https://www.faz.net/-gqz-vdm6

Produzent Martin Hoffmann : Der Vieleskönner aus Moabit

  • -Aktualisiert am

Nicht alle Fernsehproduktionen Martin Hoffmanns sind so anstrengend wie „Gülcans Traumhochzeit” Bild: dpa

Als er Ende 2003 bei Sat.1 gehen musste, ging der Talkmaster gleich hinterher. Doch Martin Hoffmann ist nicht nur Harald Schmidts Kumpel, sondern mit MME Moviement inzwischen auch ein einflussreicher und vielseitiger Fernsehproduzent.

          4 Min.

          Die Ringe sind noch nicht angefertigt! Der italienische Inneneinrichter macht Stress! Und beim Frühstück im Hotel gibt es Streit, weil sie seinen Koffer mit den falschen Sachen gepackt hat. Einmal in der Woche ist bei „Gülcans Traumhochzeit“ gerade zu bestaunen, wie die Viva-Moderatorin Gülcan Karahanci und der Bäckersohn Sebastian Kamps ihre vorehelichen Wehen austragen, bevor im August live im Fernsehen geheiratet wird. Das ist in etwa so peinlich wie befürchtet, aber nicht so erfolgreich, wie Pro Sieben sich das erhofft hatte.

          Doch wer kann schon in die Zuschauer hineinsehen? Niemand. Martin Hoffmann muss es trotzdem versuchen. Als Geschäftsführer der Berliner Produktionsfirma MME Moviement, die sich die Promisoap ausgedacht hat, wacht der Siebenundvierzigjährige über eine Reihe von Fernsehproduktionen, die ziemlich gut widerspiegeln, was das Fernsehen derzeit so ausmacht - und die sind längst nicht alle so anstrengend wie „Gülcans Traumhochzeit“.

          Bauern, Bullen und die Besten

          MME Moviement liefert die RTL-Erfolge „Einsatz in vier Wänden“ sowie „Bauer sucht Frau“. Für Sat.1 entstehen „Richterin Barbara Salesch“ und „Niedrig & Kuhnt“, für RTL 2 „The Dome“ - Vox lässt sich „Schmeckt nicht, gibt's nicht“ zusammenbrauen. Die ARD ist durch Jörg Pilawas „Der große Schultest“, das „Geschichtsquiz“ und „Frag doch mal die Maus“ endlich wieder mit Unterhaltungsshows erfolgreich. Für den WDR wird der Münster-“Tatort“ produziert, beim ZDF lief „Unsere Besten“, und RTL hat das Spielfilmevent „Prager Botschaft“ in Auftrag gegeben.

          Für RTL setzt Hoffmann Tine Wittler in vier Wänden ein
          Für RTL setzt Hoffmann Tine Wittler in vier Wänden ein : Bild: ddp

          Kaum eine Produktionsfirma in Deutschland hat in den vergangenen Jahren so kontinuierlich expandiert wie MME. Seit der Übernahme der Moviement-Gruppe mit deren Töchtern Filmpool und Allmedia im Jahr 2004 ist fast jährlich Verstärkung hinzugekommen. 2005 kaufte MME Jörg Pilawas Firma White Balance, im vergangenen Jahr holte Hoffmann Vera Int-Veens time-2-talk („Helfer mit Herz“) und die Münchner Lunet Entertainment („Alles außer Sex“) in den Konzern. Alle Firmen existieren mit eigenen Geschäftsführern innerhalb der Gruppe weiter. Hoffmann, der 2003 als Sat.1-Geschäftsführer gehen musste und der Sage nach anschließend mit seinem Kumpel Harald Schmidt (siehe auch: Harald Schmidts Freundschaftsdienst) zur See fuhr, bevor er zur MME kam, erklärt: „Für jedes einzelne MME-Label steht eine Produzentenpersönlichkeit. Und es gibt ein jahrelang gewachsenes Vertrauensverhältnis der Sender zu diesen Produzenten. Das lässt sich nicht zentralisieren.“

          In britischem Besitz, mit Blick über den Kanal

          Die Bandbreite der Aufträge ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Sender ihre Produzenten gerne an den eigenen Konzern binden. RTL arbeitet eng mit der Bertelsmann-Tochter Ufa zusammen, und bei der ARD-Tochter Bavaria beteiligt sich das ZDF, was den unabhängigen Produzenten einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Hoffmann kritisiert: „Ich bin sicher, dass wir das im Markt spüren werden. Wofür sonst gibt es diesen Zusammenschluss als für die Hineingabe weiterer Produktionsaufträge der Sender in die gemeinsame Gesellschaft?“ Dadurch könnten weniger Aufträge bei freien Firmen landen.

          Dabei ist es auch mit der Unabhängigkeit der MME Moviement vorbei: Seit Mai gehört das Unternehmen der britischen All 3 Media von Produzentenlegende Steve Morrison. „Wir sind in Deutschland dennoch weiter selbständig aktiv“, hält Hoffmann dagegen und will sich mit den britischen Partnern künftig regelmäßig zusammensetzen, um frühzeitig Programme auszutauschen und für die beiden Märkte gemeinsam Neues zu entwickeln. Die Schülerserie „Skins“ soll als deutsche Version getestet werden, die Briten haben bereits Interesse an „Pilawas Geschichtsquiz“ gezeigt. Vor allem beim „Factual Entertainment“ glaubt Hoffmann von den Briten profitieren zu können: „Der englische Fernsehmarkt ist einer der innovativsten der Welt.“

          Weitere Themen

          Die Rückkehr des Theaters Video-Seite öffnen

          Spielplanänderung – Staffel 2 : Die Rückkehr des Theaters

          Der Titel unserer F.A.Z. Video-Theaterserie war für die Bühnenhäuser des Landes in der Corona-Pandemie bitterstes Programm: „Spielplanänderung“. Bis zu unserem Dreh im Mai 2021 waren die Theater noch immer geschlossen. Welchen Stellenwert Theater in unserer Gesellschaft hat, wollen wir mit einer zweiten, finalen Staffel unserer Videoserie erkunden.

          Topmeldungen

          Fit fürs virtuelle Meeting : Do you speak Zoomglish?

          Hosten, posten, einloggen – in deutschen Online-Meetings wimmelt es von englischen Ausdrücken. Aber taugen diese auch im englischsprachigen Kontext? Machen Sie den Test der F.A.Z. und der Carl Duisberg Centren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.