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Umstieg von UKW auf DAB+ : Für das Privatradio geht es ums Überleben

  • -Aktualisiert am

Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk stehen für die Umstellung von UKW auf DAB+ rund 600 Millionen Euro zur Verfügung, den Privaten nicht. Bild: dpa

Politisch war der Umstieg von UKW aufs Digitalradio DAB+ beschlossen. Doch hat der Landtag in Niedersachsen dagegen ein Zeichen gesetzt. Aus Sicht der privaten Sender ist es zwingend nötig. Ein Gastbeitrag.

          Es geht nicht um Krieg oder Frieden, auch nicht um eine fundamentalistisch geführte Auseinandersetzung in Glaubensfragen. Gleichwohl beschleicht einen dieses Gefühl oft in der aktuellen Diskussion, in der fast prophetisch und immer mit großer Ereiferung die vorgetragenen Argumente pro DAB+ als der einzig „selig“ machende Übertragungsweg für die Zukunft des Radios beschrieben werden.

          Tatsächlich geht es hier um grundsätzliche und existentielle Herausforderungen für die Entwicklung einer erfolgreich etablierten Mediengattung, die einen weitsichtigeren Blick verdient: Wie stellt sich die Branche auf, wie entwickeln wir angesichts der digitalen Herausforderungen unsere Angebote weiter, welche Übertragungswege gestalten und nutzen wir? Die Digitalisierung – und das haben neuerdings selbst die DAB-Protagonisten erkannt – auf DAB+ zu reduzieren, ist intellektuell zu schlicht und unternehmerisch fahrlässig. In einer aufrichtigen und differenzierten Debatte müssen stattdessen sämtliche Verbreitungswege berücksichtigt werden, auf denen Audioangebote vom Hörer beziehungsweise User gesucht werden – bis hin zu 5G.

          Und unternehmerisch vollkommen fahrlässig ist es, dabei ständig wieder, unverhohlen oder zwischen den Zeilen, die UKW-Abschaltung zu fordern. Bis dato und für längere Zeit noch ist diese Verbreitung für das private Radio unabdingbar. Warum? Es ist aktuell das einzig funktionierende Geschäftsmodell, mit dessen Erlösen wir, die Privaten, die Investitionen für den Aufbau unserer digitalen Übertragungszukunft erwirtschaften können. Uns Privaten stehen eben nicht mehr als 600 Millionen Euro aus Beitragsmitteln in einer Dekade zum Umstieg zur Verfügung.

          Geht regionales Radio verloren ?

          Auch weitere Fragen gehören zu einer differenzierten Betrachtung: Ist regionales Radio für die Privaten mit der DAB-Technik aktuell gestaltbar? Die Antwort lautet: Zurzeit nicht! Ich habe in meinem Auto für einen stattlichen Aufpreis ein DAB+-Radio und erlebe täglich, was die Regionalisierung betrifft, ein Desaster. Interessanterweise interessiert das selbst die Landesmedienanstalten wenig, denen sonst die Regionalisierung eines der großen Anliegen ist. Aber falls ein analoger Werbetrenner nicht laut genug klingt, wird man umgehend aktiv.

          Ob DAB+ wirklich preiswerter als UKW ist, bleibt unter der Prämisse der Regionalisierung unbeantwortet. Nach unseren Erkenntnissen werden die Verbreitungskosten steigen. Werden sie deshalb ausgeblendet?

          Die Frage, ob die Balance des dualen Systems endgültig kippt, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk DAB+ zur Erweiterung seiner Radioangebote nutzt, wird nicht offen diskutiert, schlimmer noch: In aktuellen Papieren der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) wird dies bereits als Fakt goutiert. Ebenfalls unbeantwortet seit Jahren: Wer soll das bezahlen?

          Die Privaten haben schon viel geleistet

          Das öffentlich-rechtliche Radio verfügt über die bereits erwähnten mehr als 600 Millionen Euro bis 2025 aus dem Rundfunkbeitrag, also bezahlt von uns allen. Und die Privaten? Ein großes Fragezeichen! Ist DAB eine von Nutzern und Werbekunden nachgefragte, getriebene und geförderte Technologie? Antwort: Nein! DAB ist nicht digital in dem Sinne, wie heute Agenturen, Werbetreibende, Kunden und Nutzer digital verstehen. Stichwort: Adressierbarkeit!

          Erstmalig wurde mit dem Beschluss des Niedersächsischen Landtags einstimmig ein objektiver Status quo beschrieben. Allein dies ist aus Sicht der Privaten mehr als zu begrüßen. Wer solche drängenden Fragen stellt, wird dann als „größter Gegner von DAB“ verunglimpft.

          Wir, die Privaten und der Verband Vaunet, treten mit Nachdruck für die Transformation der Gattung Radio in die digitale Welt ein. Wir haben dabei schon wesentlich investiert und viel geleistet – das ist im Netz, und übrigens auch auf DAB+, deutlich hörbar.

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