https://www.faz.net/-gqz-8jkct

Zur Zukunft des Digitalradios : In sieben Jahren schalten wir einfach ab

  • -Aktualisiert am

Wie bleiben wir auf Empfang? Für Radiogenuss ohne Hörfunk stehen der digitale Übertragungsstandard DAB und das Internet bereit. Bild: dpa

Die Politik sollte sich nicht von den Privatsendern kirre machen lassen. Es ist sinnvoll, auf das Digitalradio zu setzen. Man muss es nur wollen und notfalls erzwingen.

          5 Min.

          Die Geschichte des Digitalradios in Deutschland ist keine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen, sondern eine von Murks und Unvermögen, ein an sich sinnvolles System in den Markt zu bringen. Die Geschichte wäre ein Objekt für eine Dissertation im Fach Marketing unter dem Rubrum: Viele (ahnungslose) Köche verderben den Brei. Und doch: DAB wäre von Vorteil, und zwar für die Rundfunkveranstalter wegen der geringeren Verbreitungskosten und für die Hörer wegen größerer Programmauswahl. Doch jedes Mal, wenn das zarte Pflänzchen einen neuen Trieb bekommt, findet sich jemand, der die Überlebensfähigkeit der Pflanze in Frage stellt.

          Die Auslöser der aktuellen Debatte, Jürgen Brautmeier, Chef der Landesmedienanstalt in Düsseldorf, und der Staatssekretär Marc Jan Eumann, sind zu euphorisch in der Einschätzung des Internets als alternatives digitales Verbreitungsmedium für Hörfunk. Die vermeintliche Vielfalt der Audioangebote im Netz entpuppt sich nämlich als entweder zu unübersichtlich für die wirklich Interessierten oder als Vielfalt in der Einfalt: Wer mir den neuesten Hit von Adele oder Sido anbietet, ist letztlich einerlei. Warum dann nicht gleich zu Spotify und Konsorten? Dort kann ich mir die Playlist individuell zusammenstellen, ohne fröhlich-belangloses Geplauder.

          Anwendbar nur nach europäischer Regelung

          Studien zur Nutzung von Radiogeräten mit UKW-, DAB+- und Internet-Empfang, vorgestellt auf der letzten Internationalen Funkausstellung IFA, zeigen: Nach anfänglicher Experimentierphase mit Internetradio wenden die Nutzer sich nach ein paar Wochen DAB+ zu. Jetzt medienpolitisch auf die Vielfalt des Internetradios zu setzen und dem Digitalradio nur den Status einer Zwischentechnologie zuzubilligen ist fatal. Mehr noch: Es läuft auf längere Sicht darauf hinaus, sich von der Mediengattung Hörfunk mit redaktionell gestaltetem Programm gänzlich zu verabschieden.

          Vollkommen vernachlässigt wird in der Debatte um das Digitalradio die Schlüsselrolle Europas. Europa muss für gleiche Standards in den Mitgliedsländern sorgen, Europa muss sich um die Frequenznutzung kümmern, und nur Europa kann die Voraussetzungen schaffen für eine Mandatierung von digitalen Empfangschips. Entscheidend für die weitere Entwicklung eines Marktes für Digitalradio wird sein, dass der Industrie vorgeschrieben wird, alle künftig in Verkehr gebrachten Hörfunkempfänger mit einem digitalen Decoder auszustatten. Diese Vorschrift liegt nicht im Belieben der deutschen Bundesregierung, sondern ist erst nach einer europäischen Regelung anwendbar.

          In vier Jahren ohne UKW-Empfang im Stau stehen?

          Traditionell ist die EU in Sachen technischer Regulierung ziemlich zurückhaltend, hat sie doch mit der damaligen Festlegung auf den HDTV-Standard MAC lange Jahre die Fortentwicklung des Fernsehmarktes massiv behindert. Und auch bei der Festlegung auf einen Standard für das mobile Fernsehen vor einigen Jahren hat sie sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Jetzt dominiert die Angst vor Fehlentscheidungen. Dabei wäre schon viel gewonnen, wenn man in Brüssel endlich einsähe, dass nicht alles dem Markt überlassen werden darf. Gerade bei Netztechnologien ist eine Normensetzung unabdingbar.

          Topmeldungen

          Amazon-Chef Jeff Bezos Mitte Januar bei einem Firmenevent im indischen Neu Delhi.

          Smartphone des Amazon-Gründers : Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos gehackt?

          Einem Bericht zufolge soll der Amazon-Chef von Muhammad Bin Salmans persönlichem Konto eine infizierte Whatsapp-Nachricht bekommen haben. Das wirft Fragen auf, ob es einen Zusammenhang zum ermordeten Dissidenten Jamal Khashoggi gibt. Und zu einem Boulevardskandal um Bezos.

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.