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Radio Bremen verklagt Youtuber : Was darf ein Kritiker im Bild zitieren?

  • -Aktualisiert am

Holger Kreymeier mit dem Klageschreiben von Radio Bremen Bild: Massengeschmack-TV/Screenshot F.A.Z.

Ein Medienjournalist, der auf Youtube publiziert, nimmt sich einen Film von Radio Bremen vor. Der Sender verklagt ihn, mit Verweis auf das Urheberrecht. Wird die Kritik so ausgehebelt?

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          „Ich habe journalistisch, auch formal, sauber gearbeitet“, sagt Holger Kreymeier in einem Video. Er sendet auf seinem Kanal „Massengeschmack-TV“. „Wenn die jetzt meinen, sie müssten unbedingt ’ne Klage einreichen, ist das einfach lächerlich, aber ich find’s auch gleichzeitig amüsant“, ergänzt er. Mit „die“ ist Radio Bremen gemeint. Der Sender hatte im Dezember 2019 auf dem öffentlich-rechtlichen Online-Portal „funk“ eine Dokumentation mit dem Titel „#Infokrieg – Wie die neuen Rechten die Medien ‚hacken‘“ veröffentlicht. Diese hatte Kreymeier, nachdem sie in einer kürzeren Fassung im Mai in der ARD gelaufen war, umfassend kritisiert. In einem Youtube-Video nahm der Journalist sich eine Behauptung nach der anderen vor und sezierte den Film. Dabei verwendete er das Original-Material des Beitrags. Radio Bremen hält das für unzulässig.

          Inhaltlich geht es um Kreymeiers Kritik an den Machern der „Infokrieg“-Doku. Diese gingen unter anderem der Frage nach, welchen Einfluss einzelne Menschen, die rechtes oder rechtsextremes Gedankengut im Kosmos der digitalen Sozialnetzwerke verbreiten, auf die Meinungsbildung haben. Ihr Film schließt mit dem Verweis auf den Massenmord von Hanau und den Mord an Walter Lübcke: „Warum uns das alle interessieren sollte? Dieses Jahr wird aus Hass und Hetze Gewalt und Terror.“ Als „Ergebnis einer einjährigen Recherchereise“ präsentiert man, was Kreymeier fadenscheinig vorkommt: dass man es bei den gezeigten Einzelpersonen, die twittern oder bei Facebook aktiv sind, mit einem organisierten Netzwerk zu tun habe. Das werde „an keiner Stelle belegt. Es ist nichts weiter als eine Verschwörungstheorie. Man wendet also dieselben Methoden an wie diejenigen, die man kritisiert.“

          „Die Bezeichnung ist irreführend“

          Kreymeier stört unter anderem, dass die vermeintliche Wirkmächtigkeit von im Beitrag gezeigten Twitterern mit der Häufigkeit ihrer Retweets begründet wird. Eine hohe Anzahl von Posts, vor allem solcher, die jemand nur weiterleite, sei aber kein Indiz für Reichweite und Bedeutung. Die Beispiele im Film – zwei Twitterer mit ein paar tausend Followern – seien nicht wirklich aussagekräftig. Auch sei es erstaunlich, dass man die Leute eigens aufspüre und zu Hause aufsuche. Ein unangekündigtes Gespräch an der Haustür werde dabei als „Gedächtnisprotokoll“ deklariert, obwohl an den Fragen des Reporters deutlich zu hören sei, dass ein aufgezeichneter Ton existiere. Aber der, so sein impliziter Verweis, könnte als heimlich mitgeschnittene Aufnahme wohl rechtlich bedenklich sein.

          Auf diesen Vorwurf im Detail ging der Doku-Macher Dennis Leiffels im Mai bei Twitter ein: „Stimmt, die Bezeichnung ist irreführend. Wir haben das Interview nach der Aufzeichnung anonymisiert.“ Die Kritik am Tenor des Films wies Leiffels zurück. Eine Zahl von 1900 Followern, wie in einem Fall beschrieben, wirke zunächst gering. Doch handele es sich hier um „Linkschleudern, „die zu politischen Ereignissen mehrere hundert Nachrichten posten“. Eine Nutzerin habe im Laufe der Zeit mehr als 190.000 Tweets gepostet. Gleichwohl behaupte man nicht, sie sei eine „Top-Influencerin“. Mit den rechten Influencern beschäftige man sich an anderer Stelle.

          Radio Bremen beauftragt „Luxuskanzlei“

          Der Film und die Kritik an demselben ist das eine. Den Kritiker Kreymeier erreichte aber etwas anderes: Radio Bremen schickte ihm eine Unterlassungsaufforderung. Er solle es unterlassen, bei seiner auf Youtube formulierten Kritik auf die Bilder des von ihm kritisierten Films zurückzugreifen. Kreymeier ging darauf nicht ein. Vor ein paar Tagen flatterte ihm daraufhin die Klageschrift von Radio Bremen ins Haus. Der Sender, sagt Kreymeier im Gespräch mit dieser Zeitung, lasse sich von einer Berliner „Luxuskanzlei“ vertreten, die sich selbst als „führende Wirtschaftskanzlei“ vorstelle und „riesige Baukonzerne“ vertrete. „Das ist schon gehobene Klasse, auch wenn der Begriff ‚Luxuskanzlei‘ sicherlich ein wenig provokant ist“, so Kreymeier. Diesem Umstand widmete er sich in einem weiteren Youtube-Beitrag.

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