https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/produzent-der-ard-olympia-doku-zahlte-attentaeter-2000-dollar-18371626.html

ARD-Doku zu Olympia-Anschlag : 2000 Dollar Honorar für den Attentäter

  • Aktualisiert am

Ein vermummter Palästinenser während der Geiselnahme im Olympischen Dorf am 5. September 1972. Bild: AP

Der Produzent der ARD-Doku über den Anschlag auf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen von München 1972 hat einem der Attentäter Geld gezahlt. Die Hinterbliebenen der Opfer sind entsetzt, die ARD gibt sich überrascht.

          2 Min.

          Die Produktionsgesellschaft der ARD-Dokumentation „Tod und Spiele – München '72“ hat einem der darin befragten palästinensischen Geiselnehmer nach den Dreharbeiten knapp 2000 Euro unter anderem für Nutzungsrechte gezahlt. Das bestätigte der RBB am Freitag.

          Zuvor hatte das Magazin „Focus“ darüber berichtet. Demzufolge erhielt der heute 69 Jahre alte Mohammed Safady das Honorar. Er rühmte sich in der vierteiligen ARD-Dokumentation des Überfalls auf die israelische Olympia-Mannschaft und der Tötung von elf Sportlern und eines bayerischen Polizisten. Er bereue nichts. Jederzeit würde er einen neuen Auftrag zur Ermordung von Juden übernehmen.

          Verwandte der ermordeten israelischen Sportler reagierten, wie „Focus“ berichtet, entsetzt. Die Sprecherin der Opfer-Familien, Ankie Spitzer, deren Ehemann André gefesselt im Hubschrauber saß und mutmaßlich von Mohamed Safady erschossen worden sei, sagte dem Magazin: „Für mich ist es ein Medienskandal der ARD, dass Killer für ihre menschenverachtenden Aussagen mit Geld bezahlt werden.“

           

          Der RBB, der mit dem SWR die Federführung an der Produktion übernahm, teilte mit, Voraussetzung für die beteiligten ARD-Sender sei gewesen, dass keine Interviewhonorare an die zwei überlebenden Attentäter gezahlt werden. Dies habe der Produzent Gunnar Dedio von Looksfilm mehrfach – auch schriftlich – bestätigt. Ausschließlich branchenübliche Aufwände, insbesondere für Sicherheitsvorkehrungen im Rahmen des Interviews mit einem der Attentäter seien von Seiten der Produktion übernommen worden.

          Einige Monate nach den Dreharbeiten habe Dedio eine zeitlich begrenzte Exklusivität mit einem der Geiselnehmer vereinbart. Inhaltlich beträfen diese die Nutzungsrechte sowohl für das Interview als auch für zur Verfügung gestellte Dokumente und Fotos, erklärte der Sender. Diese habe die Produktionsfirma mit 2000 US-Dollar (rund 2000 Euro) abgegolten. „Unsere Redaktionen sind darüber vom Produzenten – das bestätigte Looksfilm – nicht informiert worden“, hieß es vom RBB. Looksfilm wollte sich auf Nachfrage am Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern.

          „Tod und Spiele – München '72“ ist eine vierteilige Dokumentation über das Olympia-Attentat vom 5. September 1972, die die ARD 50 Jahre nach dem Attentat im September ausstrahlte. Darin kommt auch der Olympia-Attentäter Mohammed Safady zu Wort. Looksfilm produzierte die Dokumentation in Koproduktion mit RBB, SWR und dem BR für die ARD in Zusammenarbeit mit France Télévisions und dem niederländischen öffentlich-rechtlichen Sender VPRO.

          Bei dem Überfall auf die israelischen Sportler in ihren Unterkünften im olympischen Dorf töten die palästinensischen Attentäter zwei Sportler und nahmen neun Geiseln. Bei einem missglückten Befreiungsversuch auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck in der Nacht wurden alle israelischen Geiseln, ein Polizist und fünf der insgesamt acht Geiselnehmer getötet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mitten im Park liegt der zerstörte Fernsehturm von Cherson

          Im befreiten Cherson : Verbrannte Erde

          Cherson ist wieder frei, aber russische Truppen haben vor ihrem Rückzug alles zerstört, was man zum Leben braucht. Die Einwohner, die geblieben sind, richten sich ein, so gut es geht.
          Hat künftig das Sagen im Repräsentantenhaus:
 Der Republikaner Kevin McCarthy

          Die Agenda der Republikaner : Sand im Getriebe oder Zirkus?

          Mehrheit ist Mehrheit, sagt Kevin McCarthy, der im Januar Sprecher des Repräsentantenhauses werden will. Die Republikaner wollen die Biden-Regierung jagen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.