https://www.faz.net/-gqz-6yfed

Provider bremsen gezielt : Das „Zwei-Klassen-Netz“ ist Wirklichkeit

Was wird sie zur Berec-Studie sagen? EU-Kommissarin Neelie Kroes ist zuständig für die Digitale Agenda Bild: REUTERS

Hauptsächlich bei der Internet-Telefonie und der Kommunikation der Nutzer untereinander, im Fest- wie im mobilen Netz: Eine Studie stellt fest, dass Europäische Telekommunikationsdienstleister im Datenverkehr gezielt bremsen und blockieren.

          1 Min.

          Viele europäische Telekommunikationsfirmen behindern oder blockieren gezielt den Datenverkehr im Netz. Sowohl im Fest- als auch im mobilen Netz werden vor allem Daten der Kommunikation der Nutzer untereinander (Peer-to-Peer-Communication) und der Internet-Telefonie benachteiligt. Das hat das Gremium europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (Berec) festgestellt.

          An einer Umfrage des Gremiums, dem auch die Bundesnetzagentur angehört, haben neben Verbraucherschutzorganisationen, Industrieverbänden und Privatpersonen auch vierhundert Telekommunikationsdienstleister teilgenommen. Wie Berec mitteilte, werden Datenpakete typischerweise mit der „Deep Packet Inspection“ überwacht und damit verlangsamt, wie sie auch zur Spam-Kontrolle eingesetzt wird.

          Daten zweiter Klasse

          Durch die gezielte Verlangsamung im Datenverkehr können Internet-Telefonie- und Streaming-Angebote unattraktiv gemacht werden. Auch solche, die in Konkurrenz zu anderen Produkten der Telekommunikationsdienstleister wie etwa dem Festnetzgeschäft stehen. Der Verdacht liegt also nahe, dass die Datenentschleunigung den eigenen Geschäften der Dienstleister dienen soll. Welche Dienstleister diese Technik einsetzen, wurde zunächst nicht bekannt.

          Damit verstoßen die Provider gegen den Grundsatz der Netzneutralität, dem zufolge alle Daten gleichberechtigt weitergeleitet werden müssen, um kein „Zwei-Klassen-Netz“ entstehen zu lassen, das etwa kommerzielle Inhalte bevorzugt. Die EU-Kommission vertritt bislang den Standpunkt, dass der Wettbewerb der Netzwerkbetreiber die Netzneutralität ausreichend gewährleiste. In der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags ist das Thema umstritten. Der Vorsitzende der Projektgruppe Netzneutralität, Peter Tauber (CDU), hatte noch im Oktober Netzneutralität „ein hohes Gut“ genannt, das allerdings nach Ansicht der Mehrheit in der Projektgruppe in Deutschland derzeit nicht akut gefährdet sei. Die Studie der Berec, die im April vollständig vorliegen soll, könnte zu einem anderen Ergebnis kommen.

          Weitere Themen

          „Azor“ Video-Seite öffnen

          Trailer (OmU) : „Azor“

          „Azor“, Regie: Andreas Fontana. Mit: Fabrizio Rongione, Stéphanie Cléau, Carmen Iriondo, Juan Trench, Ignacio Vila, Pablo Torre, Elli Medeiros, Gilles Privat, Alexandre Trocki, Augustina Muñoz, Yvain Julliard. CH, F, ARG, 2021.

          Millionenbilder aus der Blockchain

          Hype um Kryptokunst : Millionenbilder aus der Blockchain

          Erstmals kommt ein rein digitales Werk bei Christie’s zur Auktion. Die „Everydays“-Collage von Beeple steht für den Boom in der Blockchain, der nun auch den traditionellen Betrieb elektrisiert.

          Topmeldungen

          Müller? Boateng? Hummels? Bundestrainer Joachim Löw schraubt derzeit an seinen Formulierungen zum Thema.

          Rückkehrer für DFB-Team : Die Verrenkungen des Joachim Löw

          Um die Form von Müller, Boateng und Hummels muss man sich keine Sorgen machen. Es ist der Bundestrainer, der in Form kommen muss, wenn es in diesem Sommer bei der Fußball-EM etwas werden soll.
          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang

          Kritik an Verfassungsschutz : Geschwätzige Geheimnisträger

          Bei dem Versuch, die AfD zu beobachten, handelt sich der Verfassungsschutz Kritik ein. Schon wieder sind Details nach außen gedrungen. Dabei steht der Dienst eigentlich für Verschwiegenheit. Was ist da los?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.