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Propaganda der Dschihadisten : IS muss Lücken in sozialen Netzwerken suchen

  • -Aktualisiert am

Accounts werden gesperrt: Twitter geht immer konsequenter gegen die IS-Propaganda vor. Bild: AP

Die sozialen Netzwerke reagieren auf das zweite Enthauptungsvideo des IS wesentlich schneller als auf das der Ermordung Foleys. Eine Verbreitung kann weitgehend eingeschränkt werden. Der IS sucht unterdessen nach Lücken im System.

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          Zwei Wochen nachdem das Video der Enthauptung von James Foley durch den Islamischen Staat veröffentlicht wurde, ist ein zweites aufgetaucht, das den Mord an Steven Sotloff zeigt. Dieses Mal aber scheint die Terror-Organisation selbst von der Veröffentlichung überrascht worden zu sein. Auf justpaste.it, einer Plattform, die das Teilen von Inhalten ohne vorherige Registrierung erlaubt, entschuldigte sich der IS für die vorzeitige Herausgabe des Videos. Er bat seine Follower um Verzeihung - dafür, dass das Video „vor dem offiziellen Zeitpunkt“ in Umlauf kam.

          Der IS konnte den Leak scheinbar nicht verhindern, doch den sozialen Netzwerken gelang es, die weitere Verbreitung des Videos radikal einzuschränken. Während das Bildmaterial zur Enthauptung Foleys auf verschiedenen Plattformen kursierte, blieb die „Zweite Nachricht an Amerika“, wie die IS das Video nennt, nahezu unauffindbar. Gleich nach seinem Upload auf Youtube wurde das Video entfernt, sodass eine weitere Verbreitung gar nicht erst stattfinden konnte. Die Netzwerke reagieren immer erst rückwirkend auf Material, das gepostet und dann von anderen Nutzern als unangemessen gemeldet wurde, doch diesmal taten sie es schnell.

          Sonst ergibt sich häufig das Problem, dass die ursprüngliche Quelle des Propaganda-Materials erst entfernt wird, wenn sich die Bilder längst verbreitet haben. Dwayne Melancon, Sprecher von Tripwire, einer amerikanischen Firma für Netzsicherheit, sprach vom „die-Katze-ist-aus-dem-Sack-Problem“: Inhalte, die sich einmal verbreitet haben, sind nur schwer wieder einzufangen.
          Ein Sprecher des Silicon Valley, der aufgrund des sensiblen Themas anonym bleiben will, erklärte das langfristige Vorgehen der sozialen Netzwerke: „Plattform für Plattform“ wolle man den Islamischen Staat aus dem Netz drängen. Inhalte werden gelöscht, Accounts gesperrt.

          Weitere Lücken im System

          Gleichzeitig melden sich kritische Stimmen zu Wort, die dieses Verfahren als eine Einschränkung der Meinungsfreiheit begreifen. Nur per gesetzlicher Anordnung sollten die Netzwerke gepostete Inhalte kontrollieren dürfen, sagt Jillian York, die Initiativen zur Meinungsfreiheit der Nonprofit-Organisation Electronic Frontier Foundation unterstützt. Ihr Hauptargument ist, dass die Netzwerke uneinheitlich und nicht transparent handeln. Manche Accounts würden entfernt, andere mit ähnlichem Inhalt dagegen nicht.

          Spott bei Twitter: IS-Supporter fordern Obama zu Waffenlieferungen auf.

          Der IS weicht unterdessen auf weniger bekannte und weniger gut kontrollierbare Seiten aus. Justpaste.it wird bevorzugt verwendet, aber auch Plattformen, die mit größerer „Privatheit“ werben, etwa das dezentralisisierte Netzwerk Diaspora. Dort gibt es keine zentrale Website, sondern nur einen losen Verbund einzelner Communitys mit jeweils eigenem Server, die untereinander kommunizieren. Auf Diaspora war der IS knapp einen Monat präsent, doch mit Veröffentlichung des Foley-Videos wurden seine Accounts auch von dieser Plattform entfernt.

          Vorerst scheint der virtuelle Propagandaradius des IS damit eingeschränkt zu sein. Doch es werden sich weitere Lücken im System der Social Media auftun. Bis dahin verspotten Tausende IS-Supporter auf Twitter die westliche Welt: „Lieber Obama, gib den Kurden ein Paar Nuklearwaffen. Wir können sie gebrauchen, um New York anzugreifen.“ Denn Spott ist natürlich kein Grund, einen Account zu schließen.

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