https://www.faz.net/-gqz-7o9xf

Querelen bei der„taz“ : Stein auf Stein

Hat zu ihren Mitarbeitern nicht das beste Verhältnis: taz-Chefredakteurin Ines Pohl Bild: dpa

Die „taz“ plant ein neues Verlagshaus, im alten wird derweil munter gestritten. Im Hausblog kann man live verfolgen, wie es zwischen Chefredaktion und dem Rest der Belegschaft kriselt.

          2 Min.

          Wer wissen will, was bei der „taz“ los ist, der muss das „Hausblog“ lesen. Dort findet sich schwarz auf weiß, was andernorts der Flurfunk transportiert. Zumindest zwischen den Zeilen. Letztens wurde vom „Häuserkampf um unsere Götzen“ berichtet. Gemeint ist die Ahnengalerie ehemaliger und amtierender Chefredakteurinnen und Chefredakteure, die plötzlich an einer Wand vor dem Konferenzraum hing. Zwanzig Porträts waren das, wenn wir richtig gezählt haben, die freilich nicht allen gefielen. Götzendienste jeder Art sind in der „taz“ nämlich verpönt, allzu große Huldigungen vor den Chefs im Besonderen. Und so verschwand die Fotostrecke so schnell, wie sie gekommen war. Ein Rollkommando, von dem auch ein Bekennerschreiben auftauchte, hatte sich der Bilder bemächtigt.

          Vergiftete Atmosphäre

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          So selbstironisch wie das Hausblog der „taz“ davon berichtet, so unwitzig geht es in der Redaktion tatsächlich zu. Das zeigte sich jetzt, als die Redaktionsversammlung die Berufung der Online-Chefin Frauke Böger zur stellvertretenden Chefredakteurin ablehnte. 49 Redakteure waren dagegen, nur vierzig dafür. „Mist. Wär’ ich mal zum Boxen gegangen heute Abend“, twitterte Frauke Böger daraufhin und verlinkte etwas später ein Video vom „taz“-eigenen Twitteraccount, in dem jemand einen lustigen Song mit dem Titel „Das ist Demokratie“ singt.

          Die Tageszeitung soll ein neues Verlagsgebäude bekommen

          Die Abstimmung in der Redaktionsversammlung hatte Frauke Böger selbst beantragt, notwendig wäre sie nicht gewesen. Sie hat die Stimmung unter den Kollegen wohl falsch eingeschätzt. Vielleicht hat es aber auch sie getroffen, obwohl jemand anderes gemeint ist: die Chefredakteurin Ines Pohl, deren Verhältnis zu einem Großteil der Redaktion man als zerrüttet bezeichnen kann. Mit ihrem Verhalten bei der öffentlichen Zurechtweisung des Rechercheurs Christian Füller hatte sie zuletzt von außen erkennbar Unmut auf sich gezogen. Dann ging der Chef des Gesellschaftsressorts „tazzwei“, David Denk, und wurde mit dem Hinweis zitiert, im Haus herrsche „eine vergiftete Atmosphäre“. Die wohl etwas mit der Chefredakteurin Ines Pohl zu tun haben könnte.

          Die Onliner bei der Stange halten

          Die Quittung gab es jetzt bei der Abstimmung über ihre Stellvertreterin. Doch es hatte sie auch schon gegeben, als Andreas Rüttenauer, ein Mann aus der Sportredaktion, vor vier Wochen zum gleichberechtigten Chefredakteur neben Ines Pohl bestimmt wurde. Auch über ihn wurde in der Redaktionsversammlung abgestimmt, er bekam 55 Jastimmen, es gab 29 Neinstimmen und elf Enthaltungen. Das war ein wenig überzeugendes Votum.

          Doch Ines Pohl, der das alles zu denken geben müsste, gab sich unverdrossen: „In einem komplexen Haus wie der ,taz‘ spricht viel für ein Doppelpack an der Spitze“, sagte sie. Intern jedoch ist davon die Rede, dass sie sich mit Händen und Füßen gegen den zweiten Chefredakteur gewehrt hat, den ihr der Vorstand der „taz“-Genossenschaft quasi als Aufpasser vor die Nase setzt.

          Auch Frauke Böger galt eigentlich nicht als Verbündete der Chefredakteurin – sie war eine strategische Wahl, auch um die Onliner in der Redaktion bei der Stange zu halten. Im Hausblog der „taz“ ist derweil auch davon zu lesen, dass ein neues Verlagshaus gebaut wird. In drei Jahren sollen alle Mitarbeiter umziehen. Die Redaktion, so scheint es, liegt im Augenblick allerdings in Trümmern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.