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ProSieben-Serie „Limitless“ : Jede Zelle seines Körpers ist drauf

Durch eine ganz besondere Droge nimmt das Leben von Brian Finch (Jake McDorman) eine außerordentliche Wendung. Bild: CBS

Die Serie „Limitless“ zeigt, wie ein gescheiterter Musiker mit einer Wunderdroge sein Gehirn befeuert und fortan FBI-Fälle löst. Abhängig macht dieser Stoff nicht.

          Wer sich vom FBI freiwillig unter Drogen setzen und für Kriminalfälle einspannen lässt, ist entweder entsetzlich karrieregeil oder er hat nichts mehr zu verlieren. Auf Brian Finch (Jake McDorman) trifft eigentlich weder das eine noch das andere zu. Er ist zwar ein gescheiterter Musiker, doch er steht in gutem Kontakt zu seiner liebevollen Familie, die ihn regelmäßig zum Essen einlädt und ihm für all seine zu Luftschlössern gewordenen Pläne die Absolution erteilt. Dennoch wird der künftige Arbeitsalltag des Protagonisten der Serie „Limitless“, die bei Pro Sieben startet, schon sehr bald nach folgendem Muster ablaufen: rein ins gestärkte Kurzarmhemd, Krawatte um den Hals, ab ins FBI-Büro und eine durchsichtige Pille eingeworfen. Denn dann kann man der ewig staunenden Kollegin Rebecca Harris (Jennifer Carpenter) erklären, wie der Hase läuft.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Während die meisten synthetischen Drogen ihre Konsumenten lediglich glauben lassen, sie seien unfassbar schlau, bringt die Substanz „NZT-48“ die Synapsen hier gehörig in Schwung und ermöglicht es Finch, für zwölf Stunden die Leistungsfähigkeit seines Gehirns um ein Vielfaches zu steigern. Den Hintergrund bildet die Annahme, der Mensch nutze nur einen geringen Teil seiner zerebralen Kapazität, während sich das volle Potential beispielsweise durch eine veränderte Neurochemie aufschlüsseln ließe. Ob Timothy Leary seine Freude daran hätte, ist fraglich.

          Was man halt so macht mit phänomenalen, fast kosmischen Geisteskräften: David Finch (Jake McDorman) löst gleichzeitig mit jeder Hand jeweils einen Zauberwürfel.

          Brian jedenfalls hat plötzlich „Zugriff auf jede einzelne Zelle“ seines Gehirns, derweil er dank fremder Hilfe immun gegen jene Nebenwirkungen ist, die seinen Denkapparat in einem Zustand irgendwo zwischen aufgeweichtem Butterkeks und einer durchgebrannten Glühbirne zurücklassen würden. Für das FBI ist so einer natürlich wertvoll, aber das stellen sie dort es erst etwas später fest.

          Die Serie „Limitless“ ist ein Ableger des gleichnamigen Films (deutscher Titel: „Ohne Limit„) aus dem Jahr 2011, der auf dem Roman „The Dark Fields“ (deutscher Titel: „Stoff„) des irischen Autors Alan Glynn basiert. Im Film spielt Bradley Cooper den erfolglosen Schriftsteller Eddie Morra, der mit der Droge in Kontakt kommt und durch Börsenspekulationen und andere zwielichtige Geschäfte zu Geld gelangt. Cooper hat auch in der Serie einige Auftritte, hier als Senator Edward Morra. Er fungierte gleichzeitig als Produzent. Man konnte erwarten, dass ein Stoff, in dem das FBI, eine Wunderdroge und Bradley Cooper eine Rolle spielen, zündet und nun noch mal durch den Verwertungswolf gedreht wird. Doch der Serie geht es ein wenig wie dem Protagonisten ohne „NZT-48„: Sie kann das Potential ihres Stoffes (Drehbuch Craig Sweeny) nicht ausreizen.

          Da bleibt man als Zuschauer doch lieber etwas grenzdebil

          Optisch legt die Serie einen recht frischen Start hin, mit allerhand Sperenzchen: Da wird die Szene mittendrin eingefroren, während Finch das Geschehen lakonisch aus dem Off kommentiert. Da wird verlangsamt und zurückgespult. Da werden eine Reihe Computeranimationen verbraten, wenn gezeigt werden soll, wie die Droge auf den Körper wirkt: Pille rein, Schnitt zur lateralen Aufsicht einer animierten Röntgenaufnahme der Speiseröhre und dann gewittert es auch schon durch den durchsichtig blauen Synapsendschungel. Man kennt das.

          An anderer Stelle treten - immer noch das beliebteste Stilmittel zur Bebilderung von Intelligenz im bewegten Bild - leuchtende mathematische Formeln aus dem Bildhintergrund hervor, dreidimensionale Gebäudepläne und allerlei anderer Formelkram. So kleidet sich die geistige Leistungssteigerung in das Gewand verständlich visualisierter Rechenoperationen mit hoher Datenverarbeitungsrate. Das suggeriert, nicht der Computer müsse sich dem Menschen annähern, sondern umgekehrt. Da ist man als Zuschauer versucht zu sagen: Da bleibe ich doch lieber etwas grenzdebil.

          Brian (Jake McDorman, r.) muss feststellen, dass er nicht mit Boyle (Hill Harper, l.) und Rebecca (Jennifer Carpenter, M.) zum Tatort darf, sondern im Büro bleiben muss.

          Von künstlich gesteigerter Neurochemie hätte man etwas organischere Erfahrungen erwartet. So à là Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Da summt, pfeift, singt und dröhnt es wenigstens noch wild durcheinander. Finchs neue Geisteskraft wird indes so originell demonstriert, als handle es sich um den Werbefilm für das Assessmentcenter einer Beraterfirma. Auf der Straße spielt er Simultan-Schach gegen mehrere Gegner, an einer Tafel zeichnet seine rechte Hand das Selbstporträt von Leonardo da Vinci nach, während die Linke mathematische Terme ankreidet. In einer anderen Sequenz löst Finch mit beiden Händen gleichzeitig jeweils einen Rubik-Würfel.

          Man hätte denken können, ein Musiker im Kreativitätsloch würde schnell mal ein paar unsterbliche Kompositionen hinausschleudern, Hits landen, durch die die eine kosmische Schwingung aller großen Rock-Nummern tönt. Finch aber hat die Kunst vergessen und spürt Bombenlegern und Biowaffen hinterher. Er ist ein besserer menschlicher Taschenrechner geworden. Die Szenen und Tableaus, vor denen sich die Figuren bewegen, sind oft glatt und jeglicher Lebendigkeit beraubt, während die Handlung unter dem Effekt- und Gagfeuerwerk abflacht. Grenzenlosigkeit stellt man sich anders vor. So bleibt alles beim Alten, Erleuchtung ist durch Drogen kaum zu haben. Nur durch Geduld und Spucke.

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