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Amerikas TV-Sender : Aber sie haben ja immer noch Donald Trump

  • -Aktualisiert am

Da scheinen sie ein Herz und eine Seele: Donald Trump und Bill O`Reilly. Bild: AP

Mit Bill O’Reilly verliert der konservative Sender Fox News den wichtigsten Moderator. Profitiert die Konkurrenz von MSNBC und CNN davon? Es könnte sein, dass es andere Gewinner gibt.

          Der Abgang von Bill O’Reilly bei Fox News in der vergangenen Woche hat die Nachrichtenlandschaft Amerikas erschüttert. Mit O’Reilly verliert der bis dato erfolgreichste Informationssender sein Zugpferd und nach der Demission des Sendergründers Roger Ailes im vergangenen Sommer den zweiten richtunggebenden Veteranen. Das könnte dazu führen, dass sich die Kräfteverhältnisse auf dem amerikanischen Fernsehmarkt verschieben. Die Konkurrenz von Fox News sieht die Chance gekommen, den Marktführer zu überflügeln.

          Fox News hatte den Senderchef Roger Ailes nach Vorwürfen sexueller Belästigung verabschiedet – so wie jetzt auch O’Reilly, der angeblich eine Abfindung von zwanzig Millionen Dollar erhält. Im Januar wechselte die Moderatorin Megyn Kelly von Fox News zu NBC. Sie hatte sich im Wahlkampf mit Donald Trump angelegt, sich dann mit ihm auf Drängen des Senders ins Benehmen gesetzt, dann aber Ende des vergangenen Jahres in ihrem Buch „Settle for More“ die Abrechnung mit den Verhältnissen bei Fox News präsentiert. Von NBC wird sie nun, mit einem geschätzten Jahreshonorar von fünfzehn bis zwanzig Millionen Dollar, zum Nachrichtenstar aufgebaut.

          Schlägt nun also die Stunde von CNN oder MSNBC? Die beiden lange abgeschlagenen Nachrichtensender haben zum ewigen Ersten Fox News schon vor dem Skandalreigen ein wenig aufschließen können. Dabei setzt MSNBC auf die linke Variante des aggressiven Stils von Meinungsjournalismus, für den Fox News steht. Mit ihrer unverkennbar bei O’Reilly abgekupferten Empörungs-Attitüde wurde die Talkmasterin Rachel Maddow zur Leitfigur der politischen Linken. Neben ihr kultivieren MSNBC-Moderatoren wie Chris Matthews und Lawrence O’Donnell die Entrüstung über Donald Trumps Politik.

          Auch CNN geht lauter zur Sache

          CNN hat sich zwar noch nicht völlig der unverblümten Parteilichkeit verschrieben. Aber auch dort hat der Vorzeigemoderator Anderson Cooper den Tonfall verschärft. Cooper, lange Abbild des New Yorker Gentlemans, fällt seinen Gesprächspartnern inzwischen gern ungeduldig ins Wort.

          Sie ist jetzt bei NBC: Die ehemalige Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly.

          Dass CNN oder MSNBC Zuschauer von Fox News gewinnen, ist unwahrscheinlich – in einem politisch zutiefst gespaltenen Land, in dem sich die Sender gezielt der jeweiligen politischen Haltung ihrer Zuschauer anbiedern. Medienbeobachter rechnen eher damit, dass das Fernsehen als Ganzes verliert und digitale Plattformen profitieren – das ultrakonservative Portal Breitbart.com etwa, oder O’Reillys eigener Podcast „No Spin News“, mit dem er sechs Tage nach seinem Abgang bei Fox News im Internet auf Sendung ging. Zu sehen ist der Podcast allerdings nur für diejenigen, die auf O’Reillys Website ein Abonnement für 4,95 Dollar im Monat buchen. Unterdessen übernimmt bei Fox News Tucker Carlson, der mit 47 ganze zwanzig Jahre jünger ist als Bill O’Reilly, den Sendeplatz des Geschassten. Carlsons Markenzeichen ist scharfe Skepsis, die weit entfernt ist von O’Reillys onkelhafter Rechthaberei. Carlson bringt seine Gesprächspartner ins Schlingern, wenn er sie – was im amerikanischen Fernsehen nicht die Regel ist – bittet, komplexe Sachverhalte oder Widersprüche zu erklären. Das war bisher kaum der Modus Operandi bei Fox News, und doch zieht Carlson regelmäßig mehr als drei Millionen Zuschauer an, weil er den Schlagabtausch sucht wie kein zweiter. Megyn Kelly verfolgte während des Wahlkampfs eine ähnliche Strategie.

          Zur Einschätzung der Lage gehört freilich auch der Faktor Trump. Fox News war der mediale Wegbegleiter seines Aufstiegs, der Wahlkampf an sich und nun erst recht Trumps Präsidentschaft bescheren den Nachrichtensendern höchste Aufmerksamkeit. Das gilt für Fox News genauso wie für MSNBC und CNN. „Fox hat Bill O’Reilly verloren“, schrieb der „New Yorker“, „aber sie haben immer noch Donald Trump.“ Der amerikanische Präsident ist übrigens ein erklärter Fan von Tucker Carlson.

          Donald Trump findet ihn gut: Tucker Carlson rückt bei Fox News in den Mittelpunkt.

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