https://www.faz.net/-gqz-14mjp

Protest gegen Google Street View : Jagd auf die Sammler

  • -Aktualisiert am

Nichts, was nicht vermessen werden soll: Google Street View im Einsatz Bild: AP

Georg Schäff, der neue Herausgeber des „Donaukuriers“, setzt auf Konflikt: Er will seine Stadt und sich von Google Street View nicht fotografieren lassen. Ob er damit durchkommt, ist ungewiss.

          5 Min.

          Es ist ein klarer, sonniger Morgen in Ingolstadt, bestes Fotografenwetter. Georg Schäff aber erwischen die Kameras nicht - sein Büro mit Glasfront liegt im dritten Stock, und sein Gegner mag vieles sehen, aber was sich mehr als drei Meter über Straßenhöhe befindet, kann auch er nicht fotografieren, speichern, veröffentlichen. Schäff, obwohl selbst unsichtbar, hat dieser Beobachtung den Kampf angesagt. Aus Prinzip, sagt der Herausgeber des „Donaukuriers“. Denn mit dem Datenschutz verhalte es sich wie mit dem Klima - man spüre die Veränderung erst, wenn es zu spät sei.

          Der Gegner der oberbayerischen Regionalzeitung ist der größte anzunehmende, es ist Google. Grund für Schäffs Furor gegen die Suchmaschinenfirma: Für seinen Dienst Street View schickt das Unternehmen mit Kameras ausgestattete Autos über die Straßen, um 360-Grad-Panoramen ihrer Umgebung aufzunehmen. Die Bilder werden gespeichert und sollen später nahezu unverändert und mit Adresshinweis ins Internet gestellt werden. Ziel von Street View, schreibt Google, sei „eine zusätzliche Dimension der Wahrnehmung, indem es den Nutzern ermöglicht, einen Standort so zu betrachten, als wenn sie selbst auf der Straße stünden“.

          Die vielen Vorteile des Dienstes reichten von der Tourismusförderung über die Suche örtlicher Geschäfte oder Treffpunkte bis hin zur Unterstützung von Immobilienkäufern und Mietinteressenten. Während Amerikas Nachbarschaften schon im Internet abgebildet sind, steckt Street View in Deutschland noch in der ersten Phase. Seit Juli vergangenen Jahres wird umfangreich geknipst.

          Googles Street View, als Dachkamera montiert, bei der Fahrt durch Amsterdam

          Persönlichkeitsrechte unter Beschuss

          Das aber verstoße gegen deutsche Gesetze, schreibt der „Donaukurier“ in einer Ende Oktober erschienenen und mit „Organisierter Angriff auf die Privatsphäre“ überschriebenen Ausgabe. Google verletze das allgemeine Persönlichkeitsrecht, allen voran das Recht am eigenen Bild. Zu diesem Urteil kommen drei von der Zeitung beauftragte Juristen. In den Gutachten heißt es unter anderem, dass aus drei Meter Höhe gemachte Aufnahmen mehr zeigten als den öffentlichen Raum, auf den Google verweist. Auch seien Persönlichkeitsrechte massiv verletzt, wenn zufällig vor die Kameras geratene Personen im Internet gezeigt würden. Denn selbst verpixelte Personen sind aufgrund ihrer Statur, Haarfarbe oder Umgebung identifizierbar. Außerdem erfordere das Datenschutzgesetz schon bei der Erhebung von Daten, also beim Fotografieren und Abspeichern, mangels eines Erlaubnisbestandes eine Einwilligung. Googles Stärke liegt aber bekanntlich eher im Antworten denn im Fragen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die bayerische SPD fordert den Rücktritt Söders wegen der Corona-Test-Panne.

          Corona-Test-Panne in Bayern : Der erste Fleck auf der weißen Weste

          Bisher gab es nur Lob für das Corona-Management des bayerischen Ministerpräsidenten. Doch die Zehntausenden verzögerten Testergebnisse bringen Markus Söder in Bedrängnis. Wollte er zu schnell zu viel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.