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Qualitätsfernsehen : Der besessenste aller Rechercheure

  • -Aktualisiert am

Ein ermittelnder Redakteur: Eric Friedler Bild: Jesco Denzel

Wer im Fernsehen nach Qualität sucht, der kann sie finden. Bei dem Ausnahmereporter Eric Friedler etwa. Mit besessener Recherche kommt er zu Themen, zu denen es eigentlich keinen Zugang gibt. Seine Methoden sind spektakulär und nicht selten riskant, seine Filme Fernsehklassiker.

          „Ich bin nur der Redakteur“, sagt Eric Friedler, vielleicht ein wenig kokett, „darum sitze ich gern in der dritten Reihe.“ Er ist bescheiden von Natur, wenn auch ein genuiner Ironiker - mit ausgeprägt rheinischem Gemüt und dezent kölschem Zungenschlag. In Wahrheit allerdings ist er Australier und kam 1971 in Sydney auf die Welt. Er gehört zu der NDR-Mannschaft, die den neuen Hamburger „Tatort“ entwickelt hat - und den ersten Türken mit deutschem Pass als Kommissar „undercover“ ermitteln lässt.

          Bei der Pressepremiere des Pilotfilms, der am 26. Oktober läuft, sitzt Friedler in der ersten Reihe, neben der Fernsehspielchefin, dem Regisseur und dem Drehbuchautor. Schweigsam zwar, aber zweifellos genauso wichtig. Schon seiner engen Kontakte zu Polizeibehörden wegen, ohne deren Aufklärungsbereitschaft man die Arbeit verdeckter Ermittler kaum zum Thema eines Sonntagabend-Krimis hätte machen können. Das erfährt man in der Spielfilmabteilung des NDR mit vernehmlichem Respekt vor dem Kollegen.

          Redakteur nur als Berufsbezeichnung

          Am vergangenen Sonntag ist er für seinen Film „Das Schweigen der Quandts“ mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Dafür und für die Kontinuität seiner Arbeit bekam er gestern auch den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Unter den politischen Dokumentaristen in diesem Land ist Eric Friedler zweifellos einer der exzellentesten.

          Redakteur ist er nur im Brotberuf. Journalist hat er gelernt: beim „Aufbau“ in New York, später bei einer Reihe amerikanischer Blätter, kaum dass er seine ersten Sachen auf Englisch geschrieben hatte. Da war er gerade Mitte zwanzig und fand es in seinem Zimmerchen in Queens zu deutschen und internationalen Zeitungen weitaus näher als von Köln aus, wo er 1990 Abitur gemacht hatte.

          Ein weltläufiger Journalist

          Da weltläufige Rechercheure überall gesucht sind, wechselte er bald wieder den Kontinent und von den Printmedien zu Hörfunk und Fernsehen. Fortan belieferte er die Politmagazine der ARD mit Interviews und Reportagen. Als versatiler Reporter machte er rasch mit Qualitäten von sich reden, die im deutschen Quotenbetrieb nicht unbedingt karriereförderlich sind: politische Courage und beherzte Angriffslust, die bei Friedler als elegante Spielart von Wahrheitswut daherkommt. Sein Film über „Das Schweigen der Quandts“ aus dem vergangenen Jahr ist dafür ebenso Beispiel wie die 2005 mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnete Dokumentation „Für Allah in den Tod“.

          So besessen dieser Reporter einem Thema zu verfallen scheint, so vergnüglich kann er von den Recherchen plaudern, sobald die Sache ausgestanden ist - oft freilich erst nach Jahr und Tag. Er hat sich ein detailgenaues Gedächtnis antrainiert. Dass ihm das Schreiben schwerfällt, wie er behauptet, mag man ihm nicht glauben. „Mein Medium ist der Film“, sagt er mit Nachdruck. Dass er für seine Filme immer plausible Bilder finden muss, scheint seinen Erzähldrang zu disziplinieren. Unerbittlich ist er mit sich selbst: „Ich mache viel Arbeit“, gesteht er. Dass das wie ein kategorischer Imperativ an die eigene Adresse klingt, weiß er.

          Enzyklopädischer Eifer

          Friedler liebt es, aus dem Vollen zu schöpfen - schon bei der Recherche. Sein Büro hat er augenscheinlich nach dem Zufallsprinzip mit Büchern, Zeitungen, Leitz-Ordnern, losen und fliegenden Blättern vollgestopft. Das dennoch nicht vollkommen ungeordnete Chaos erinnert an den manischen Sammeleifer eines Enzyklopädisten - angeschaut, gelesen und verarbeitet, was für die nächste Geschichte eine Rolle spielen könnte.

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