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Radiokrieg in Bayern : Auf zur WM 2018!

  • -Aktualisiert am

Muss einsehen, dass die Dinge nicht so laufen, wie er sich das vorgestellt hat: BR-Intendant Ulrich Wilhelm (hier auf einer Aufnahme von den Münchener Medientagen 2103) Bild: dpa

Seit Wochen tobt der Kampf um die Radiowellen des Bayerischen Rundfunks. BR-Klassik soll aus UKW rausfliegen, dafür soll die Jugendwelle „Puls“ kommen. Nun gibt es dazu eine erstaunliche Wendung aus dem Rundfunkrat.

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          Im Streit um die geplante Neubelegung der UKW-Frequenzen des Bayerischen Rundfunks gibt es eine überraschende Volte. Wenige Minuten, bevor sich die Herrschaften in den Pfingsturlaub verabschiedeten, hat der Hörfunkausschuss des BR-Rundfunkrats in seiner Sitzung am Freitag einstimmig, bei einer Enthaltung, eine folgenschwere Empfehlung ausgesprochen: Die Programme von BR-Klassik und des Jugendsenders „Puls“ sollen ihre Plätze tauschen (Klassik nur noch als Digitalradio, Puls auf UKW). Das soll der Rundfunkrat in seiner nächsten Sitzung am 10. Juli beschließen. Doch – und das ist die Überraschung – soll der Programmwechsel nicht wie geplant im Jahr 2016, sondern erst 2018 erfolgen. Der Rundfunkrat folgt in der Regel der Empfehlung des Hörfunkausschusses.

          Der „Generationabriss“ droht

          Die längere Karenzzeit geht auf eine Idee des BR-Intendanten Ulrich Wilhelm und des Rundfunkratsvorsitzenden Lorenz Wolf zurück. Sie wollen erreichen, dass es in dieser Frage zu einem Konsens mit den Privatsendern, der Landesmedienaufsicht und Vertretern der Klassik-Szene wie etwa dem Bayerischen Musikrat kommt. Diese hatten sich mit beachtlicher medialer Präsenz gegen die Pläne Wilhelms gestellt, BR Klassik ins Digitalradio zu verbannen, um mit dem Jugendsender Puls auf UKW einen „drohenden Generationenabriss zu verhindern“.

          „Die Geschäftsleitung soll danach beauftragt werden , alle erforderlichen Maßnahmen vorzunehmen“, schreibt der BR in seiner Pressemitteilung. Danach heißt – nach dem Beschluss am 10. Juli. Aber was soll konkret geschehen? Soll bis 2018 die Radionutzung – nicht nur die technische Verfügbarkeit – des Digitalradios DAB+ soweit gesteigert werden, dass sich die Klassikhörer nicht ausgegrenzt fühlen müssen? Ist bis dahin die größte Sorge der privaten Radiosender in Bayern - die Monopolstellung des BR auch im kommerziellen Bereich - beseitigt?

          Fest steht, dass die bayerischen Privatradios nun Zeit gewonnen haben in ihrem Existenzkampf gegen die Verdrängung im Hörermarkt durch den übermächtigen BR. Und fest steht auch, dass sich der BR-Intendant Ulrich Wilhelm in der ungewohnten Situation findet, dass die Dinge nicht so laufen, wie er sich das vorstellt und es auch jeder mitbekommt. Noch bis vor wenigen Tagen hatte er sich unbeirrt gezeigt in seinem Wellentauschplan. Doch hat sich der Freund klassischer Musik gerade in der ziemlich hart austeilenden Klassik-Szene Feinde gemacht, die unter anderem in Petitionen gegen den Plan des BR agitieren. Eine längere Umstellphase der Radiowellen bis 2018 schläfert diesen Protest vielleicht ein.

          Bleibt die Frage, ob der BR die Zeit nutzen kann, um gemeinsam mit den Privatradios DAB+ zum Durchbruch zu verhelfen. Wenn es nicht klappt, wird der Intendant Wilhelm sagen können, an ihm und dem BR habe es nicht gelegen. Und da der Rundfunkrat am 10. Juli 2014 beschlossen habe, die Plätze zwischen Jugendradio und Klassik-Kanal zu tauschen, müsse es nun so sein. Wobei die eigentliche Frage ist, ob das in vier Jahren überhaupt noch jemanden interessiert.

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