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Psychologische Studie : Der schnellste Weg ins Kopfkino

Dem Kopfkino sei Dank: auf eine Geschichte, die nur erzählt und nicht gezeigt wird, reagieren Menschen emotionaler. Bild: bw photoagentur

Ist „Game of Thrones“ als Hörbuch oder auf dem Fernseher packender? Psychologen haben jetzt die Wirkung visueller und akustischer Medien verglichen. Ihre Antwort fällt eindeutig aus.

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          Für die einen leben wir mitten im visuellen Zeitalter, in dem optische Reize und Schnittstellen den Takt vorgeben. Für die anderen ist die Zukunft dank um sich greifender Sprachsteuerung in jedem Fall eine akustische. Eine Studie am University College London hat jetzt in einem übersichtlichen Rahmen die sinnliche Probe aufs Exempel gemacht. Ihr Leiter am Lehrstuhl für Experimentelle Psychologie, Dr. Joseph Devlin, hat untersucht, welches Medium emotional packender ist. Dazu hat er seinen Probanden bekannte Szenen aus acht Erzählungen verschiedener Genres vorgespielt, jeweils in ihrer Fernseh- oder Kinofassung und als Hörbuch. Die akustischen und visuellen Ausschnitte aus „Games of Thrones“, „Alien“ oder „Stolz und Vorurteil“ sollten dabei laut Studie jeweils gut vergleichbar sein und sich inhaltlich in ihren Versionen auf Papier und Leinwand nicht essenziell unterscheiden.

          Anna-Lena Niemann

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Obwohl die Teilnehmer in Befragungen angaben, sich weniger emotional involviert zu fühlen, wenn sie lediglich zuhörten und nicht sahen, zeigten ihre physiologischen Daten, die die Wissenschaftler während der Vorführungen aufzeichneten, ein anderes Bild: Beim Hörbuch schlägt das Herz schneller, die Körpertemperatur steigt und der sogenannte Hautwiderstand, bei dem die elektrische Leitfähigkeit der Haut gemessen wird, verändert sich. Diese Werte machen laut der Studie sichtbar, was unser Gehirn unterbewusst erregt. Welchem Genre die Ausschnitte entlehnt sind, war auffälligerweise nicht entscheidend. Ebenso wenig das Alter der Probanden.

          Warum genau, akustisches Erzählen einnehmender ist als visuelles Zeigen, kann die Studie nicht beantworten. Devlin vertritt allerdings die Hypothese, dass es etwas mit dem berühmten Kopfkino zu tun hat. Wird eine Geschichte auf akustische Reize reduziert, fühle sich das Gehirn animiert, die übrigen Sinne selbst zu füttern. In Filmen haben andere diese Arbeit übernommen. Gehirn und Körper dürfen sich entspannen, anstatt angeregt zu werden. Wirklich überraschen können die Ergebnisse der Studie zumindest diejenigen nicht, die mit der gleichen Begründung über filmische Adaptionen ihrer Lieblingsbücher schimpfen. Im Grunde versucht die Studie zu bestätigen, was die Medientheorie schon vor fünfzig Jahren ähnlich formuliert hat. Wenn Marshall McLuhan zwischen heißen und kalten Medien unterscheidet, dann auch mit ebenjener Begründung, die der Psychologe Devlin vorschlägt: Heiße Medien servieren das sinnliche Komplettpaket, kalte Medien verlangen einen höheren Grad an Partizipation. Der Konsument muss buchstäblich mitdenken, um die sinnlichen Lücken zu füllen.

          Zwar erscheinen die Ergebnisse der Studie eindeutig und konsistent, es ist jedoch Vorsicht geboten. Zur Transparenz gehört es nämlich, den Partner der Studie zu nennen: das Medienunternehmen Audible, ein Anbieter für Audioinhalte. Vom renommierten University College London erwartet niemand ernsthaft, dass die Wissenschaftler ihre Studien im Dienste der Industrie frisieren. Dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich gemacht wurden, um sie einem Peer-Review-Prozess zu unterziehen, ist trotzdem richtig.

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