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Kritik an ARD und ZDF : Ihr nehmt uns die Luft!

ARD und ZDF produzieren - aber mit wem? Die Allianz unabhängiger Filmdienstleister übt deutliche Kritik. Bild: dpa

Vierundzwanzig Produktionsfirmen schreiben den Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender einen offenen Brief. Der Vorwurf: Tochterunternehmen der Sender verzerren mit Dumpingpreisen den Markt. Was muss sich ändern?

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          Die Intendanten von ARD und ZDF haben am Montag Post bekommen: Einen offenen Brief der Allianz Unabhängiger Filmdienstleister (Auf), der sie auffordert, darauf hinzuwirken, dass sich ihre Tochterfirmen „marktkonform“ verhalten. Was bedeutet, dass diese aufhören sollen, die unabhängigen Firmen mit quersubventionierten Kampfpreisen aus dem Markt zu drängen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es könne nicht das Ziel des beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein, „ein eigenständiges Produktionsimperium aufzubauen, das die effizienten Strukturen der privaten Filmwirtschaft zerstört“. Mittelfristig sei anzustreben, dass die öffentlich-rechtliche Tochterfirmen privatisiert würden.

          Tochterfirmen sind „marktbeherrschend“

          Die Allianz Unabhängiger Dienstleister stützt sich bei ihrem Appell auf ein Gutachten des Kartellrechtlers Rupprecht Podszun, in dem dieser zu dem Ergebnis kommt, dass ARD und ZDF mit ihren Tochterfirmen den Markt verzerren. Die Sender und ihre Töchter seien „marktbeherrschend“ oder zumindest „marktmächtig“. Sie kalkulierten Preise, die „nicht marktkonform“ und quersubventioniert seien und bei der Vergabe von Aufträgen als Referenz gälten. Die öffentlich-rechtlichen Tochterfirmen würden gerade bei Aufträgen zu Fernsehproduktionen massiv bevorzugt. Eine echte Kontrolle finde nicht statt.

          Es lägen „gravierende Indizien“ dafür vor, dass sich die Firmen von ARD und ZDF „nicht marktkonform“ verhielten und „Kartellrechtsverstöße“ begangen würden. Die Tochtergesellschaften von ARD und ZDF, schreibt der Produktionsverband, drängten inzwischen sogar auf den Markt der Werbefilme vor. Den unabhängigen Unternehmen werde „die Luft zum Atmen genommen“. Deshalb habe man das Podszun-Gutachten dem Bundeskartellamt vorgelegt.

          Es gelte, die beschriebene Entwicklung zu stoppen, schreibt der Verband, dem 24 Produktionsfirmen angehören. Der Verband verweist auf die Ermittlungen, die das Bundeskartellamt wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen gegen die Bavaria und das Studio Hamburg aufgenommen hat. Bevor diese Kontrolle „noch weiter gehend von außen wahrgenommen wird“, ergehe der Appell an die öffentlich-rechtlichen Sender, selbst für eine stärkere Kontrolle der kommerziellen Töchter zu sorgen und deren Aktivitätsradius zu beschneiden. Dazu wolle man mit den Sendern gern ins Gespräch kommen.

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