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Pro7-Programm : Der Bob Geldof des Fernsehens

  • -Aktualisiert am

Auch er darf sich bei Pro7 weiterhin immer wieder „neu erfinden”: Stefan Raab Bild: ddp

Der private Fernsehsender möchte Boris Becker eine neue Gesprächsreihe geben und dem Zuschauer eine zweite Chance. Nur den eigenen Hofnarr Christoph Maria Herbst hat man noch nicht unter Kontrolle.

          Hofnarren haben bei Pro7-Tradition. Früher als er noch noch nicht im Status eines universellen Heilsbringers war, ließ Stefan Raab Senderchef Roger Schawinski bei der Präsentation des Jahresprogramms mit despektierlichen Bemerkungen erblassen, dass Schawinski hinterher betäuern musste: „Zwischen Stefan und mich passt kein Blatt Papier“. Seine Rolle erbte Oliver Pocher, der Guillaume de Posch desavouierte, bevor es ihn zur ARD zog. Jetzt ist der Wuppertaler Christoph Maria Herbst, besser bekannt als Stromberg, der Hofnarr, der bei der Präsentation des zukünftigen Pro7-Programms in der Münchner Freiheizhalle dem Sendervorstand Andreas Bartl das eine oder das andere Mal das Lächeln im Gesicht gefrieren ließ. „Schon komisch, wenn man gerade Collien und Gülcan begrüsst hat und dann kommt so etwas“, wird Bartl hinterher sagen.

          „Wen Pro7 schon alles von der Straße geholt hat“

          Herbst hatte die wackeren Primetime-Freizeitbäuerinnen zusammen mit den „schwangeren“ Giovanni und Jana Ina und Weddingplaner Frank kurzerhand als Fälle „fürs Sozialamt“ benannt. „Wen Pro7 schon alles von der Strasse geholt hat. Man kann sagen, Pro7 ist der Bob Geldof des Fernsehens“, schwadronierte Herbst fröhlich weiter. Eigentlich tödlich für einen Sender, der stets mit einem Premiumanspruch angetreten ist. Aber Herbst war ja schon zu Beginn aufgefallen, dass der Ort der Veranstaltung deutlich „ärmlicher“ ausgefallen sei als im letzten Jahr in der Tonhalle in Düsseldorf.

          Auch mit dem ausgeschiedenen Vorstand Guillaume de Posch hatte „Stromberg“ noch sein Hühnchen zu rupfen. Was der wohl mit seinen Abfindungsmilliönchen anfange... Aber man solle de Posch nicht reizen - „nachher schreibt der auch noch ein Enthüllungsbuch wie Roger Schawinski nach dem Motto: 'Schuld waren immer die anderen.'“ Dann doch lieber den „Aufsteiger des Jahres“ bejubeln: „Andreas Bartl, das Pendant zu Mark Medlock - gestern noch Hartz IV und heute schon Superstar.“ In diesem Umfeld wurde es selbst für den neuen Pro7-Geschäftsführer Thilo Proff schwierig, mit dem nötigen Ernst auf die vermeintlichen Stärken seines Senders zu verweisen.

          Heidi Klum droht zu bleiben

          Stefan Raab habe durch die Bank weg mit seinen Projekten Erfolg. „Er erfindet sich ständig neu“, hat Proff beobachtet, um dann halb prustend von Raabs jüngstem Coup zu berichten: „Wenn man mit zwei Autos und 'nem dicken Gummiball fünf Stunden Programm macht und 25 Prozent Marktanteil einfährt, finde ich das toll.“ Daneben freute sich Proff, von einer mehrjährigen Verlängerung des Vertrags von Topmodel Heidi Klum bei Pro7 berichten zu können. Man habe ein „astreines erstes Halbjahr“ hingelegt, findet Proff allen Katastrophenmeldungen zum Trotz. „Jetzt müssen wir uns festigen.“

          So sei der Montag in der Vergangenheit bei Pro7 „eher eine Baustelle“ gewesen, jetzt würde man mit Mystery-Serien wie „Primeval“ und „Supernatural“ Fuß fassen, Dienstag und Mittwoch sollen es weiter die „Desperate Housewives“ und „Grey's Anatomy“ richten. Richtig freuen darf man sich auf zwei Top-US-Serien : Bei Pro7 wird der amerikanische Hit „Eli Stone“ laufen, um einen Anwalt, der seine Anweisungen von Popstar George Michael erhält, und „Pushing Daisies“, der Serienhit über ein Leben nach dem Tod, der im Herbst 2007 bei ABC gleich 13 Millionen Zuschauer fand.

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