesondere Massenverhaftungen von Tschetschenen erwähnt, die gegen die Pflicht zur Selbstisolation verstoßen hätten. Mehrere Tschetschenen, die sich in zwangsweiser Quarantäne befinden, hatten Journalisten erklärt, sie würden niemals den Behörden von Krankheitssymptomen wie erhöhter Temperatur oder Husten Meldung machen, weil sie Repressionen fürchteten. Sie sagten, sie würden lieber am Coronavirus sterben, als von den Machthabern stigmatisiert zu werden.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Zuvor hatte der Sprecher des tschetschenischen Parlaments, Magomed Daudow, erzählt, wie er den schwerkranken Corona-Patienten Abdulla Garajew im Krankenhaus verhört hatte. Er habe Ärzte in Schutzanzügen mit seinem Telefon an Garajews Klinikbett geschickt und von ihm verlangt, ihm die Namen aller seiner Kontaktpersonen zu nennen, sagte Daudow. Doch der Kranke habe ihm nur den Namen eines Hadsch-Pilgers genannt. Garajew habe kein Gramm Gewissen, lautete Daudows Verdikt.

          Laut Milaschinas Bericht soll das tschetschenische Gesundheitssystem für die Pandemie nicht gerüstet sein. Viele Ärzte hätten keine Schutzausrüstung, hatte die Journalistin geschrieben. Deswegen hätten Beamte in einigen Regionen alle Krankenhäuser und sogar notärztliche Ambulanzen aus Quarantänegründen geschlossen. Nur einige Kliniken in der Hauptstadt Grosnyj seien in der Lage, Corona-Patienten zu versorgen.

          Republikchef Kadyrow bezeichnete den Bericht als „Schwachsinn“ und erklärte auf seinem Telegram-Kanal, die „Nowaja Gaseta“ versuche, mittels verlogener Mythen den Tschetschenen wieder einmal das Etikett unverbesserlicher Verbrecher, mittelalterlicher Dunkelmänner und Freiheitsberauber anzuhängen. Zornig fragte Kadyrow, wie lange sich die provokative „antitschetschenische“ Kampagne der gewissenlosen „Nowaja Gaseta“ wohl noch fortsetzen würde.

          Die russische Staatsanwaltschaft hatte ganz allgemein befunden, der Artikel von Milaschewa enthalte „zweifelhafte“, dabei aber für die Gesellschaft wichtige Informationen, die für das Leben und die Gesundheit von Bürgern sowie für die öffentliche Ordnung eine Bedrohung darstellten. Was konkret sie als Falschnachricht ansah, verriet die Behörde nicht. Die „Nowaja Gaseta“ verlangte in einer offiziellen Eingabe, die Vorwürfe zu begründen.

          Milaschina hat mehrfach über Morddrohungen gegen sie aus dem Umkreis von Kadyrow berichtet. Im Februar waren sie und eine Anwältin in Grosnyj von einer Gruppe von ungefähr fünfzehn jungen Männern und Frauen überfallen und verprügelt worden, worüber sie ebenfalls berichtete. Kadyrow erklärte jetzt, er glaube nicht daran, und fragte nach Zeugen und Beweisen.

          Zugleich appellierte der Republikchef an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB, er solle die „Nichtmenschen“ von der „Nowaja Gaseta“, die das tschetschenische Volk provozierten, stoppen. Er habe es satt, sagte Kadyrow; „wenn ihr wollt, dass wir ein Verbrechen verüben, sagt das doch gleich“, fügte er drohend hinzu. „Dann nimmt einer die Verantwortung und die gesetzliche Strafe auf sich. Sitzt im Gefängnis und kommt wieder raus. Bemüht euch nicht, Banditen und Mörder aus uns zu machen“, warnte Kadyrow.

          Weitere Themen

          Filmkomponist Ennio Morricone verstorben Video-Seite öffnen

          Spiel mir das Lied vom Tod : Filmkomponist Ennio Morricone verstorben

          Die italienische Filmmusik-Legende Ennio Morricone ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren in einer Klinik in Rom. Morricone gilt als einer der größten Komponisten der Filmgeschichte. Berühmt wurde er unter anderem mit Titelmelodien den Kultfilm „Spiel mir das Lied vom Tod“.

          Topmeldungen

          Werder Bremen: Pure Freude

          Werder bleibt in Bundesliga : Mit Ach und Krach

          „Scheiß Saison, gutes Ende“: Werder bleibt der Fußball-Bundesliga doch noch erhalten, Trainer Florian Kohfeldt ist einfach nur froh. Beim 1. FC Heidenheim genügt den Bremern ein 2:2-Remis, sie profitieren von einem kuriosen Eigentor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.