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Corona-Krise in Spanien : Das Radio macht den Menschen Mut

Szenen einer Ausgangssperre: Zwei Bürger vor einer Apotheke im spanischen Pamplona. Bild: AP

Wegen der Corona-Pandemie dürfen die Spanier nicht auf die Straße, nicht auf die Plätze. Das brachte ein paar Findige auf die Idee, ein Radioprogramm zum Platz für alle zu machen. In kurzer Zeit wurde „Radio Patio Cuarentena“ zum Hit.

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          Die Corona-Pandemie beschert in Spanien dem Radio eine Renaissance. Das gilt nicht nur für die großen Sender, die so viele Spanier einschalten wie selten zuvor. Überall im Land gehen Stadtteilprogramme im Internet auf Sendung. Sie bringen die Nachbarn zusammen, die sich wegen der Ausgangssperre nicht mehr treffen können. Auf Youtube, Whatsapp und Podcasts geht es natürlich um den Alltag mit Corona, aber auch um das richtige Leben.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Sada, einer Kleinstadt im galicischen Norden, gründeten mehrere Freunde das „Radio Patio Cuarentena“. Patio heißt auf Spanisch Innenhof. Der Sender ließ einen virtuellen Treffpunkt entstehen, zu dem alle Zugang haben. In Wirklichkeit ist den Spaniern während der Quarantäne verboten, gemeinschaftliche Höfe, Gärten und Dachterrassen zu nutzen, weil sie sich dort anstecken könnten.

          Der Sender bringe die Nachbarn wieder zusammen, berichtete Antonio Fariña der Zeitung „El País“. Er ist einer der Gründer. Eigentlich besitzt er ein Restaurant, das aber jetzt geschlossen ist. Zur wachsenden Redaktion gehören Lehrer, Buchhalter und Sicherheitsbeamte. Schon kurz nach der Gründung waren sie jeden Tag sieben Stunden auf Sendung. Die Zahl ihrer Hörer wächst und reicht inzwischen bis in die Vereinigten Staaten. „Radio Patio Cuarentena“ bringt Wettbewerbe, Ratschläge für den Alltag während der Ausgangssperre – und Liebesgeschichten: Eine junge Hörerin bat darum, das Lied „Every Breath You Take“ zu spielen und an ihrer Stelle ihren Freund Jorge zu fragen, ob er sie heiraten wolle, erinnert sich Antonio Fariña. Wenig später hätten die beiden eine Audionachricht geschickt, in der sie mitteilten: „Wir heiraten!“ In einer anderen Sendung habe eine junge Frau aller Welt verkündet, dass sie schwanger sei.

          „La Albaicinera“ heißt in Granada der im März gegründete neue Sender. Er ist nach dem Albaicín-Viertel benannt, dem ältesten Viertel von Andalusien. Die Initiative geht auf mehrere Ärzte zurück. Ursprünglich wollten sie nicht nur über Gesundheitsfragen reden. Aber seit die Ausgangssperre in Kraft ist, geht es vor allem um das Virus und die Folgen für die Menschen in der andalusischen Stadt. In ganz Spanien gehört es mittlerweile zum abendlichen Ritual, werktags um fünf Minuten vor acht Uhr „Radio Patio Cuarentena“ einzuschalten. Zur vollen Stunde applaudieren die Menschen dann an ihren Fenstern und auf ihren Balkonen den Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten, die im Kampf gegen die Pandemie ihr Leben riskieren.

          Danach geht es über den nationalen Sender „Onda Cero“ online weiter; am Wochenende schon um 16 Uhr. Dort ist David Martos auf Sendung. Einen Tag bevor die Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, hatte er sich zu Hause vor sein Mikrofon gesetzt. „Hallo, können Sie etwas hören? Ist jemand auf der anderen Seite des Mikrofons in der Nähe?“, lauteten die ersten Worte des Journalisten, der in dem Sender bislang eine Filmsendung moderiert hatte. Nun holt Martos in seinem Live-Programm, das er von zu Hause produziert, das Leben in die Wohnzimmer der Spanier zurück, die nur noch vor die Türe können, um einzukaufen oder zum Arzt zu gehen: Er spricht mit Bürgermeistern, Forschern, Köchen, Regisseuren, mit Prominenten und mit Spaniern, die niemand kennt, der Kassiererin eines Supermarkts oder der Mutter eines behinderten Sohnes. „Ich will einfach erzählen, wie die Menschen in diesen Tagen leben“, sagt Martos. Seine Hörer werden immer mehr. Fast 20.000 Follower hat Martos schon bei Twitter.

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