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Prinz Harrys Weltrettungsposen : Kinder oder Klima

  • -Aktualisiert am

Eins geht noch: Prinz Harry von Großbritannien und Meghan, Herzogin von Sussex, kommen mit ihrem Sohn zu einem Fototermin in der St. George’s Hall im Windsor Castle. Bild: dpa

Prinz Harry legt sich in der „Vogue“ fest: Er und seine Frau wollten der Umwelt zuliebe höchstens zwei Kinder haben. Dämmert hier ein neuer ökologischer Lifestyle-Imperativ herauf?

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          Wo sonst als in einem auf luxuriöse Äußerlichkeiten spezialisierten Hochglanzmagazin wären glamouröse Weltrettungsposen besser aufgehoben? Meghan Markle, Herzogin von Sussex, hat eine Ausgabe der britischen „Vogue“ betreut. Auf dem Titel feiert sie Frauen als Veränderer der Welt, zeigt die Klima-Aktivistin Greta Thunberg und Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern, vor allem aber gesellschaftlich engagierte Stars: Schauspielerinnen und Models wie Jane Fonda, Christy Turlington, Salma Hayek. Dass sie eher das linke politische Spektrum abbilden, regt in Großbritannien diejenigen auf, die auf die Neutralität des Königshauses pochen.

          Aber interessanter wird es im Innenteil des Hefts. Dort sagt Meghans Gemahl Harry der Primatenforscherin Jane Goodall, er und seine Frau wollten höchstens zwei Kinder – der Umwelt zuliebe. Damit liegen sie im Trend, denn in hochindustrialisierten und wohlhabenden Teilen der Erde wie Europa und den Vereinigten Staaten, wo die Geburtenrate ohnehin seit Jahren unter zwei Kinder pro Frau gefallen ist und die Gesellschaften altern, hat der öffentlich deklarierte, moralisch überhöhte Verzicht auf Kinder ein Momentum.

          Wurden Frauen (aber auch Männer) früher des Hedonismus geziehen oder bemitleidet, wenn sie keine oder wenig Kinder wollten, schaute man besorgt auf ökonomische Rahmenbedingungen, miserable Vereinbarung von Familie und Beruf oder Angst vor der Zukunft, droht sich Letztere in einen ökologischen Lifestyle-Imperativ zu verwandeln.

          Die Lehrerin Verena Brunschweiger bezeichnet in ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos. Ein Manifest“ Kinder als das Schlimmste, was man dem Planeten antun könne, und fordert eine Prämie für Kinderlose. Die britische Sängerin Blythe Pepino findet mit ihrer Bewegung „Birth Strike“, die zur Reproduktionsverweigerung aufruft, bis das Klima gerettet ist, auch in Amerika Anklang. Dass Privilegierte der Ersten Welt in einem Umfeld, das von Kinderarmut (auch Kinderfeindlichkeit), nicht aber von Kinderüberfluss gezeichnet ist, sich als Weltenretter fühlen wollen, wenn sie (wie bisher schon) wahlweise keinen oder wenig Nachwuchs wünschen, ist absurd. Man weiß längst, was die Geburtenrate senkt, immer und überall: bessere Bildung für Mädchen und Frauen, eine wirtschaftliche Entwicklung, an der auch die weibliche Hälfte der Bevölkerung aktiv teilhat, Gleichberechtigung. Sich dafür mit aller Kraft einzusetzen wäre sinnvoller, als Menschen, die sich für Kinder – vielleicht sogar für mehr als zwei – entscheiden, implizit moralisch abzuwerten.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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