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„Prinzessinnenreporter“ : Die endgültige Rettung des Onlinejournalismus

Von Plakat zu Plakat: Man wird einmal anerkennen müssen, dass es die Prinzessinenreporter waren, die Tanz als onlinejournalistische Darstellungsform groß gemacht haben. Bild: Screenshot www.prinzessinnenreporter.de

Eine sehr rosa Website, aufgeblasenes Medienvokabular und die grundsätzliche Ansprache der Leser als Untertanen: Die Satireseite „Prinzessinnenreporter“ macht sich über die „Krautreporter“ lustig. Mit sehr viel Liebe.

          Wenn jeder die Parodie bekommt, die er verdient, kann man den Krautreportern nur gratulieren. Das Projekt „Prinzessinnenreporter“ verhohnepiepelt die einstige Rettung des Onlinejournalismus aufs Allerliebevollste. Man möchte sofort 60 Euro spenden, weiß aber nicht wohin, denn die Fundingphase hat noch nicht begonnen. Man ahnt, dass sie vermutlich spät bis nie beginnen wird, denn die wortreiche Prokrastination gehört bei crowdgefundeten Journalismusrettungsprojekten seit den Krautreportern schließlich zum Kernprinzip. Und deshalb natürlich auch zu den Prinzessinnenreportern, „DIE visionäre crossmediale Multiplattform-Strategie für das nächste Jahrtausend, die crowdgestützte Infoeliten-Basis für den Digital Native auf der Suche nach state of the art-Nachspür-Reportagen“, um die Selbstbeschreibung auf der Seite www.prinzessinnenreporter.de einmal zu zitieren.

          Vor allem aber sprechen die Prinzessinnenreporter aus, was andere allenfalls heimlich zu denken wagen: „Die Crowd wird unter dem Namen 'Untertanen' geführt. Prinzessinnen sind nur in begründeten Ausnahmefällen mit Comments zu belästigen.“ Na endlich! Journalismus ohne dieses ganze vorgeschobene Gruppenkuschelgefühl, das man mal so halbherzig verbreitet, um dem Plebs – und das ist er ja, seien wir doch einmal ehrlich – ein bisschen Augenhöhe vorzutäuschen. Man darf ruhig hierarchisch denken, wenn man eine so schöne rosa Website mit lauter Krönchen drauf hat.

          Keine Mundhygiene-Reportagen, niemals

          Bekanntester Kopf der Prinzessinnen ist Leo Fischer, ehemaliger Titanic-Chefredakteur und laut Selbstbeschreibung vor allem deshalb dabei, weil er mit ganz vielen jungen Männern in Kontakt kommen möchte, die auf den entscheidenden Karrieresprung warten. Das ist ehrlich und ehrenwert. Andere „Köpfe“, wie Journalisten sich ja gerne nennen, stellen sich mit ihren Projekten vor: Elke Wittich will über Schuhkäufe schreiben, Ramona Ambs begründet das Genre der getanzten Reportage – eine Ankündigung, die bereits eindrucksvoll in die Tat umgesetzt wurde –, Marit Hoffmann schreibt irgendwas Schwammiges, was natürlich sehr klug ist, weil man sie dann auf nichts festnageln kann, und Svenna Triebler macht was mit Tierkindern, ein klassisches Internetthema also. Angekündigt ist auch der Grundsatz „keine Mundhygiene-Reportagen, niemals“, was die krautreportergeschädigte Leserschaft sicherlich zu schätzen weiß.

          Noch ist das Projekt in der „Prä-Alpha-Phase“ und bemüht sich, mit minimalem Inhalt und einer maximalen Menge an Statusmeldungen größtmöglichen Staub aufzuwirbeln. Es gibt Statistiken, vor allem aber Grundsatzpapiere noch und nöcher. Unter @ReporterRoyale wird auch getwittert.

          Wir begleiten die jetzt aber wirklich bald erfolgende Rettung des kaputten Onlinejournalismus mit angehaltenem Atem und viel Sympathie. Wir sind so gespannt auf innovative Videoformate mit Nachspürcharakter, dass wir gar nicht wissen, wohin mit uns. Von diesen Prinzessinnen würden sogar wir uns retten lassen. Wir befürchten allerdings, dass eine der Grundregeln, die so wichtig ist, dass sie gleich zweimal auftaucht, das ganze Projekt bestimmt: „Bitte kein Streß“. Das erscheint uns erstrebenswert, für unser eigenes Geschäftsmodell jedoch schwer umzusetzen. Den Prinzessinnen auf diesem Wege aber schon mal alles Gute!

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