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Kampf um Meinungsfreiheit : Das große Unbehagen

Eines der großen Anliegen unserer Zeit: Nach der Demo bleibt das durchweichte Schild. Bild: dpa

Mehr als 150 Intellektuelle protestieren gegen ein erstickendes Meinungsklima und Repressalien gegen Andersdenkende. Dabei werfen sie vor allem dem Journalismus, den Wissenschaften und Künsten Intoleranz und Moralisieren vor.

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          Ob der offene Brief von mehr als 150 Intellektuellen auf der Website des amerikanischen Magazins „Harper’s Magazine“ unsere Debattenkultur in ein Vorher und ein Nachher einteilt, steht noch dahin. Ein markantes, weithin sichtbares Signal ist jedenfalls gesendet. Es könnte auf eine Spaltung des liberalen Kulturmilieus hinauslaufen, kündigt aber wohl in jedem Fall das gesellschaftliche Konsensbündnis gegen „Rechts“ auf, das spätestens seit der Migrationskrise 2015 sichtbar geworden ist. An dessen Stelle ist das große Unbehagen getreten.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          In dem offenen Brief, der in Europa unter anderem von der „Zeit“ veröffentlicht wurde, beklagen Schriftstellerinnen, Künstler und Denker wie Margaret Atwood, Louis Begley, Noam Chomsky, Daniel Kehlmann, Wynton Marsalis, J.K. Rowling, Salman Rushdie und Gloria Steinem unter dem Titel „Widerstand darf kein Dogma werden“ das illiberale Meinungsklima, das gerade aus dem Protest gegen Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und ausschließendes Denken hervorgegangen sei. Mit anderen Worten: Eine achtenswerte Mission hat ein Monster produziert. An Hochschulen, im Journalismus und in den Künsten gefährdeten „moralische Einstellungen und politische Bekenntnisse“ die offene Debatte und „das Aushalten von Differenzen“. Widerstand gegen die Kräfte des Illiberalismus, so die Autoren, dürfe jedoch nicht zur Intoleranz führen.

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