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r/Games auf Reddit : Schweigen ist Gold

Hier ist was los: Die Online-Plattform Reddit gilt vielen als „schwarzes Brett des Internets“. Bild: Picture-Alliance

Kurz geschlossen: Die Moderatoren des Kanals „r/Games“ der Online-Diskussionsplattform „Reddit“ wollen ein Zeichen setzen und machen das Videospielforum für einen Tag dicht.

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          Es reichte. Zumindest den Moderatoren des Reddit-Kanals „r/Games“. Sie hatten genug vom Verhalten einiger ihrer 1,7 Millionen vorgeblich videospielbegeisterten Nutzer und machten das Forum am 1.April für einen Tag dicht. Zu lesen gab es nur einen Beitrag der Moderatoren, der in seinem Bekenntnis zu heterogenen Online-Communities und gegen den Ausschluss von Minderheiten, mitsamt seiner Konsequenz als Donnerschlag innerhalb der Gaming-Szene gewertet werden kann.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Im Beitrag heißt es: „Was ursprünglich als Forum für die Verbreitung von Wissen über und Beteiligung an Videospielen gedacht war, ist stattdessen zum Schlachtfeld für widerstreitende Gedanken geworden.“ Das allein sei jedoch noch nicht das Problem, da es in der Natur von Diskussionen liege, dass es mitunter zum Streit komme. Hier aber sei er vornehmlich in Form von „vergifteten Attacken“ ausgetragen worden – „ohne jedwede Chance einer Deeskalation“. Damit sei der Punkt erreicht, an dem sich etwas ändern müsse: „Something’s got to give“. Vieles, was die Community als bösen Scherz durchgehen lasse – darunter auch die „Gamer Joker“- respektive „Gamers Rise Up“-Memes, eine Art durchgeknallte, sexuelle Selbstermächtigungsstrategie vereinzelter videospielender Männer, die sich von Frauen abgelehnt fühlen, mit dem Comic-Bösewicht „Joker“ als Symbolfigur – sei hochproblematisch und betreffe alle Videospieler. Denn, so die zentrale Aussage des Beitrags, „durch den Ausdruck der Geringschätzung oder offene Ablehnung von Minderheiten und ausgegrenzten Gemeinschaften schotten wir uns ab“, man vereinsame, werde „inselartig“.

          Verbreitung von „regressiven und herabwürdigen Ideologien“

          Mit ihrer eigenen Gemeinschaft gehen die Reddit-Moderatoren hart ins Gericht: Die Verantwortung für die Verbreitung von „regressiven und herabwürdigen Ideologien“ oder Denkweisen wie Rassismus, Homophobie und Misogynie liege zu einem immer größer werdenden Teil bei der Gemeinschaft selbst. Deshalb müsse man den Betreffenden jetzt ein für alle Mal „den Wind aus den Segeln nehmen“, damit diese Art zu Denken und sich im Internet auszulassen, nicht die Norm werde – vor allem nicht zu „Unterhaltungszwecken“. Im Anhang des Beitrags werden Links zu gemeinnützigen Organisationen aufgeführt, die Projekte im Bereich Gesundheit, LGBT, Schwangerschaft und Menschenrechte unterstützen.

          Der Aufschrei ist groß: Man möge seine „Abfall-Politik“ aus der Videospiel-Diskussion heraushalten, heißt es im Kanal „r/pcgaming“. Videospielen sei ein Hobby und diese seien nun mal dazu da, Stress und Wut abzubauen. „Nicht jeder möchte ständig und in jedem einzelnen Teil seiner Existenz mit Politik oder den Übeln dieser Welt konfrontiert werden“, schreibt ein weiterer Nutzer. Man brauche keine machthungrigen Moderatoren, „die mir ihre Weltsicht aufzwingen wollen und mir sagen, wie ich zu denken habe“. Andere fürchten, dass die Moderatoren durch ihre Aktion nun die Aufmerksamkeit derjenigen gewonnen haben, die sie loswerden wollten.

          Zudem zeuge der Umstand, dass ein Großteil der problematischen Beiträge zügig entfernt oder „ins Nichts runtergewählt“ werde, bereits davon, dass die meisten Nutzer von „r/Games“ sowie der gesamten Subkultur „bereits an Bord ist“, wenn es darum gehe, Toleranz zu zeigen. Die Trolle erreiche man so nicht. Stattdessen „predige man zu den Bekehrten“. Indes wird der Beitrag als wichtiges Zeichen gelesen, dass man das Feld nicht denjenigen überlassen will, die ihre von Videospielen befeuerte Kreativität auf die Verbreitung kindischer bis perverser Hassbotschaften verwenden. Schließlich sei es in „r/Games“ ursprünglich mal um dieses gegangen: den Spaß an und die kritische Diskussion von Videospielen.

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